Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

 

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Num̃mer  166

tianazzi.  Bei  der  Mai-  Offensive  1916  wurde
die  alte  Mutter  von  unseren  Soldaten  mit  ihrem
  Sohn,  der  trantl  war,  in  einem  lleinen
NRest  in  Afsiago  in  einer  armseligen  Hütte  angetroffen.
  Aus  Mitleid  wurde  die  alte  Mutter
mit  ihrem  kranken  Sohn,  der  auch  schon  ein  gebrechlicher
  Mann  mit  77  Jahren  war,  nach  rückwärls
  abgeschoben.  Zuerit  wurden  beide  von  der
Militärbehörde  im  Sanatorium  der  Barmher--zigen
  Schwestern  an  der  Kettenbrücke  untergebracht,
  wo  der  Sohn  bald  darauf  verschied,  alsdann
  die  103  jährige  Mutter  dem  Siechenhause
zur  Pflege.  übergeben,  wo  sic  ihrem  Sohne  im
Tode  ackhfol-.  te.  Die  103  jahrige  Wra  war  nur
zwei  Tage  krank  und  erfreute  sich  bis  zuletzt  einer
großen  geistigen  und  körperlichen  Rüstigkeit.

Oberland.

Juli.  Unser  Bauern-Jahre
  auf  ein  3000  jäh- 



Miefersfelben,  20.
theater  kann  im  nächsien
riges  Besiehen  zurückblicken.  Die  ersic  Anregung
  zur  Gründung  eines  solcken  Theaters  gaben
  Schmiede,  die  in  dem  an  den  Ufern  der
Kieserer  Acke  im  Jahre  1611  errichtelen  öslerreichischen
  Hammerweri  beschäftigt  waren.  Sieben
  Jahre  späler,  im  Jahre  1618,  verlündeten
sie  den  Bewohnern  von  Kiefersselden  und  Umgebung,
  daß  sie  eine  „Komödie“  vom  Sape
lassen  werden.  Als  Bühne  diente  die  Laube  des
Veitenbauern,  wolei  die  Zuschauer  an  dem  anitoßenden
  Friedhofberg  sitzend  Platz  nehmen
mußten.  Später  wurde  auf  dem  sog.  H#arberg

am  Wege  zum  Hechtsee  eine  eigene  hölzerne
  „Komödienhutte“  gebant.  Der  Spielpian
  beiland  schon  damals  in  der  Aufführung
von  romantiften  Ritterschauspielen  in  denen
Mord,  Gist,  Dollh  und  Schwert  eine  hervorragende
  Rolie  spiellen.  Aber  auck  Begebenheiten
aus  der  biblischen  Geschichte,  aus  der  Hiiligen-#egende
  und  aus  der  Leidenszeit  der  Märtyrer
gaben  den  Stoff  zu  den  Theaterstücken  ab.  Den
Text  hiezu  schrieben  in  der  eren  Zeit  wohl  die
biederen  Schmiede  sellu;  in  *“  Zeit,  zu
Ende  des  18.  und  Anfang  des  Jahlh.,  versaßte
  sie  in  groß  zr  Zahl  ein  *J¾  dir  Kohlitatt
beschäftigt  gemesener  Kohlenbrenner  namens  Joseph
  Schmaz  aus  Brirlegg,  wo  er  1846  starb.
Gespielt  wurde  seit  älteuer  Feit  im  Sommer
an  den  Nachmittagen  der  Som-  u.  Feier-=lage.
  1836  hatte  man  auf  dem  schönnen  Punkt
des  Haar-  bzw.  Buckberges,  an  der  sog.  Kirchleilen,
  eine  neue,  praltische  „K
etrichtet,  die  350  Personen  faßte.  JIm  Laufe  der
Jahre  hat  sich  das  Kieserefeldner  Bauerntheater
einen  bedeutenden  Ruf  erworben,  sodaß  es  von
Reisehandbüchern  und  —chriftitellern  vielsach  lobend
  erwähnt  wurde.  Der  heutige  Kieferer  Musentempel
  slammt  aus  dem  Jahre  1847.  Mit  der
Zeit  erfuhren  die  zur  Aufführung  erwählten
Rittersck  auspiele  und  Schauerdramen  eine  Verbesserung
  und  Modernisierung,  befonder#o  ourch
flädt.  Kapellmeister  Silvester  Greiderer  in  Kufslein,
  einem  geburtigen  Kiesersfeldner,  der  ein
großer  Förderer  des  Kieferer  Bauerntheaters
war,  viele  Stüke  selb  rerfaßte  und  auch  eine
überaus  ansprechende  Musik  dazu  schrieb.  Vielleickt
  gelingt  co,  im  nächsten  Jahre,  zur  Friedenszeit,
  das  dreihundertjährige  Jubiläum  des
Theaters  in  würdiger  und  festlicher  Weise  zu
begehen.

