Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

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osenheimer  Anzeige

Vittwos  7.  Avril  1915

  

 

 

 

Rosenheimer  Tagblakt

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Fortdaner  der  Kämpfe  an  der  Karpathenfront.

Kronpriaz  Kupprecht  über  den  Krieg.  —  der  Rekrutenjahrgang  1917  in  frankrelch  —  dic  Eiszahlung  der  Ericgsanlehc.  —  Weiterc
engusche  Schlllsonlusic  —  stmmungiwcehblel  in  england  —  Hoeln  Kullc  auf  demtschem  Boden.  —  bas  belchtc  ecblet  Kußlands—  der
Kaflencinfalt  gegen  Tülit  —  Das  blutige  Kingen  in  dern  Karpatben.  —  3.400  Kallen  von  den  Oesterreschern  gefangen  genommer.  —
osc  Not  in  montcnegro.  —  Maltenische  Kricg#ll  Ierungen  an  frankresch.  —  ein  türkisches  Krirgsschill  gelunken.  —  Vverschärfung  der
cLage  in  Poriugal.  —  eEine  verlöbnliche  notc  Japans  an  China.

Kronprinz  Rupprechl
über  den  kKrieg.

München,  5.  April.  In  seinen  Reisebriefen
zur  deutschen  Front  schildert  Ludwig  Ganghofer
in  den  „M.  N.  N.“  einen  Besuch  im  Quartier
des  Kronprinzen  Rupprecht  von  Bayern  und
ein  Gespräch,  in  welchem  der  Kronprinz  u.
sagte:

Unser  Heer!  Das  ist  ein  Menschenmaterial,
mit  dem  man  alles,  auch  das  fast  unmöglich
Scheinende  leisten  kann,  wenn  man  es  richtig
macht  und  die  rechte  Stunde  wählt.  Die  wird
lommen.  Man  darf  nur  in  der  Heimat  den
Erscheinungen  gegenuber,  welche  durch  die  Lage
der  Dinge  hier  verursacht  werden,  nicht  allzu
kritisch  sein.  Die  Situalion  ist  für  uns  ganz  verlablich.
  Daheim  beurteilt  man  das  nicht  immer
  in  zutreffender  Weise.  Wenn  wir  von  der
Heimat  Geduld  und  glaubiges  Ausharren  erwarten,
  dann  verlangen  wir  weniger,  als  wir
selbst  im  Felde  hier  zu  leisten  haben.  Glauben
Sie  mir,  wir  im  Felde  hier,  besonders  wir
Führer,  liefern  Geduldproben,  mit  denen  die
doch  wesentlich  ungefährlichere  Geduld,  die  man
in  der  Heimat  beizusteuern  hat,  den  Vergleich
Licht  aushalt.

Mit  Bezug  auf  die  Skrupellosigkeit  unserer
Geinde  in  der  Wahl  ihrer  Kampfmittel  und
inrer  politischen  Schachzüge  sagte  der  Kronbrinz:
  Politische  Moral  ist.  ein  Fremdwort.  Es
lommt  nur  darauf  an.  wie  man  es  überseßzt.
Bei  uns  Deutschen  heißt  es  Gewissen,  bei  den
Engländern  heißt  es  Erfolg.  Unter  allen  Böllern
  sind  die  Engländer  in  der  Politik  am  brulalsten.
  Aber  man  tann  nicht  leugnen,  daß
sie  mit  dieser  gegen  alle  Völler  gleich  rücksichtslosen
  Brutalität  eine  häufig  sehr  erfolgreiche
Nüchternheit  beim  Rechnen  vereinigen.  Doch
passicrt  es  auch  manchmal  diesen  gewiegten  Rechnern,
  daß  sie  theorelisch  das  für  ihren  Vortei

Richtige  erlennen  und  in  der  Plie  das  Falsche,
Uümen  Schädliche  ausführen.  Ich  glaube,  so
beht  es  ihnen  jetzt.  In  uns  Deutschen  wohnen
Kräfte,  die  für  die  Engländer  am  4.  August
nioch  eine  dunkle  Zisser  waren.  Darum  haben
sie  sich  verrechnet.

