208 Beutsches Reich. (Februar 27.—März 2.)
stehen kann. Der Vorwurf, daß wir, die wir weitgespannte Erwartungen
an den Frieden knüpfen, nur zur Verlängerung des Krieges beitragen, ist
durch die Antwort der Entente widerlegt. Eine Zurückhaltung bringt uns
dem Frieden um keinen Schritt näher. Gerade unsere bisherige Zurückhaltung
haben uns ja unsere Gegner als Schwäche ausgelegt. Natürlich
wollen wir der Heeresführung keine Vorschriften machen, was noch erobert
oder eventuell preisgegeben werden soll. Wir wissen zudem, daß schließlich
die Gestaltung des Friedens von der Kriegslage abhängig sein wird. Alle
diejenigen, die jeden Annexionsgedanken ablehnen, zeigen eine gewisse Unbelehrbarkeit
in der Wirkung der Zeit. Auch ich bin der Meinung, daß es
nötig ist, nicht eine Minute länger als angebracht für unsere Existenz zu
kämpfen. Wir müssen aber auch die Zukunft in Betracht ziehen, und für
deren Sicherung müssen bei Friedensschluß Vorkehrungen getroffen werden.
Bei der Erörterung der Friedensziele bin ich mit den Abgg. Spahn und
Wiemer darin einig, daß diejenigen Friedensbedingungen, mit welchen wir
am 12. Dez. in die Friedensverhandlungen eintreten wollten, jetzt abgetan
sind, weil die damaligen Voraussetzungen heute nicht mehr zutreffen. Die
neuen Opfer, die wir jetzt bringen müssen, fordern auch neue Entschädigungen
und neue Ansprüche. Unsere Feinde haben in ihrer Note die Unabänderlichkeit,
Zähigkeit und Unerschütterlichkeit ihres Vernichtungswillens
uns gegenüber klar erkennen lassen. Wir müssen alle unsere Gedanken darauf
richten, um den Gefahren der Zukunft besser gerüstet entgegentreten zu
können. Hierbei muß ich die Frage einer ausreichenden, ausgiebigen Kriegsentschädigung
besonders hervorheben. Den Einwand, daß unsere Feinde
nicht das nötige Geld haben würden, um uns die nötigen Kriegsentschädigungen
zu zahlen, kann ich nicht für richtig halten. Wären die Engländer,
Franzosen und Russen in unserem Lande, so würden sie sich sehr wenig
Kopfzerbrechen machen über den Weg, wie wir die Entschädigung aufbringen
sollen, sie würden unser Land bis auf den letzten Blutstropfen aussaugen.
Und wären die Feinde wirklich nicht imstande, die Entschädigung zu zahlen,
wozu haben wir denn die besetzten Gebiete in der Hand, wirtschaftliche
Werte, die wir mit unserem Blute erobert haben? Wir brauchen unbedingt
eine Erweiterung unserer landwirtschaftlichen Grundlagen. Diese findet sich
in Kurland und Litauen. Dabei können wir auch die Interessen der Balten,
eines deutschen, tüchtigen Volksstammes, schützen. Wenden wir den Blick
nach dem Westen. Wenn zum Kriegführen Geld, Geld und nochmals Geld
gehört, so gehört zur Industrie Erz und Kohle, Erz und Kohle und nochmals
Erz und Kohle, und die finden wir in Briey und Longwy. Unentbehrlich
ist für uns auch der Hafen von Antwerpen. Dann kann auch die Eigenart
der Vlamen geschützt werden. Auch militärische Gesichtspunkte sind hier
maßgebend für unsere Sicherheit. Die Sicherheit unseres Vaterlandes für
die Zukunft werden wir nicht in erster Linie einer internationalen Verständigung
oder einem internationalen Schiedsgerichte verdanken. Das sind
Dinge, die erstrebt werden sollen oder können. Was wir aber vor allen
Dingen brauchen, das ist, daß das Deutsche Reich unüberwindlich dasteht.
Niemand von uns denkt daran, uns neue Feinde zu erwerben oder einen
Konflikt mit Amerika zu wollen. England und die Neutralen müssen aber
wissen, daß ein Entgegenkommen durch eine Abschwächung der Handelssperre
nicht zu erwarten ist. Es muß auch der Anschein vermieden werden, daß
es in dieser Frage ein Zurückweichen gibt. Es hat eine gewisse Beunruhigung
hervorgerufen, daß wir Dänemark die Erlaubnis gegeben haben sollen,
weiter Nahrungsmittel an England zu liefern. In der dänischen Presse ist
mitgeteilt worden, daß diese Erlaubnis von uns auf einen ganz bescheidenen
Zeitraum und mit einer bestimmten niedrigen Tonnenzahl gegeben sei; ich