Kolbermoor,  20.  Juli.  Obwohl  die  Kartossel
  auf  den  Feldern  noch  nicht  reif  sind,  werden
  sie  doch  schon  gestohlen.  Der  Gendarmerie
ih  s  gelungen,  einige  Kartoffelfreuler  seilzunehmen;
  es  sind  meist  noch  schulpflichtige  Juncen.
  Kielfack  sind  Kartoffel  auch  mutwillerveise
ausgerissen  worden,  sodaß  der  Schaden  besonders
  empfindiick  ilt.

Heufelds,  20.  Juli.  Der  Dienubube  Rupert
Gliebl  von  Henfeldmühle  in  schwer  verunglült.
Er  sland  in  Dieniten  der  Bäuerin  Pritzt  in  Högling
  und  geriet  in  das  Triebwert  des  Göpels.
Dabei  wurde  ihm  das  rechte  Bein  so  zerquetscht,
daß  es  abgenommen  werden  mußte.

Polskihen,  20.  Juli.  Die  beim  Käser
Klein  dahier  in  Dienu  siehende  Magd  Maria
Bichlmeier  von  Großeglsee,  BA.  Wolfratehausen,
  wurde  wegen  Verdachtes  des  Kindsmordes
ins  Amtsgericktsgefängnis  eingeliefert.  Sie  leugnete
  anfangs,  enlbunden  zu  haben,  bequemte  sich
aber  dann  zu  dem  Eingeständnis,  ein  toles
Kind  zur  Welt  gebracht  zu  haben,  das  von  ihr
dann  verbrannt  wurde.  Die  gerichtliche  Untersuckung
  wird  Klärung  in  diese  Sache  bringen.

Bausham,  20.  Juli.  Auf  bedauerliche  Weise
ums  Leben  gekommen  ist  der  bisher  im  Heeresdienste
  gestandene  und  zum  hiesigen  Bergwerle
beurlaubte  verheiratete  Lohnkutscher  Otto
Schreyer  von  Schliersee.  Als  er  auf  der  !—
sohle  des  Ludwig-Schachtes,  einem  Motorz
begegnete,  wählte  er,  die  drohende  Gefahr  ant
nicht  erkennend,  den  engeren  Weg  und  kam  so
zwischen  den  Motor  und  Zimmerung,  wobei  ihm
der  Brustkorb  eingedrückt  murde  und  er  alsbald
seinen  Geist  aushauchte.  .

Tretlaffing,  20.  Juli.  Die  Gemeindeverwaltung
  gibt  bekt  daß  in  Zukunft  alle,  die
hich  Feldschäden  anns  Felodiebstäbse  zu  Schulden
kommen  kassen,  mit  Namen  in  der  Jeitung  verös-sentlicht
  werden.

Ba  Reichenhall,  20.  Juli.  Beim  Ehgasserbauern
  Eg.  Aschauer  in  Holzhausen  wurde
eingebrochen  und  ekwa  200  Mark  Bargeld  entwendet.
  Ter  Täter,  von  dem  man  bis  jetzt  keine
—  kur  haj,  jderni  in  seinem  unsauberen  Band- 



e-  Rosenheimer  Anzelgen

werl  geslört  worden  zu  sein,  denn  er  lieb  einen
zurechtgelegten  Laib  Brot  und  ein  Quantum
Mehl  liegen  und  verschwand.

muoles.

Sitzung  des  Stadtmagistrates
R  heim.  l

.-  13.  Juli  1917.