Mit  einem  Hinweis  auf  die  Befreiungskriege
und  auf  1870  .71  äußerte  sich  der  Krouprinz:
Ich  glaube,  es  war  vor  hundert  Jahren  und
vor  45  Jahren  und  im  vergangenen  August
ganz  das  Gleiche:  deutsche  Kraft,  die  sich  aufstreckte
  in  der  Not,  deutscher  Wille,  der  zu  Eisen
wurde  und  deutsche  Energie,  die  sich  nicht  beu.
gen  läht  und  beharrlich  bleibt,  ohne  im  Glück
übrmütig  oder  unter  einem  Rückschlag  verzagt
zu  werden.  Viele  haben  es  hart  daheim  und
was  man  in  einem  solchen  schweren  Krieg  zu
uberstehen  hat,  ist  kein  Bett  auf  Rosen.  Aber
materielle  Verluste  kann  man  doch  wirklich  bei
dem  Gedanlen  e  und  überwinden,
daß  eine  große  Zulunft  den  Verlust  wieder
eriegen  wird.  Was.  speziell  München  betrifft,
so  bin  ich  überzeugt,  daß  es  auch  nach  dem
Kriege  die  Kunststadt  bleidben  wird,  die  es  war,

 

und  ich  hofse,  daß  es  daneben  eine  Stadt  der
deutschen  Arbeit  sein  wird,  die  in  ihrer  Blüte
unabhängig  ist  von  allen  Fremden.  Daß  unser
Volk  durch  dic  und  dünn  durchhalten  wird,  daran
  habe  ich  noch  keine  Sekunde  gezweifelt.
Ein  paar  Ungeduldige  und  Wehleidige?  Wus
macht  das  aus,  das  Volk  im  ganzen  fühlt  seine
deutsche  Pflicht.

JZum  Schluß  seines  Briefes  bringt  Ganghoser
noch  folgendes  Wort  eines  kommandierenden
Admirals,  das  er  im  Kreise  deutscher  Marineoffiziere
  vernahm:  Wir  haben  zu  Beginn  des
Krieges  vieles  unterschägt,  aber  eins  haben  wir
überschayt:  die  englische  Flotte.

2  a  a
Allgemelnes  vom  sitleg.
Die  Kriegsauleihe.

Berlin,  5.  April.  Zuständigerseits  wird
mitgeteilt,  daß  in  den  erflen  drei  Einzahlungs
tagen  auf  die  Kriegsanleilhte  rund  3  Milliarden
600,  000  Mk.  in  bar  eingezahlt  worden  sind.

Die  weutscen  Maschinengewehre.

Berlin,  April.  Ueber  die  Verwendung
der  deulschen  nasnenn  re  an  der  West
front  schreibt  der  „Augenzeuge“
Hauptquartier:  Da  häufig  von  erbeuteten  Ma
schinengewehren  des  Frindes  die  Rede  ist.  jo
darf  davor  gewarnt  werden,  diese  Erfolde  zu
hoch  einzuschäßen.  Für  die  Deutschen  bedeutet
der  Verlust  eines  oder  mehrerer  Maschinengewehre
  nicht  das.  was  er  für  die  Cngla#der
am  Anfang  des  Krieges  bedeutet  hälte.  Es  wird
angenommen,  daß  Deutichland  bei  Kriegsausbruch
  500  000  solcher  Gewehre  besaß,  abge
sehen  von  denen,  die  seither  fabriziert  wurden.
Sie  sind  ertensiv  gebraucht  worden,  und  da  sie
in  der  genannten  großen  Anzahl  vorhanden
sind,  mit  wenig  Rücksicht  auf  ihren  eventuellen
Verlust.  Der  Deutsche  siehl  in  Maschinengewehr
ein  Instrument  von  enormer  todbringender  Wirkung,
  das  so  und  so  viel  Geld  kostete.  Hal  es
sein  Geld  verdient,  indem  es  durch  den  Tod
einer  Anzahl  Feinde  sich  befahlt  gemacht  Uut,
dann  rechnet  er  seinen  Verlust  gleich  Null.  Bei
Neuve  Chapelle  hatten  die  Deulschen  auf  einer
Front  von  250  Vards  15  Maschinengewehre
aufgestellt.  Das  bedeutel,  daß  sic  7500  Kugeln
in  der  Minute  gegen  den  Feind  senden  lonnten,
abgesehen  von  den  Gewehrkugeln  der  Infanterie.
(Z.)  Was  das  bedeutet,  meint  der  „Angen
zeuge“,  könne  man  sich  leicht  ausmalen.
Trunksucht  und  Kriegsmüdigkeit

