60. Iahrgang
Ar. 80
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Rosenhelmer Anzeiger“ mit dem textlich und illustrativ reich ausgestatteten achtseltigen
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die heutige Hummer umfaßt 6 Seiten.
Auf den täglich erschelnenden „Rosenheimer
Anzeiger mit seinem achtseitigen
illustrierten „Rosenheimer Sonntagsblatr
kann für die Monate
Februar und Mäez
bler in der Expedition oder bel den verschiedenen
Abh lestellen, auswärts bei ben
Kagl Pottämtern und Postboten, sowie bei
ben bekannten Agenturen um den Preis von
Mk. 1.20 abonniert werden.
Neues vom Tage.
5. Februar.
Mit Inkrafttreten des Sommerfahrplanes wird
ver Fhsesiche l Betrieb * der Strede Salzurg
Der Firanzausschuß der Kammer der Abgeord-Lnelen
hat 10 000 Mk. zur Bekämpfung des
Allohoimihdrauches genehmigt.
Der Tiroler# Lanieg ncht inler ber Obbstruktion
der Italiener, weil die Fleimstalbahn nicht
nur auf italienischem, sondern auch auf deutschem
Gebiete erbaut werden soll. Die Deutschen
wollen die Obstruktion auehalten und
chteten sich gesiern auf cine Dauersitzung
eir
r—
Der Reichstag bchhiiüt sich zurzeit mit den
Jorderungen lach freiheitlicher Abänderung
Relchsvereinsgesezes. Die Regierung ließ
keen daß sie eine Novelle zum Gesetz
nicht einzubringen gedenle.
#
In Schottland haben vie Frauenrechtlerinnen
gestern drei Anschläge ausgeführt. Mehrere
Hauser wurden in Brand gesteal.
Bei der Nroolnnon ir em wurde der Präiident
von Aussiändischen gefangen genommen.
Bei der Eroberung des Palastes des Prasidenten
wurde der Ministerpräsident getötet.
Wilde Jagd.
Noman von Alfred Willon-Barrekl.
Mr. Durand muchte aus irgend einem Grunde
amgehalten worden sein oder er halie einen Tag
damu vertrödelt, daß er die Schens zwurdigleiten
angafte. Noch nie kam mir ein Mensch zu Ge.
r der so unangenchm uberrascht war wie er,
*( mich erblickte. Sie lennen ja die Wagen
oe Strecke, an jedem Ende haben sie eine Plausorm
und die Türen sind einander gegenuber: wenn
maan auf die Plattform hinaustritt, lann man die
Versonen im nächsten Wagen sehen. Mit einem
Schiine hälte ich den Raum zmischen den beiden
Waggons ganz gut überqueren können, wenn ich
aber Turand im Zuge angegriffen hätte — ich
dachte, daß er seine Beuie wohl nicht ohne Kampf
sahren lassen würde — hälte er vielleicht das
ngversonal herbei gerufen und einen Tumult
vermiacht, bei dem zich gewiß nich! gut davongeimmmen
wäre. Denn ich konnte sa nicht beweisen,
daß die Opale mein und Ihr Eigentum
waren und ich glaube, der Bursche hat das auch
sewußt. Erst pflegte ich immer aufzustehrn und
auf die Plattjorm binauszugehen, um mich an
jeiner Angst zu weiden, dann sing ich brwahn
lüch wieder zurück und setzte mich nieder. Nack
und nach durste der Mann erkannt haben, ran
r zurmlich sicher war und das eine muß ich
geitehen, schneidig ist er immer — und er zahlte
uir nur mit meiner Munze heim. Er halte einen
leinen Sack bei sich, der so viel man sehen kounte
ren nlich schwer war und so oft ich nun auf die
W7 #nansnam winlie er mir mit diesem
ch konnte erraten daß er die Opale
Saen und cs kostete mich eine breen licher-2
Hosenheimer Anzeiger
Freitag, 6. Febr#nar 1914
breite Petitzelle oder deren Raum
Das Abonnement wird für Rosenhelm in der M. Niedermay#'schen Buchdruckerel sowie 1
den —S Fillal- Expeditionen der Stadt enigegengenommen; außerdem nehm
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die Marinerüstungen.
Verlin, 4. Febr.
In der Frage der Marine-Rüstungen hörten
wir gestern Stimmen aus England; wir
verweisen auf die Rede Greyo an anderer Stelle
dieser Nummer. Heute beschäftigte sich die Budgetlommission
des Reichslages gelegentlich oer
Beratung des Marine-Etats mit der gleichen
Frage: i machte Staatssekretär v. Tirpitz
sehr bemerkenswerte Ausführungen.
