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Freitax# 29. Jannar 1918
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und Berlag: Nr. 72; Inferaten-Abtellung: 285.
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Rosenheimer Tagblatt
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Ein englischer Sblahttuur und drei Zerstörer in der Nordsee vernichtet.
dle Währhelt über die Seeschlacht in der nordlree.
Brerrs. — der währe Grund der englischen Cencrung.
— Die Ruflen vom Ue#foker Paß vertricben.
kreuzer.
Rußlands Pläne auf dem Balkan.
Das Ballanproblem steht nach wie vor im
Vordergrund der politischen Erörlerungen, einesteils
wegen des kussisch= tärlischen Krieges, andererseits
wegen der weiteren Haliung namentlich
Rumäniens und Bulgariens. Verschiedentlich
liegen neuere Meldungen darüber vor. Auch
uber die russischen Pläne, welche auf dem Valkan
verwirklicht werden sollen, kommen heute
verschiedene Meldungen. Ob sie den Tatsachen
entiprechen, lassen wir dahingestellt; immerhin
lind sie interessant genug, um weiter bekannt
zu werden.
Zunächst hat Rußland die Absicht, sich in
der Türkei häuslich einzurichten. Aus Konstantinopel
liegt darüber folgende Melbung vr:
Die Alsicht Nußlands geht nicht dahin, über
die türkische Armee im Kaukasus zu siegen. Im
Kaukasus sollen die Türken vielmehr vo#r allen
Dingen nur am Vordringen verhindert werden.
Den Haurtschlag will Rußland der Türlei vor
Adrianopel versetzen und von dort nach Konstantinopel!
gehen. Der Weg der russischen Truppen
führt in diesem Falle aber durch Vulgarien
und hiereu braucht man die Durchzugserlaubnis.
Wie die „Nietsch“ erfährt, richtete die xussische
Regierung erneut ein dringendes Ersuchen um
Gestattung des Truppendurchzugs an die bulgarische
Regierung, erzielte jedoch keinen Erfolg.
Viel interessanter sind Einzelheiten über die
russischen Plane, welche ein Grazer Blatt verossentlickt.
Es will sie in einem Bericht aus
Saloniki erhalten haben und sie sollen die
Aecußerungen eines hoden rufs'schen Diplomaten
wiedergeben, mie sie auf dessen Durchreise nach
Paris zu Politikern in Saloniki gefallen sein
sollen. Nach dem Grazer Blatt machte der ruslische
Diplomat folgende Erklärungen:
„Rußland hat oie fesie Absicht, die Hegemonie
auf dem Ballan an sich zu reißzen. Die
Balkanangelegenheiten der Einzelstaaten oürsen
nur unier Mitwirkung Rußlands geregelt werden.
Serbien mit seinen 12 Millionen Einwohnern
würde den Nusseninteressen zuwiderlaufen.
Dagegen ist Rußland für die Angliederung Bosniens
und der Her- egowina an Serbien, ebenso
für den Zugang Serbiens zur Adria, weshalb
Serbien etwa 50 Kilemeter Länge zugewiesen
werden soll. Weder Rußland noch die anderen
Dreiverbandsstaaten beabsichtigen die Zertrümmerung
Oesterreich-Ungarns, weil man gegen
Italien Vorsichtsmahregeln ergreisen müsse. Die
Ententemächte haben JItalien zur Entschädigung
künftiger Tätigkeit . der Altionsfreiheit
in Albanien und Kompensationen in Südlleinasien
an den Küsten gegenüber Rhodus bis
Alerandrette zugesagt, wofür Italien die Absichten
auf Triest aufgibt. Aber auch die Erstarkung
Serbiens durch Anschluß der österreichischen
Reichslande sei eine Gefahr für Rußlond.
Deshalb werde Serbien gezwungen, das
ganze linle Wardauser bis an die Morawa und
dem non dort ausgehenden Teile b.s zur altserbisch-bulgarischen
Grenze an Bulgarien abzutreten.
Rumänien werde gehalten, einen Strich
von Kavarna bis 3 Kilometer südlich von Silistria
an Bulgarien abzugeben. Zur Entschä-
— ein großer französicher Unterschlagungshanfddl.
— Eein k(ränzösisches Torpedoboot gefunken.
— Unruben auf Siellien.
russischen balkanplänc. — China und Lapan.
digung für den Ausfall am zweiten Balkantrieg
müsse Bulgarien noch Ostmazedonien erhalten.“
Der Diplomat sügte hinm, daß Rußland
keineswegs beabsichtige, daß Griechenland geschwächt
werde. Griecheniand soll Nordepirus
und das Gebiet bis Monastir-Ockrida erhalten
und ebemo eine Entschädigung finanzieller Natur.