bei  fran  zösischen  Arbeitern.

Genf,  5.  Aptil.  Joseph  Reinach  gibt  im
„Temps“  eine  offizielle  Statistik  über  den  Al
koholverbrauch  der  Dockarbeiter  wieder.  Danach
sind  die  meisten  Dockarbeiter  am  Nachmittag
betrunlen,  weil  sie  von  8  Uhr  früh  bis  5  Uhr
nachmittags  fümfmal  alkoholische  Getränkle  zu
sich  nehmen.  Die  große  Sterblichkeit  der  Verwundelen
  ist  nach  Aussage  von  Mililärärzien

im  englischen

 

auf  die  frühere  Trunlsucht  der  Verletzten  zurückzuführen,
  die  die  Heilung  meist  unmöglich
mache,  zum  mindesten  sehr  erschwere.  Dasselbe
Blatt  polemisiert  heftig  gegen  die  Syndikalisten,
die  beständig  eine  Friedensschließung  erörtern
und  dabei  für  Deutschland  große  Rücksicht  zeigen.
  Frankreich  wolle  den  Krieg  nicht  nach
10  Jahren  wieder  beginnen.  Jetzt  müsse  gründlich
  gesiegt  werden,  das  weitere  werde  sich  finden.
  (Z.)

Dementierte  Frieden  sgerüchte.

VI.  Wien,  3.  April.  In  der  letzten  Zeit
kommen  in  der  ausländischen  Preise  immer  häusiger
  Meldungen  über  angebliche  Friedenswünsche
  Oeterreich-  Ungarns  vor.  Jüngt  stand
in  der  „Times“  eine  solche  Mitieilung  nach
dem  „Rusklofe  Slowo“,  wonach  Kaiser  Franz
Joseph  die  Friedensoermitlung  des  Papstes
oder  der  schweizerischen  Regierung  in  Anspruch
genommen  hätte.  Das  Wiener  Telegr.  Korr.:
Bureau  ist  ermächtigt  zu  erklären,  daß  alle
diese  und  ähnliche  Meidungen  absolut  unwahr
und  glatt  erfunden  sind.

Feldmarschall  von  der  Golß.

Winz  Wien,  5.  April.  Feldmarschall  Frei
berr  von  der  Golhz  Pascha  ist  aus  Berlin  hier
eingetroffen  und  nach  Konstanlinopel  weiter.
gereist.

Das  besetzte  Gebiet  Rußlands.

WIB.  Wien,  5.  April.  Aus  dem  Kriegs
pressequartier  wird  gemeldet:  Wir  und  unsere
Verbündeten  halten  nach  einer  Feststellung  vom
25.  März  vom  Gebiet  Rußlands  46  581  Quadratwerst,
  das  sind  53010  Quadraikilometer  mit
ciner  ECinwohnerzall  von  5  492  820  besent.  Nach
den  einzelnen  Gouvernements  angegeben  sind
die  Ziffern  (wobei  die  Flächen  in  Quadratwerst
angegeben  sind)  solgende:  Kalisch:  Fläche
9961,3,  Einwohner  zahl  1  183  800,  Petrikau:
Fläche  10  763,  Einmohnerzahl  1  981  3660,
Kielce:  Flache  4.33.3,  Einwohnerzaß  186  cim,
Radom:  Fläche  16J6,  Einwohnerzahl  118  000.
Warschau:  Fläche  5832,5.  Einwohnerzahl
627  900,  Plod:  Fläche  6216.  Einwohnerzahl!
555  000,  Lomza:  Fläche  2316.5.  ECinwohner
zahl  172  121),  Suwalli:  Flache  5J123,2,  Ein
wohnerzahl  340  700.

