Beuisches Reich. (Febr. 18.) 73
landes geworden. Deutschland wird monarchisch sein oder es wird nicht
sein. An unseren Kaiser richten wir die leidenschaftliche Bitte: „Halte,
was Du hast, daß niemand Dir die Krone nehme.“ (Stürmischer Beifall.)
Darauf spricht Reichstagsabg. Weilnböck (Stadtsteinach) über „Unsere
Handelsbeziehungen nach dem Krieg zu Oesterreich-Ungarn und Rußland“.
Die Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn seien bedenklich weit vorgeschritten,
und es sei höchste Zeit, daß die deutsche Landwirtschaft dazu
Stellung nehme. Der bisher bekannt gegebene Stand der Verhandlungen sei
eine Gefährdung der deutschen, insbesondere der süddeutschen Landwirtschaft.
Zuletzt nimmt das Wort Kammerherr v. Oldenburg-Januschau:
Wenn das große Schuldbuch aufgeschlagen wird nach dem Krieg, dann
wird die Geschichte erweisen, welch enorme Leistungen das Deutsche Reich
vollführt hat, auch im Verein mit unseren Bundesgenossen. Kommt man
nach Jahren, nachdem draußen das Herz geschwellt war von Stolz auf
das Vergangene, voll Hoffnung auf die Zukunft und Vertrauen zur Führung
zurück in unser Vaterland, dann wirken die Zustände geradezu niederschmetternd.
Versagt hat die politische Leitung, versagt hat der Reichstag.
Wenn unsere Diplomaten verfagt haben, so wird es wohl an Bethmann
Hollweg gelegen haben. Ich glaube, noch niemals hat ein Minister seinem
Souverän und seinem Vaterland so schweren und nachhaltigen Schaden
zugefügt wie er. Würden wir unsere Wehrmacht aufgeben, um in einen
internationalen Schwindel reinzuschliddern — da müßten wir ja unser
Deutschtum aufgeben und uns von der übelwollenden Welt tyrannisieren
lassen. Armee und Flotte müßten, wenn wir sie nicht hätten, extra erfunden
werden, als die größten Erziehungsanstalten. Solange die Armee
mit ihrem Heldenmut kämpft, ist es gut, was aber nachher geschieht, und
wie wir daraus herauskommen werden, das weiß nur Gott der Herr. Der
Kanzler, der das wieder in Ordnung bringt, auf den wird geschossen werden,
und wenn auf ihn nicht geschossen wird, dann taugt er nichts. Es kommt
bloß darauf an, daß er selber auch schießt. (Stürmischer Beifall. Zuruf:
Hindenburg!) Die Armee ist behandelt worden wie eine willenlose Masse,
die da ist zum Sterben, auf deren Empfindungen man aber im übrigen
nicht Rücksicht zu nehmen braucht. In der Friedensarmee soll keine Politik
getrieben werden, aber jetzt stehen Millionen draußen, und es ist eine
himmelschreiende Undankbarkeit gegen die, die unsere Grenzen sichern, daß
sie politisch rechtlos gemacht werden in ihrer Abwesenheit. Mich haben die
Grüße des Reichstags an die Front jedesmal verletzt. Das sind Worte, wie
sehen aber die Taten aus? Da ist man der Armee in den Rücken gefallen
mit dieser niederträchtigen Friedensresolution. Einer der vielen konfusen
Gedanken Bethmanns war es, die Soz. regierungsfähig machen zu wollen.
Dumm sind ihre Führer ja nicht, bis auf den Herrn Scheidemann, der
hat eine kolossale Dummheit jetzt gemacht, indem er sich zu früh decouvrierte
und einen schlecht vorbereiteten Streik in die Hand nahm. Was wollten
die Soz. tun? Das Gros ihrer Wähler stand im Felde und bekam Feuer
auf den Frack. Gewiß, viele, die als Soz. hinausgegangen sind, kommen
jetzt als gläubige Christen zurück, aber im Inlande sind so manche bisherige
Monarchisten Soz. geworden infolge der Ernährungspolitik mit ihren
rigorosen Maßnahmen. Diesen müssen wir sagen, daß es ja der ersehnte
soz. Staat ist, der uns diese Kriegswirtschaft ausgezwungen hat. Unter
Bismarck kam aus der Wilhelmstraße der große nationale Ton. So was
von Ton haben wir von der Stelle des Reichskanzlers noch nicht gehört,
wohl aber von dem großen Hindenburg und dem großen Ludendorff. Die
Kanaillen im In- und Auslande, die gegen diese beiden Männer hetzen,
sind nicht wert, ihnen die Schuhriemen aufzulösen. Dieser Krieg ist ein