Die  etatsmäßig  für  das  Jahr  1917  zur  Versügung
  llehende  Stipendienslumme  aus  dem
Gymnasialstipendienfonds  im  Betrage  von  400

arl  wird  nach  Einvernahme  des  K.  Gymnasieneltors
  und  des  Institulsdirektorals  unter
Bewerber  gleichmäßig  verteilt.

Dem  Magistratsoffizianten  Michael  Braun
wird  das  Bürgerrecht  als  Kampfteilnehmer  des
gegenwärligen  Krieges  gebührenfrei  verliehen.

Dem  Antrage  des  Kunstmühlbesitzers  Oswald
auf  Aussck  neiden  der  Alleebäume  an  der  Rathaus#ffraße
  zwischen  Hummervach  und  Mangsall
wird  stattgegeben.

Einer  Näherin  aus  Rosenheim  wird  aus  der
Gg.  Huberschen  Wohjtätigleitsstistung  ein  Aus-##euerbeitrag
  von  200  Mark  bewilligt.

Eotaimachrichten.
Rosenheim,  21.  Juli.

Auszeichnungen  im  Felde.  Dem  seit
Kriegsbeginn  bei  einer  Kraftfahrabteilung  im
Westen  slehenden  Unleroffizier  Georg  Vodermaner,
  Fahrradgeschäftsinhaber  in  der  Münchnerstraße
  in  Rosenheim,  wurde  das  Bayer.  Mililärverdiensttreuz
  3.  Klasse  mit  der  Krone
und  mit  Schwertern  verliehen.  Der  Landwehrmann
  Alois  Loipersberger  in  einem  Landwehr-
  Inf.  Reg.  wurde  mit  dem  Eisernen  Krenz
2.  Klasse  ausgezeichnet;  er  ist  Fuhrmam  bei  der
Firma  J.  N.  Hubers  Söhne  in  Nosenheim.
Der  Sägewerksbesitzer  Hermann  Wielel  aus
Endorf,  der  in  seinem  55.  Lebensjahre  mit  seinen
  drei  Söhnen  bis  vor  jurzem  im  Felde  stand
und  jetzt  zur  Aufnahme  seines  Betriebes  beurlaubt
  ist,  wurde  mit  dem  Eisernen  Kreuz  2.  Kl.
ausgezeichnet;  sein  ältester  Sohn  Hermann  Wiebel
  hal  die  gleiche  Anzzeichnung  früher  schon  erhalten.


Beförderung.  Der  Boots-Maat  Adolf
Mittertreiner,  Sohn  des  Gerbers  Alois  Karrer
  (Weißgerberei  Andr.  Bauer)  in  Nosenheim,
wurde  zum  Ober-Boots-Maat  auf  S.  M
„Nassau“  befördert.  Mittertreiner  feeht  t
eiwa  13  Jahren  in  Diemten  der  laiserlichen
Marine  und  machte  seinerzeit  mehrere  Fahrten
in  die  deutsct  en  Kosonien  mit;  außerdem  war  er
auch  Teilnehmer  an  der  großen  Seeschlacht  vor
dem  Slagerral  im  Mai  vorigen

 

 

Jahres.  Herr
Karrer  hat  noch  zwei  Söhne  in  diesem  Krieg
in  den  Dienst  des  Vatersandes  gestellt:  Toni
Karrer,  Masch.-Maat  auf  S  S.  „Stettin“,
  und  Alois  Karrer,  zurzeit  im  Feidhect

Ferienturs  für  Realschüler.  Für
bieiige  Realschüler,  denen  es  während  der  Ferien
an  der  münschenswerten  Aussicht  und  Anleitung
zu  nüglicher  Beschäftigung  sehlt,  wird  auch  heuer
ein  Ferienlurs  unter  Leilung  von  Lehrlräften
der  Amitalt  eingerichlet.  Die  Beteiligung  in  unentgeltlich.
  Anmeldungen  werden  von  Hru.  Proseisor
  Grünschneder  bis  spätestens  1.  August  entccgengenommen.


Städtischer  Bohnenverkauf.  Heute
hat  in  der  Schrannenhalle  städtischer  Bohnen--verkauf
  begonnen.  Insgesamt  stehen  30  Ztr.
frische  Bohnen  zur  Verfügung,  welche  um  45
Psg.  das  Pfund  abgegeben  werden.  Der  Verlauf
  sindet  bis  78  Uhr  abends  statt.