Die  Kriegslage.
WIB.  Großes  Hauptquartier,
d.  April,  vormittags.  Amtlich.
Westlicher  Kriegsschauplatz.
Am  Merlanal  südlich  Dirmuiden  besetzten  un

sere  Truppen  den  von  Belgiern  besetzten  Orl
Drie-Grachten  auf  dem  westlichen  Ufer.

den

 

Oestlicher  Kriegsschauplatz.
Im  Priesterwald  wurden  mehrere  französische
Angriffe  abgewiesen.
Russische  Angriffe  in  Gegend  Augustow  wurden
  zurückgeschlagen.
Oberste  Heeresleitung.

WiI  Großes  Hauptquartier,  den

5.  April,  vormittags.  Amrlich.

Westlicher  Kriegsschauplatz.

Nach  dem  Orte  Drie-  Grachten,  der  sich  seit
dem  J.  April  bis  auf  einzelne  Häuser  am  Nordrande
  in  unerem  Besis  befindet,  suchten  die
Belgier  Verflärtungen  heranzuziehen:  sie  wur
den  jedoch  unter  Artilleriefeuer  zurückgetrieben.

Ebenso  verhinderte  unfer  Artilleriefeuer  fransöfische
  Angriffe  im  Argonnerwalde.  Ein  starler
  seindlicher  Angriff  gegen  die  Höhenstellung
westlich  Bourouilles  (südlich  von  Varemmes)
brach  dicht  vor  unferen  Hindernissen  zusammen.

Franzölische  Insanterie-Vorstöße  westlich  von
Pont  àü-Mousson  hauen  keinen  Erfolg.  Dagegen
brachten  und  mehrere  Minensprengungen  Geländegewinn
  im  Priesterwalde.

Oestlicher  Kriegsschauplatz.

Cin  russischer  Angriff  auf  Mariampol  wurde
unter  schweren  Verlusten  für  den  Feind  abgeschlagen.
  Sonst  hat  sich  auf  der  ganzen  Ost.
front  nichts  ereignet.

Oberste  Heeresleitung.
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bom  weulchen  Kriegsschemi##t.

Der  Rekrutenjahrgang  1917
in  Frankreich.
Köln,  5.  April.  Die  „Kolnische  Zeitung“-meldet
  von  der  holländischen  Grenze:  Die  frangösische
  Kammer  nahm  gestern  den  Gesetzentwurf
  an,  der  die  Regierung  ermächtigt,  gegebenenfalls
  den  Jahrgang  1917  einzustellen.  ()

General
Maunoury.

Paris,  5.  April.  General  Maunoury,  der
zusammen  mit  (beneral  Billaret  am  12.  März
verwundet  worden  war,  hat  bisber  das  Bewußztsein
  nicht  wieder  erlangt.  Sein  Zustand  ist  sehr
ernst.  Mannourn  wurde  durch  General  Du-Uois,
  den  ebemaligen  Leiter  der  Abteilung  für
Kavallerie,  etsetzl.  (J.)

Im  Fliegerbombardement.

Parie,  5.  April.  Nach  dem  „Temps“  hat
ein  deutsches  Flugzeug  am  1.  April  vier  Bomlen
  auf  Bethune  geworsen  und  beträchtlichen
Schaden  angerichtet.  (Der  Rest  der  Meldung  ist

Der  verwundete