Staatssekretär von Tirxpitz erklärte, er habe
seinen Ausführungen im Vorjahre nichts Dinzuzufügen
und nichts von ihnen abzuziehen. Er
betonte, daß die von England angebotene Relation
von 16:10 auch heute noch annehmbar
sei, daß dagegen deer nur gelegentlich einer
Wahlrede erwähnte Feierjahrsgedanke nicht verwirklicht
werden könne. Besonders bekonte der
Staatssekretär, daß positive Vorschläge an uns
bis jetzt nicht herangetreten seien. Geschehe dies,
so würden sie sicher wohlwollend geprüft werden.
Weiter gab der Staatssekretär Ausschluß
über das Anwachsen des Marineetats der verschiedenen
Mächte in den letzten fünf Jahren, wobei
ein sehr viel stärkeres Anwachsen dei den
fremden Staaten sestzustellen sei. Hiernach steigerten
sich die Ausgaben in den letzten fünf
Jahren fur Deutschland um 55 Millionen Mark,
für England, das schon damals eine doppelt
so starte Flotte hatte als wir, Um 216 Millionen,
d. i. um das Vierfache, ohne den noch
zu erwartenden Nachtragsetat von 60 Millionen;
für Frankreich um 134 Millionen, d. i.
das 21 fache, für Rußland um 302 Millionen,
d. i. das 51 fache, und zwar fast nur für die
Ostseeflotte.
Hinsichtlich des Feierjahres bestätigte Staats
selretär von Jagow, dah amtliche Vorschläge
nicht an die deutsche Regierung gelangt seien.
Es scheine ihm auch schumer zu sein, einen Weg
zur Verwirklichung des Churchillichen Vorschlages
zu finden, der übrigens seines Wissens
in der öffentlichen Meinung selbst keinen besonders
lebhaften Anllang gefunden babe.3
Ein Mitglied des JZentrums hielt den Wedanlen
des Feierjahres im Flottenbau für erledigt,
nachdem der englische Vorschlag ledig
lich in die Oeffentlichkeit geworsen worden sei,
nicht aber der t Gegensiand von Verhandlungen
windung. mucht- Tim zu stürzen und den Schurken
bei der Kehle zu sassen. Ich wußte, daß sich mir
die Gelegenheu bieten würde, wenn wir in
Springsield angelangt walen und wartete in Ruhe
meine Zei ab. Das Spiel mit dem Sack, daß
Dmand sehr iu belustigen schien, war für mich
nickt im geringsten am niam, wic man sich denlen
lann und nach ciniger zzeil gab ich es auf, immer
wieder auf die Plattorm hinausmgeben: ich sparte
meine Rache auf. bis wir nach Springsield lämen.
Ich beging einen Fehler, den ich seither schon oft
bereut habe.
2
Wir waren nicht mehr weit von einer
Kreuzungestation und ich überlegte, ob ich dort
nich, den Wagen wechseln und zu Turand in den
Laggon einsteigen sollic, als das Tempo des
Zuges ploßlich langsamer zu werden schien; ich
prang auf und bleickte hinaus. Vor mir, auf der
Alaitform des Wagens, der der nächste gewesen
war, jehbt aber rasch in der Ferne verschwand,
siand Durand und winkte mir spöttisch mit der
Hand zu. Mein Wagen stand slill. In einer
Selunde war mir llar, was gescheben war.
Durand mußte sich ein schwaches Gefälle der
Strecke zunune gemacht haben. An dieser Siele
wurden die Pufser der Waggons aneinander
gedruckt und Durand hatte sich gebückt und die
Kuppelung aufgemacht. Das einfachste Ding von
der Welt — in einem neusceländer Zuge
zumindest — — und ich war nun einen Augen.
lüict lang zu überrascht um mich auch nur zu
regen. Aus diesem Zustande der Betäubung
erweckte mich der Schaffner, der hastig an mir vorbeilies.
Mein Wagen war der letzte von den
vieren im zuge und ich und der Mann waren
die reimugen, deren Reise so unterbrochen worden
Ter Mann wars eiligst einen schorfen
c auf die Kuppelung und winste wie rasen
zmischen den beiden Regierungen war. Bei der
einsthaften Behandlung dieser Frage müßten
doch auch die Mächtegruppierungen in Betracht
gezogen werden. Ein Fortschrittler erklärte.
