84 Arnims Vorschläge jur Behandlung der Konnilsfrage.
üble Laune Rapoleons von sich abzuwenden, auf absolutes Schweigen Lord Clarendons über
seine hierher gemachten Cröffnungen in Paris kaum zu rechnen ist“. Cure Königliche Majestät
bitte ich daher alleruntertänigst, mich zu einer entsprechenden Mitteilung an Lord Augustus
Loftus! durch einen Randvermerk huldreichst autorisieren, auch eine vorläufige Instruktion
des Grafen Solms dahin genehmigen m wollen, daß er auf eine etwaige bezügliche Anfrage
sogleich seine Überzeugung von dem zu erwartenden günstigen Eindruck der beabsichtigten
Aufmerksamkeit ausspreches, vor definitiver Antwort aber telegraphisch berichte.
Nandbemerkungen König Wilbelms I.: *#
1 Ganz einverstanden, aber unglaublich ist die französische Jalousiell W. 21. 5. 60 b.
2 richtig.
1392. Immedsatberlcht.
[Ausfertigung.]
Auf den Girkularerlaß vom 2. Mai (liebe Dr. 1382), der die baurische Anregung m
gemelnsamer Haltung der deutschen Regierungen gegenüber dem ökumenischen Konzil betraf,
hatte der Gesandte in Rom v. Arnim in einem Hauptbericht vom 14. Mal (siehe denselben
in: Das Staatsarchio, XXIV, sos ff.) und vier weiteren Berichten vom 15. bis 17. sehr aus-
fübrlich seine Auffaslungen entwickelt. Er schlug einmal vor, im voraus Einspruch dagegen
n erbeben, daß auf dem Konjil bindende Rormen über das Verhältnis wischen Staat und
Kirche ausgestellt würden, sodann, die Jutgiebung von Vertretern der deutschen NRegierungen
m dem Kon#l m verlangen.
Berlin, den 25. Mai 1869.
Eurer Königlichen Moajestät habe ich die Ehre, die vorgestern eingegangenen und bei
meinem damaligen alleruntertänigsten Vortrage erwähnten Depeschen des Gejandten Curer
Majestät in Rom, welche sich auf das bevorstebende ökumenische Konzil bejiehen, ehrfurchts-
vollst vorzulegen.
Da eine Sitzung des Reichstages es mir für heute erschwert, einen mündlichen Vortrag
darüber zu erbitten, wollen Eure Mafestät mir buldreichst gestatten, meine alleruntertänigsten
Vorschläge über die Bebandlung der Sache in folgendem kurz zusammenfassend schriftlich
vorzutragen, vorbehaltlich weiterer Erläuterungen, im Salle Cure Majestät folche für nötig
halten und mich zu diesem Sweck hinausbefeblen sollten.
1. In dem Hauptbericht Ar. 10 vom 14. d. M. bebt der Gesandte von Arnim hervor
(auf Seite 9), daß zwar über die Beschlüsse der mit den Vorlagen an das Konzil beauf-
a Der Schluß des Satzes von den Worten an: „mumal bel den ...“ eigenbändiger Zusatz Bismarcks im
Kon;ept von Keudells Hand. »
Nach der Justimmun des König= richtete Bismarck am 21. Wai das dolgende Telegramm an Graf
Solms: „Auf eine etwaige Anfrage in betreff der Ablendung eines französischen Kriegsschiffes nach dem
Jadebafen wollen Sie sogleich öhre Uberneugung von dem zu erwartenden Linsigen Eindruck einer folchen
Aufmerksamkeit aussprechen, vor definitiver Antwort aber telegraphisch bierher berichten. Ihrerseits durchaus
keine Initiatioe. Erfolgt eine Anfrage, so erfolgt sie vermutlich auf englischen geheimen Betrieb, was Sie
natürlich ignorieren.“ Eine fronzösische Anfrage erfolgte jedoch nicht, da man sich in Daris obne eine preußische
Inktiative etwas zu vergeben glaubte und der englischen Versicherung, aser preuhischen Regierung eine fran-
#ölische Beteiligung willkommen sein würde, um so weniger traute, als sich die englische Behauptung von der
preußischen Anregung der rWr’np eines englischen Triegsschif sebr bald als irreführend herausstellte.
Cbarakteristisch für die französische Haltung I1ch die von dem stellvertretenden Außenminister Rouher in
einem TCelegromm an Sürst La Cour vom 17. Mai (Les Origines Diplomatiques, XXIV, 301) ausgesprochene
Besorgnis, daß die Seierlichkeiten bel der Cinweihung des neuen Kriegsbafens den Charakter einer „mani-
festation nationale“ annehmen könnten. Der an sich sehr unbedeutenden, aber durch ibre Begleitumstönde
sowohl für dle englische wie für die fronzösische Politik sehr bezeichnenden Epifode sind in den „Origines“ mehr
als ein. Dutzend Schriftftückte gewldmet.