Zur  Einschränkung  des  Gasverbrauches
  hat  das  Kollegium  der  Gemeindebevollmächligten
  in  seiner  letzten  Siugung  Siellung
  genommen.  Es  wünscht  eine  andere  Regelung,
  als  sie  jelzt  mit  der  Herabsetzung  auf  die
Hälfte  des  früheren  Gasverbrauches  bestimmt
wurde.  In  München  soll  eine  Herabsetzung  des
Gasverbrauches  nur  auf  70  %  des  Verbrauchs
im  Jahre  1916  in  Frage  kommen,  sodaß  also  die
Gasverbraucher  in  Rosenheim  jetzt  wesentlich
schlechter  daran  sind.  In  München  denkt
man  aber  auch  an  die  kleinen  Gasverbraucher;
die  „M.  N.“  betonen,  daß  folgende  Erwägung
nicht  übersehen  werden  dürfe:  Viele  Teinere  Abnehniet
  haben  sich  schon  in  früheren  Jahren  aus
wirtschaf  nichen  Gründen  mit  möglichst  sparsamem
Gasoverbrauch  begnügt.  Gerade  ihnen  wird
also  eine  weitere  Einschränkung  besonders  schwer
fallen.  Die  Verwaltung  der  Gaswerke  erwartet
auch  in  erster  Linie  von  den  größeren  Gasabnehmern
  die  am  meisten  fühlbare  Wirkung  in
der  Einsparung.  Es  würde  daher  vielleicht  mögsein,

  die  prozentuale  Emschränlung  nach
in  hin  progressiv  etwas  abzuschwächen,  so  daß
die  wirtschaftlich  schwächeren  Kreise  doch  noch  die
Möglichkeit  haben,  mit  der  ihmen  zugestandenen
Gasverbrauchömenge  die  allernotwendigsten  Ersordernisse
  einer  einfachen  HDaushaltung  zu  erfüllen.


Verdächtige  Kriegs  Oefangenenbriese.
  Aus  dem  seindlichen  Ausland  kommen
noch  immer  Briese  von  angeblichen  deutschen
Kriegs-  oder  Zivilgefangenen,  die  zum  Teil  ge-8
  zum  Teil  vom  Furlicen  nheichen:
dieull  beeinsußt  sind.  Es  wird  auf  oiese  Weise
versucht,  Auslunft  über  die  Stimmung  und  die
Debensmitielverhälstnisse,  über  Preise  der  Lebensmittel
  und  aller  Arten  Waren,  Kataloge
pon  Industriewerken,  Ubbildungen  peusscher

 

Städte,  lechnische  Bücher  und  Fachzeitschristen
oder  deutsche  Ausweispapiere  zu  erlangen.  Wie
bieher  isl  Vorsickt  und  Anzeige  bei  den  zuständigen
  slellv.  Generastommandos  notwendig.

Abgängig.  Der  Postaushelser  Int  Ober--lanner,
  geboren  am  25.  Sept.  1900  in  Reit
im  Winll,  zuletzt  am  unteren  Gries  len  wohnhaft,
  ist  seit  16.  Juli  abgängig.  Obertanner  ist
1.00  Meter  groh  und  hat  blonde  Haare.  Der
MWermißte  trug  zuletzt  grauen  Anzug,  grauen
Hrt  oder  blaue  Postmütze.  «

RockexnmiinslekbxiiDekslkumctiii
lniiokasteniniiferoonPtiillingwnrdcii12
Pfund«Lsfekdewiirsleiiiid191s  Pfund  Pferdeprehsack,
  welche  sie  ohne  Erlan#nis  ausführen
wolite,  abgenommen.

Musik  und  Thealer.