Deutschlands Rüstungen trügen leinen agaressiven
Charakter. Erfreulich sei, daß der Staatslekretär
etwaige Vorschläge von englischer Seite
über die Herstellung einer gewissen Relation
der Kampfschiffe ernsthaft prüfen wolle und
in diesem Punkte an seinen vorjährigen Anschauungen
festhalte.
Der Referent glaubte nicht an die Möglichleit
eines Abkommens mit England hinsicktlich
des Tempos im Flottenbau und die Relation
des Schiffsbestandes. Berechtigtes Mißtrauen
sei in der Politik angezeigt. Auch er würde
ein Abkommen mit England lebhaft begrüßen.
Aber gerade England sei es, das fortwährend
zu neuen Rüstungen treibe. Deutschland halte
an seinem Flottensatze fesi. Bedenklich mache
es ihn, daß Rußlano seine Ostleeilotte in hohem
Maße ausbauc. Ein nationalliberaler Abgeordneter
begrüßte es, daß die Beziehungen
zu England und der Ton in der englischen Presse
anierlicher geworden seien. Er mochte aber
das Wort des Referenten von einem „gesunoen
Mißtrauen“ kräftig unterstreichen. Ein Redner
der fortschrittlichen Volkspartei. glaubte, datz,
wenn auch mit England eine Vereinbarung n
den Rustungsĩragen zustandekäme, Frankreich und
Rußland nicht verpflichtet ieien, weniger zu rüsien.
Bei der Einlegung eines Feierjahres wür.
den den deutschen Werften und ihren Arbeitern
Schwierigleiten erwachsen.
das Reichsvereinsgeseß.
Verlin, 4. Februar.
Der Reichstag beschäftigte sich heute mit dem
Reichsvereinsgesetz. Den Anlaß dazu boten die
von den Polen, dem Zentrum und den Sozialdemokraten
gesiellten Resolutionen. Verlangt
wird eine Novelle zum Gesetz, welche das Verbot
des Gebrauchs einer nichtdeutschen = Srach in
öffentlichen Versammlungen aufhebt. Das Verbot
der Teilnahme jugendlicher Personen an
politischen Vereinen und Verkammlungen beseitigt,
das Recht der Polizeibehörde, Beauftragte
in öffentliche Versammlungen zu entsenden,
in einschränkendem Sinne klarstellt, die
d##em uch rasch entfernenden unc nach. —
licherweise gewann ich dadurch Zei zur Ucberlegung
und als er niedergeschlagen und trostlos
zurucklehrte, war ich über die anzunehmende
Haltung ichon schlussig geworden. Wenn ich
Dmand als die Urfache dieses Unfallc angab, so
hälle ich bei dem Sirafversahren. dar gegen ihn
cingelelct werden n ürdc, sicherlich als Zeuge zu
lungieren. Aller Wahrscheinlichlert nach wurden
sie Durand aber nicht fangen und ich wurde der
sem, der zu leiden halle.
Hallohl! rief ich, als der Schaffner wieder
vorbeilam. Was zum Teuiel soll da-r bedeuten:
Warum bat man uns so zuruck gelanen:
HOilflos starrte der Mann erst mich und dann
wieder die Kuppclung an. „Ich weiß nicht!“
sagte er. „Bei der Wagenkuppein ang in alles in
2 DHaben Sie nichts geschen
oll ich auch gesehen haben?" gab ich
zurück. *5% babe gesehen wie der Wagen sieben
blich und ich weist auch, daß ich die dringendsien
Grunde habe, sogleich nach Springsield“ ziu lommen.
Der Aufenthalt lann mur einen großen Verlust
eintragen, für den ich ganz gewiß die Eisenbahneiellschaft
verantwortlich machen werde. Was
2 ich nun tun? Wie kann ich weitler kommen!'
Mein Don schien dem Schaffner, der daruber,
daß wir auf der Strecke zuruckgelassen wurden,
wahrscheinlich ebenso bekümmert war wie ich und
dem ahnie, daß irgend lemandem Unannehmlichleiten
entstehen lonnten, Furcht einzufloßen und
er wollte die Dinge nicht noch schlechter machen.
„Ich habe da eine Draisine im Wagen“,
sagie er. „Bis zum Morgen kommt hier kein IJus
mehr vorWei, so daß dem Wagen nichts geschehen
kann, auch wenn wir ihn verlassen. Aein Sie
wollen, lonnen wir mit der Traisine bis zur
Kreuzung kommen. s ist nicht mehr weit.