Rußland beabsichtigt, nach dem Kriege
ganz Thrazien zu beietzen und in diesem Falle
Bulgarien die Linie Enos-Midia zu überlassen.
Würde der Plan durchreuzt, dann wäre R#ußland
geneigt, Thrazien an Bulgarien abentreten.
Nach dem Zusammenbruch der Türkei wird
Konstantinopel eine Freistadt. Schließlich erllärte
der Diplomat, daß Nußland die Abiicht
habe, sechs armenische Bezirke Rußland ein.
zuverleiben.
Diese Mi tteilungen sollen, wie das Grajer
Blatt erwähnt, in Salonili riesiges Aussehen
erregt baben, obwohl sie verschiedentlich an
inneren Widersprüch en kranlen. Es mag ja sein,
daß man in Rußland in gewissen Kreisen diese
oder ähnliche Pläne hegt, wir meinen arer,
daß man sich hüten würde, sie ror:eitig aus
zuplaudern, namentlich schon zu einer Jeit. in
der Nuhland im Hinblid auf die Lage auf
den einzelnen Kriegesch auplätzen weit davon entfernt
ist, für die Verwirtlichung solcher Pläne
auch nur die geringste Unterlage zu haben. Daß
Rußland auf dem Valkan unumschränkter Herr
sein möchte, steht wohl außer Zweifel. Dam
gehören aber nock gan: andere Dinge, als sie
Rußland heute zur Verfügung siehen. Immerhin
müssen die Verhältnisse auf dem Balkan
nach wie vor mit der größten Spannung ver
folgt werden, namenllich auch im Hinblick auf
die Tatsache, daß der Dreiverband zurzeit die
Neutralen stärker denn je umwirbt.
Schließlich verdient noch eine Meldung aus
Konstantinopel erwähnt zu werden. Sie teilt
mit, daß der Führer der bulgarischen Liberalen,
adew, zu # Verhandlungen mit turlisch en Staalsmännern
in Konstantinopel meilte. Vor seiner
Rückreise nach Bulgarien ertlärte er: Er ist
überflüssig, zu erllären, daß Bulgarien eng mit
der Türkei zusammenarkeitet und in guter
Freundschaft lebt, welch er einc militärische Al.
lianz folgen wird. Von einer Vereinbarung
Bulgariens mit Numänien könnte nur dann die
Rede sein, wenn Rumänien die während des
Balkankrieges befetzte Dobrudscha wieder an
Bulgarien abtreten würde. Wenn wider Erwarten
Rumänien die Petersburger Vorschläg:
annahme und gegen Oesterreich vorzugelen
versuchte, würde Bulgarien sofort an Rumanien
den Krieg rln
ie
Algemeines vom Krieg.
König und Kaiser.
München, 27. Jan. Zwischen dem König
von Bayern und dem Deutschen Kaiser hat
aus Anlaßz des Geburtsfesies des Kaisers folgender
Telegrammwechsel stattgesunden:
S. M. Kaiser Wilhelm, Großes Hauptquartier.
In schlichter Einfachheit begehst Du heuer
Deinen Geburtstag mitlen im Feindeslande.
Nicht in festlichem Jubel kommt es zum Ausdruck,
was Deutschlands Fürsten und Stämme
für den Kaiser fühlen und denken, aber ein heibes
Gebet senden wir alle zum Himmel: Gott
schütze und erhalte den Kaiser; er führe ihn und
die in heldenhaften Kämpfen bewährten deutschen
Heere zum Sieg; er lasse dem deutschen
Volle in Deinem neuen Lebensjahre nach einem
ruhmvollen Frieden eine glückliche Zukunft erblühen!
Dies ist der imige, von Herzen kommende
Wunsch, den ich, Mein Haus und Mein
ganzes Land Dir zum Geburtstage weihen.
In alter Treue Ludwig.
S. M. dem König von Bayern, München.
Ich danke Dir innigst für Deine freundlichen
Segenswünsche zu Meinen Geburtstage. Wenn
das Vaterland heute mit Zuversicht die siegreicke
Brendigung ded uns aufgezwungenen Erisienelampses
erhoifen dar, so haben Deine braven
Banern daiu durch ihren Heldenmut rühmlich
beigetragen. Gott der Herr sei auch ferner
mit unjerer gerechten Sache. Mit herglichem
Gruß in treuer Freundschsaft und Verehrung
Wilhelm.
Die Eisenbahneinnahmen im Krieg.
