Urbersicht der Erelgnisse des Jahres 1866. 503
seine Verbündeten kein. Moment der Kraft sein konnte, im Gegen= enchc
theil ein sehr wesentlicher Moment der Schwäche sein mußte. Worau
Oesterreich und seine Verbündeten gegen Preußen vertrauten, war
das formale Recht, auf das sie pochten und die materielle Macht,
mit der sie Preußen überlegen zu sein glaubten. Ganz Oesterreich
glaubte an den unfehlbaren Kriegsplan des FBM. Benedek, dem
der Kaiser im Einverständoniß mit der öffentlichen Meinung den
Oberbefehl über seine Armee gegen Preußen anvertraut hatte; als
der Prinz Karl von Bayern am 27. Juni neben dem Oberbefehl
über die bayerische Armee auch denjenigen über das 8. Bundesarmeecorps
unter dem Prinzen Alexander von Hessen übernahm,
meinte er in seinem Armeebefehl: „Mit diesen Truppen und diesem
Führer wird es mir nicht schwer fallen, jede mir gestellte Aufgabe
zu lösen“, und noch am 2. Juli, nur einen Tag vor der Schlacht
von Königgrätz ermuthigte der König von Bayern sein Volk in
einer Proclamation mit den Worten: „Alle bundesgetreuen Staaten
— das mächtige Oesterreich voran — sind unsere Bundesgenossen“
In der Mitte Juni zweifelte Niemand auf dieser Seite daran, daß
die Oesterreicher unter Benedek alsbald von Böhmen aus mit überlegenen
Streitkräften die Offensive ergreifen würde und nur wenige
glaubten sich nicht der Hoffnung hingeben zu dürfen, ihn bald vor
den Thoren Berlins zu sehen.
Die Hoffnung wurde nur zu schnell bitter getäuscht. Damalspreußen.
aber mochtken sie außerhalb Preußens nicht bloß leidenschaftlich erregte,
sondern auch ruhiger überlegende Gemüther wohl hegen. Graf
Bismarck, die Seele der preuß. Politik, war allerdings längst zum
Kriege entschlossen und hatte ohne Zweifel schon seit Jahren alle
Chancen überlegt, von langer Hand her alles zum Kriege vorbereitet.
Von den sentimentalen Gefühlen, von denen damals in ganz
Deutschland die Luft schwirrte, war er gänzlich frei. Aber auch in
seiner Seele muß der Entschluß zum Kriege von Anfang an und
jetzt wieder ein nicht leichter gewesen sein. Die Schwierigkeiten, die
Graf Bismarck schon bisher zu überwinden gehabt hatte, und die er
noch zu überwinden hatte, bis nur die preuß. Armee den Oesterreichern
gegenüber im Felde stand, waren in der That ganz ungeheure.
An Italien hatte Preußen allerdings einen schätzenswerthen
Bundesgenossen, der wenigstens geeignet war, einen namhaften Theil