#. M. Hamburg, Haonnove, Innsbruck, —. Koln
Ausübung des Versammlungsrechts gegen Verhinderung
ourch polizeiliche Anordnungen Über
die Polizeistunde schützt, für die öffentliche Bekanntm
tmachung einer „Versammlung. deren Bekanntgabe
in einer Zeitung, welche in dem betreffenden
Reichstagswahlkreis herausgegeben
wird, als genũgend erklärt. Die Resolution
der Polen und Sozialdemokraten erhoben weitergehende
Forderungen.
Von einem Vertreter des Reichsamtes des
Innern wurde erklärt, die Handhabung und
Ausführung des Reichevereinsgesetzes liege in
der Hand der einzelnen Regierungen; es gele
keinen Reichsbeamten, der unmittelbar etwas
damit zu tun habe. Die Reichsleitung sei darum
nicht in der Lage einzuschreiten, um die vorgebrachten
Klagen zu beseitigen. Die Reichsleitung
sei nur in der Lage mit der Regierung des
betreffenden Bundesstaates in Verbindung zu
treten, wenn sich Differenzen herausstellen. Die
Ausführungsbestimmungen derinzelregierungen
bewegten sich aber durchaus auf dem Boden des
Gesetzes. Der preußische Minisier des Innern
habe Anlaß genommen, mit aller Entschiedenheit
die Behörden anzuweisen, daß das Gesetz
in einem liberalen Sinne auszuführen sei. Ueber
die Ausführung des Vereinsgesetze# haben in
ersier Linie die Oberverwaltungsgerichte zu entscheiden,
aber auch die Oberlandesgerichte werden
in diese Lage gesetzt und das Reichegericht
komme als 3. rechtsbildende Instanz für das
Vereinsgeses in Frage. In den fünf oder sechs
Jahren seit dem Inkrafttreten des Gesetzes sei
man zu non großen Sicherheit in der Auslegung
gekommen. Die Klagen richten sich nur
gegen Kleinigkeiten (Unruhe und Wireripruch
links). Redner erklärt dann, daß bei der Reichsleitung,
der preußischen Staatsregierung und
auck bei den einzelnen verbündeten Regierungen
krige Neigung besiehe, eine Novelle zum Reichsvereinsgesetz
zu bringen. Was den Sprachenparagraphen
anlange, so habe die Regierung
ihren Standpunkt hierin nicht veränder. Es
sei auch Beschwerde erhoben worden, dat landwirtschaftliche
Vereine unter das Vereinsgeset
gesielli worden sind. Er sei sich noch nicht darüber
klar, was ein politischer Verein ist; man
habe diese Frage der Judikatur anheimgesteellt.
Ein landwirtschaftlicher Verein brauche kein politischer
zu sein, aber er kann es sein. Was von
diesen Vereinen gilt, gilt auch fur Turn., Ge-Wenn
der Zug dort nicht au uns wartet und
su glaure auch nichl, daß er dies tun wird.
denn es ist von dort nur mehr ein kurzes Stück
bis nach Springiicld, so lonnen Sic vorausiichtlich
im Hotei an der Kreunzungestation ein Pferd
bekommen und so an das Ziel Ihrer Reise
gelangen.-“
Ich nahm dieses Angebet an und bald
hatten wir die Draisine aus dem Wagen gedolt
und auf den Schienen. Ich glaube ni ch:, daß ich
jemals vorber schon so rasch vorwärts gekommen
bin, denn das werden Sie mir ja glauben, daß
wir mit allen Kräften arbeueten. AWr langten
bei der Kreuzungshaltestelle nicht vicl später an,
nachdem der jeblende Teil unseres Zuges wieder
abgefabren war.
Ich ließ den Schafincr allein, damit er den
Neugierigen, die sich gleich um ihn gesammelt
hatien, seine Geschichte erzablen lönnt und eilte
iäe die Derberge, die den Namen „Hotel zur
Krruung fubt#l.
edoch mußte ich zu meiner großen Berrübr
ersabren, daß Durand das einzige verfügbare
Pferd #enommen. haue und damit davon
geritten war. Ich nehme an, daß er nichr haben
wollte, daß das Pferd für mich im Sialle sichen
bleile, bei der schon aussueg, den Hotelgaul
kausie und oh ch erst mit den Fragen
nach dem ab enssenen r aufzuhalten davongallopiert
war.
Zum Glücke kam mir da mein Freund, der
Schaffner, zu Hilse und verschaffte mir von einer
in der Nähe legenden Farm ein Pferd. Meine
Smte war eine abgerackerte, alte Mähre, dessen
ungeachtet konnte ste aber gut galloppieren ur
in einer Stunde etwa sah ich vor mir auf dem
Wege Durand einherreiten. So viel ich sehen
konnte, hatte sein Roß schon genug, während das