Große  Militärlonzerte.  Wie  wir  ersahren,
  sinden  am  Sonntag,  den  5.  August,  im
Pernlohnerieller  hier  zwei  Wohltäligteits
ionzerle  flatt,  deren  Neinerirag  den  Witwen  u.
Waisen  des  Baner.  Res.-Ins.  Regts.  Nr.  16
zugedacht  ist.  Die  Feldmusik  dieses  W-m-Rats,
  lommt  auf  Urlaub  in  die  Hiimat  und  verantaitet
  auch  in  Rosenheim  zwei  Wohltätigleitelonzerte.
  Die  Kapelie  sleht  unter  der  Leiung
  des  Musitjeilers  Hen.  Gullau  Bungr,  der
bereite  seil.  Veginn  des  Krieges  im  Feldr  sieht.
Hetr  Bunge  i#l  mit  der  altiven  Musil  des  1.
Ins.-Regts.  unter  Musilmeister  Mar  Himpel
auemarschiert.  Auch  wird  vielen  aus  dem  Manö--ver
  1911  in  Roscnheim  erinnerlick  sein,  daß  bei
den  vielen  Abendlonzerlen  im  Kaiserbad  vom  1.
Jus.  Reg.  unter  Musikt  neister  Mar  Heinpel  G.
.  unge  als  Pülon-  Sliil  des  öfleren  ausirat.
Die  Brun  Vunges  fü  unut  be  reits  dar  Silberne
Bayer  Verdienitirenz.  Die  Kapelle  ist  334  Mann
iiarl,  darunter  mehrete  Sol:  iten.

Aus  dem  Berichtssont.

Am  Toddeseigenen  Kindes  schulolig.

Bad  Aibling,  20.  Juli.  Das  zei#ährige
Sonnden  der  Fabrilarbeiterssran  Franziska
Thi#e  in  Bad  Aibling  siel  im  Mai  in  den  am
Marmorwerk  vorbeifuyrenden  Werllanal  und
ermant.  Die  Leicke  wurde  päter  bei  der  Kunstmuhle
  Nosenheimn  geborgen.  Frau  Thaler  war
beiculdiet,  den  Tod  des  Kindes  aus  grober
Fahrsässigieit  verschuidet  zu  haben,  und  wurde
unter  Annahme  mildernder  Umstände  zu  orei
Lagen  Gesängnis  verurteilt.

Beltugerische  Hausierer.

vad  rlibling,  20.  Juli.  Der  Hausfierer  Joham
  Sdiser  aus  Holjleiten  und  sjeine  Tochter,
die  Taglöhnerin  und  Hausiererin  Kath.  Winhkaben
  sich  eine:  Vergehens  gegen  das
Kriehs  uiland-gesen  sc  uldig  gemacht.  Sie  aingen
  in  Derudori  mit  Tonseise  und  Kassee-  -Ersah
  hausieren  und  übersch  Tritten  dabei  die  Höchitpreis
  sestsetzunz  gen.  Für  den  Kaffee-Ersatz  wurde
  1  Marl  für  das  halbe  Pfund  verlangt.  Schäfer
  wurde  zu  40  Marf  bzw.  acht  Tagen  (besängnie,
  Wingen  zu  10  Marl  bzw.  zwei  Tagen  Gelangnis
  verurteilt.  2

Treibriemendiebstähle.

münchen,  18.  Juli.  Dem  Fabrikarbeiler
Geoig  Enders  aus  Regens  burg  glüdte  es  trotz
ieineir  schweren  Vorsirafen  in  München,  zuletzt
EIIILL
einem  Wochenverdienste  von  40  Mari  und  teilweiier
  Verpflegung  zu  sinden.  Trotzdem  siahl
er  wicderum  am  9.  Februar  aur  dem  Lager  eines
  Händsers  in  der  Vayerstraße  vier  neue
Tieibriemen.  Am  anderen  Tage,  irüh  4#  Uhr,
verschaffte  er  sich  Eingang  in  die  Schrammsche
Vranerei,  stahl!  vie  Treibriemen,  verschiedene
Welsingteile  und  etwa  vierzig  Meter  Kupferdrahl.
  Bei  dem  Verbringen  der  Metallteile  an
tie  Abnahmestelle  war  ihm  seine  Gelicble,  die
abrikarbei  iterin  Maria  Neumaier  von  hier,  behbilsuch.
  Der  Wert  der  gestohlenen  Tieibriemen
  oie  wieder  beigeschafit  wurden,  beträat  eiwa
  1000  Mark.  Enders  wurde  zu  drei  Jahren
uno  sechs  Monaten  Zuchthaus  unb  zehn  Jahren
Ehrenrochtsverlust  verurteilt,  die  Neumaier  erbhielt
  wegen  Begünftigung  vier  Monnte  Gesängnis.
  —  Der  Oekonomiehandwerler  Marlin  Gruber
  von  Ingesstadt  und  der  Kutscher  u.  Kriegeinvaside
  Johann  Pitschi  von  Rosenheim  verabtedelen
  am  15.  Mai  bei  einem  Bauern  in  Dachau
einen  Treibriemen  zu  stehlen.  Auesgerüstet  mit
einem  Brecheisen  uno  einer  Taschenlaterne  mackten
  sie  sich  ans  Werk,  zerschmiten  den  auf  150
Markt  gewerteten  Treibriemen  und  trugen  ihn
fori.  Balo  darauf  wurden  sie  ermittelt  u.  festgenommen.
  Gruber,  der  bereits  vorbestraft  iit,
ethiell  ein  Jahr,  Pitschi  sechs  Monate  Cesängnis.