München, 27. Jan. Für die Monote
August bis mit Dezember 1913 ergibt sich
genüber den Einnahmen in den gleichen c
naten des Jahres 1913 eine Gesannderkehrs
einnahme im Perionenverlelr von 58.26 Prozent,
im Güterverlehr ren 75.83 Prozent. In
diesen Ziffern sind die Einnahmen aus dem
Militärverkehr nicht enthallen. (Z.)
Die entsprungenen Gefangenen aufgegriffen.
München. 27. Jan. Die Eestungslommandantur
Ingolstadt berictet: Der am Samstagabend
aus einem Fort bei Ingolstadt entsprungene
franfosfische lliegsgefangene Hauptmann
ist am Montag in SW aufgegriffen
und nach Ingolstadt wieder eingeliefert worden.
Ferner wird aus Nürnberg berichtet: Die
beiden in der Nacht vom 23. zum 24. Januar
aus dem Gefangenenlager Großreuth enisprungenen
franz öüsischen Gefangenen wurden gestern
nachmittag in Lörrach i. V. wieder festgenommen.
Derneue Generalquartiermeister.
WIB. Berlin, 27. Jan. Amtlich. Zum
Generalquartiermeister wurde an Stelle des
zum Kriegsminister ernannten Generals Wild
von Hohenborn der Generalleutnant Frhr. v.
Freytag-Loringhoven emannt.
Ein neuer Generolfeldmarschall.
Berlin, 27. Jan. Der Geburtstag des
Kaisers hat der Armee eine Reihe von Beförderungen
gebracht. An der Spite sieht die
Ernennung des liegreichen Führers der 2, Armec,
— die Teümmer des belalsschen
— Heuc beutc unfercr Ruslands--—
Heuc türkische oOfrensivc im Kankalns
— die
des Generalobersten v. Bülow, zum Generalfeldmarschall.
Die preußische Armee besitzt damit
im ganzen fünf Generalfeldmarschälle. Der
neue Generalfeldmarschall v. Bülow steht jetzt
im Alter von 69 Jahren. Eeneral v. Einem
wurde zum Oberbefehlshaber der 3. Armee und
zum Generalobersten befördert. (..)
Ein französischer Unterschlagungsskandal.
Paris, 27. Jan. Die „Gazette de la
Cwir“ meldet, daß der Generalzahlmeifter der
Armee, Desclaude, und seine Geliebte von der
Militärbehörde verhaftet worden seien. Die
Verhaftung erregt das größte Aufsehen. Desclaude
spielte in den letzten Jahren eine große
Rolle in der Politik. Er war Kabinettchef des
früheren Ministeriums und erhielt durch die
Unterstügung Briands und Barthous die Vorstandsstelle
im Armeezahlamt. Die Anklage ist
wegen riesiger Unterschleife erhoben worden.
Der wahre Grund der Teuerung in
England und Frankreich.
Berlin, 27. Jan. Aus Genf meldet die
„Deutsche Tages#tg.“: Angesichts der drohenden
Preissteigerung für Zucker, Tee und Kaffee
in Frankreich sandte das Pariser „Journal“
einen Berichterstatter nach London, um die
dortige Lage zu untersucken. Das Ergebnis war,
daß in England Fleisch, Mehl, Zucker. Gemüse
und Gewurze bis zu 50 Prozent teurer als vor
dem Krieg sind. Der Berichterstatter sagt
schließlich, der letzte Grund dieser Teuerung
werde von dem stolzen England geheim gehalten;
er liege in dem Verschwinden der riesigen
deutschen Handelsflotte zur See, die von englischen
Schiffen nicht ersetzt werden könne. (3.)
Hollands Neutralität.
Haag, 27. Jan. In der holländischen zweiten
Kammer bicit der Minister des Innern eine
Rede über die niederländische Neumralität. Er
erklärte: Als der Krieg ausbrach, waren wir
bereit, und wir wußten, daß das Volk und die
Volksvertretung hinter uns standen. Die Erkenntnis
dieser Tatsache hat nicht wenig dazu
beigetragen. daß unser Land vom Kriege frei
blieb. Zu manchem Zeitpunkt war die Gefahr
größer als mancker ahnte, und die Regierung
hatte verschiedene schwierige Fragen zu lösen.
Noch gibt es verwundbare Stellen, jeden Augenblick
können sich Vorgänge ereignen, die die volle
Verfügung über unsere Wehrmacht nötig macht.
Es gibt hier einen Kampf von Nationen, einen
Kampf auf Leben und Tod. Der Kampf kann
sich ganz leicht auf die Gebiete der neutralen
Völker ausdehnen. Der Augenblick der Heimsuchung
kann mit plötzlicher und unvorhergesehener
Heftigkeit über uns kommen. Darum ist
es von groͤßter Bedeutung, die Macht verfügbar
zu halten, über die wir verfügen können.