74 Philosophische Einleitung in die Nechtswlfsenschaften.
der Genußsucht, Ueberfeinerung auf der einen Seite, steigende NRoheit der auf ihre
große Zahl selbstbewußt sich stüenden Masse des Pöbels (namentlich wo auch der
vornehme Pöbel nicht fehlt), unnatürliche Ueberfüllung des Verkehrscentrums, welcher
Atrophie der peripherischen Theile nachsolgen kann.
Die Gemeinde überhaupt entwickelt eine Menge Lokalinteressen. zum Theil engherzige
Kirchthurminterefsen; fie wird vom Staat als ein Glied in seinem Verwaltungsorganismus
eingefügt und übernimmt so zum Theil staatliche Funktionen.
Dies Alles zeigt ihre Wichtigkeit für das Gemeinleben der Menschen und insbesondere
für das. Rechtsleben.
3. Die Sprache (im weiteren Sinne) ist das unumgänglich nothwendige
Mittel zu jeder bewußten Gesellung. Ist einem Vernunfstwesen jede Mittheilung
irgend welcher Art an ein anderes unmöglich, dann wird eben keines von dem
anderen wissen, und es kann dann höchstens thatsächliche (aber unbewußte) Gemeinsamkeit
ihres Wollens bestehen. Je leichter, sicherrr und unzweideutiger dagegen
die Mittheilung, desto inniger die Verschmelzung der Gedankenkreise. Darum das
seste Band, welches die gemeinsame Muttersprache um uns webt. Nicht blos, daß
ihre Laute verschmolhen sind, mit unseren theuersten Erinnerungen; von ihr hängt
vielmehr in allergrößtem Umfang die besondere Gestaltung unseres Lebeusinhaltee
ab, von ihr wird vielfach bestimmt, welche Anschauung wir uns über uns selbst
und die uns umgebende Welt bilden. „Es sind die grammatikalischen Formen der
Muttersprache, durch welche (die) primitiven, allem Denken zu Grunde liegenden
Gewohnheiten des Verbindens und Beziehens der Eutzelvorstellungen auf einander
uns angebildet und habituell gemacht werden, noch ehe wir einer Reflexrion auf dos
Gedachte fähig sind; denn was die Sprache uns zu einer Lauteinheit verbunden
giebt, das fassen wir vorstellend zusammen und wir safsen es so zusammen, wie sie
es verbunden giebt; was sie getrennt darstellt, das fassen wir als getrennt, als relativ
selbständig auf“ (Tp. Weaitz)
Darum die einigende, etenbildene Macht der Nationalität, darum die.
Nothwendigkeit einer Reichssprache dort, wo einem Reich verschiedene Nationalitäten
angehören, welches ohne jene festgehaltene Vorherrschaft einer Sprache dem
Zerfall zueilen müßte.
4. Die Dien stverhältnisse unter den Monschen begründen bloßen Verkehr,
wenn der Dienende wie der Lohnende dabei nur seinen eigenen Zweck verfolgt. Dagegen
führen sie zur Gesellung in engeren Kreisen der häuslichen Gemeinschaft.
wo sich so durch Wohlwollen und Vertrauen gleichsam eine erweiterte Familie bildet
und in weiteren Kreisen, wenn man dem Gaanzen als dienendes Glied sich einfügt
und nicht um des Lohnes, sondern der Ehre willen ihm seine Krüfte widmet
(Ehrenämter). -
5. Die allgemeinste, ursprünglichste menschliche Gesellung ist die Familie.
Sie fordert wegen ihrer weitgreifenden Bedeutung für das Recht einer ausführlicheren
Würdigung. Ehe wir aber zu dieser übergehen, bedarf die Lehre von den ethischen
Ideen einer Erweiterung durch die Beziehung derselben auf die Gesellschaft.
§*#8. 2. Die ethische Gestaltung der Gesellschaft.
Dae sittliche Ideal der Gelellschaft kann nur eine solche Gesellung sein, welche
die ethischen Ideen möglichst vollkommen zur Darstellung bringt. Indem wir
nun mehrere Millen in ein gesellschaftliches Wollen verschmolzen denken,
ergiebt sich uns eine ethische Beurtheilung dieses gemeinsamen Wollens nach denselben
Gesichtspunkten, welche zur ethischen Beurtheilung des Einzelwollens geführt
haben — wir finden auf duse Art Musterbilder jür das gefellschaftliche Wollen, also
abgeleitete ethische Jdee
Zunächst aber — sich und hier die Beurtheilung nach der Idee des