Der  Weltkrieg.

□——

Neue  U-Boot-Beute.
WTB.  Berlin,  21.  Juli.  (Amtlich.)  Neue
U-Boot-Erfolge  im  Mittelmeer:  30000  Bruttoregisterionnen.
  Unter  den  versenkten'  Schiffen
befanden  sich  der  bewaffnete  tief  bekadene  englische
  Tampfer  „Haig  Hall  (4809  To.),  der  aus
einem  gesicherten  Geieitlzug  herausgeschossen  wurein
  italienischer  Dampfer  von  elwa  3000

Sonntag,  22.  Juli  28

(8191  To.),  der  japanische  Dampfer  „Shm
Mar#“  (3312  ½),  und  der  ftan-  Damp#
„Courbie“  (2388  To

krrcno  Lage  in  Rußland.

Amsterdam,  21.  Juli.  Der  „Daily
wird  aus  Petersburg  berichtet:  Die  Laze
Rußland  ist,  wenn  Kerenski  es  nicht  retien  kan
verzweifelt.  Der  „Morningpost“  wird  von  ihre
Berichterstatter  aus  Peteroburg  gemeldet,  #
in  Rußland  aufs  neue  chaolische  Zustände  herrst
ten.  In  Petersburg  gebe  es  keine  anerkam
Autorität  mehr.  Die  Regierung  protest!  erte
gen  Kundgebungen  und  verbot  sie,  aber  sie  so
den  trohdem  statt.  Die  Folge  davon  sei  die  al
gemeine  Verwirrung.  Tausende  von  Versam
lungen  würden  auf  den  Straßen  abgehalten  ur
es  sei  soweit  gelommen,  daß  die  Vorgänge
Petersburg  schlieblich  nur  mehr  dieienigen  im
ressterten,  die  das  Unglück  hätten,  in  diei
Stadt  wolmnen  zu  müssen.  Die  Alliierten  Bütt
jenl  nur  melr  mit  dem  übrigen  Rußland:
rechnen,  dessen  Stimme  in  Petereburg  fast  u#
mehr  gehört  würde.  Petersburg  verlor  mit  de
Sturz  der  Dnnastie  seine  bisherige  Bedeutun
Das  Voll  sehe  mit  immer  gröherem  Vertraunach
  Moolau  und  warte  auf  den  Angenblick,  #
die  vorläusige  Regierung  die  versluchte  Sn
Petersburg  verlassen  und  nach  Moskau  übe
siedeln  werde.

Eine  sinnische  zeilung  meldet  über  die  jüngiu
Creignisse  in  Pelersburg:  Am  Montag  begain
  den  Fabrilen  und  Arbeitervierteln  die  Agittion
  für  den  Slm  der  provisorischen  *
rung.  Um  6  Uhr  wurde  die  Arbeit  eingeit.
und  die  Arbeiter  und  Solonten  ilrömten  in  d.
innere  der  Sladt  unter  den  düusen-  „Nieder  i
Kerensli!“  „Nieder  mil  dem  Krieg!“.  2.
Menge  Nürmie  zum  Taurischen  Palafl.  Die  V,
satzungen  einiger  Panzerautomobile  versucht
Kereneli  gesangen  zu  nehmen.  Kerenski  w.
aber  eine  11  Stunde  vorbher  mit  Ertrazug  #r
gereist.

In  Finuland.

Petersburg,  21.  Juli.  Peiersburger  2
legraphenagentur:  Einer  Nack.  riccht  aus  Helsinors
  zufolge  wird  der  sinnische  Senal  wegen  de
Landlagabschlusses  uber  die  Antonomie  Fim
lands  insgesamt  ein  Abschiedsgesuch  einreiche-Anläsllich
  der  Unabhängigleitserilärung  war  cr
dem  Senats-  und  Landtagsgebaude  und  auf  oderen
  bssentlichen  Gebänden  von  Helsingsors  d
finnisce  Nationalflagge  gehißt.

s  Attentate.

Peiersburg,  21.  Juli.  (Petersburger  ,
legraphenagentur).  Sarder  Raschid,  der  frühen
Generaigouverneur  ron  Aserbeidschen,  wurdei
Sendschan  aus  der  Reise  nach  Telheran  durch  dr
Sc  üsse  in  dem  Augenblick  getötet,  als  er  de
Haus  verließ.

Petersburg,  21.  Juli.  (Reuter.)  J
Pleok  murden  auf  Kriegeminister  Kerens
Sc  nise  algegeben,  die  ihn  aber  nicht  trafen.

Itasicus  „Reckt“.

Lugano,  21.  Juli.  Das  Organ  Somino
„Giornale  d'Ilaila“  beschäftigt  sich  mit  de
versleckten  und  offenen  Angriffen  von  verschi
denen  Seiten  gegen  Italiens  Sonderstellung  i
diesem  Kriege.  Das  Blatt  ertlärt,  von  einer
italienisäken  Imperialiemu##  tomne  keine  Ret
sein.  Italiens  Reck  auf  Trien  und  Trient  was
allerdinge  niemand  anzugreisen,  dafür  werd
umso  mehr  intriguiert  auf  das  Necht  ZItalien
auf  Jierien  und  Dalmatien  und  doch  hälten  l-'·losieii
  und  Serbien  über  diese  Gebiele  länz
geeinigt.  Albanien  wünsche  Ilalien  selbitandt
au  sehen  und  verlange  für  sid.  nur  Valona  al
ftrategziscken  Punkt,  um  zu  verhindern,  daß  Gi
chemland  die  Korfu-#aße  seinerseils  trate
gisch  ausbant.  Im  Mittelmeer  verfolge  Ile
lien  die  gleiche  Taktik  wie  seine  Bundesgenost
Frantireich  und  England,  die  sich  in  Kleinasie
festsetzen.  Es  handle  sich  also  bei  Italicn  nic
um  Imperialiomus,  sondern  um  den  Wim
der  gleichen  Kräfteverteiulng,  damit  Jualie
nicht  benachteiligt  werde.

Zu  den  Unruhen  in  Lissabon.

Gens.  21.  Juli.  Die  Zahl  der  Personen,  d
nad  den  bluingen  Lissak  oner  Zusammensoft
verhasiet  worden  sind,  übersteigt  10000.  Die  Ge
sängnisse,  namentlich  die  Monte-Santo-  Fem
sind  überfüllt.

i  Unruhen  in  Spanien.

Madrid,  21.  Juli.  (Havas.)  Der  spam
sche  Minister  des  Innern  e  daß  in  ##
lencia  einige  Gruppen  von  Kundgebenden  ein
drohende  Hastung  annahmen,  die  Gendarmeli
scharf  vorging  und  die  Ordnung  wieder  herslellt

Barcesona,  21.  Juli.  An  der  Ede  de
Straßen  Conde  und  Asalito  wurde  eine  Bar
rilade  errictet.  Die  Ausrührer  wurden  infob
Eingreisens  bewaffneter  Kräfte  #een  zerstreul
Andere  Kreise  versuchten  gleichzeillg  Unruhe;
stisften,  wurden  aber  verjagt.

(etzte  ##e##ris#n.

Die  deutschen  Volksvertreter  bein
aiser.

Berlin,  21.  Juli.  Der  „Lolal-Anzeiger

schreibt:  Die  Aussprache  betraf,  mie  uns  os

—.

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Tonnen,  ein  griechischer  liesbezadener  Dampfer

unterrichteter  Siett  astheiellt  Gird,  in  uf-