Metadata : Unser Kaiser.

Der  Untergang  des  Kaisertums.  73

vor  dem  Feinde  standen  oder  in  Ost  und  West  in  den
Massengräbern  lagen.  Keiner  der  Fürsten  hat  sich  mit
seinem  Degen  vor  seinen  Thron  gestellt,  um  sein  gutes
Recht  zu  verteidigen.  Sie  sagten  sich  alle:  wenn  der  Kaiser
geht,  sind  auch  wir  verloren.

Das  deutsche  Volk,  das  seit  zwei  Jahrtausenden  in  der
ganzen  Welt  wegen  seiner  Königstreue  gepriesen  war,  hat
nun  seine  Republik  und  seine  zweitausend  Parlamentarier,
die  in  ihren  Parlamenten,  auf  deutsch  Redehäusern,  ihre
unbändigen  Reden  halten  und  nach  dem  Sprüchwort  handeln:
„Bleibe  im  Lande  und  rede  dich  nährlich“.  Dem  deutschen
Michel  ist  seine  Republik  durch  eine  Handvoll  niederträchtiger,
eidbrüchiger  Revolutionsmacher,  immer  zuerst  im  Bunde  mit
den  losgelassenen  Zuchthäuslern,  übernacht  wie  eine  Zipfelmütze
  über  die  Ohren  gezogen  worden,  und  wir  alle  haben
dabei  das  Gefühl,  wie  es  beim  Propheten  Jeremia  einmal
beißt:  „Es  ist  die  Krone  von  unserm  Haupte  abgefallen“.

In  meiner  Jugend  habe  ich  es  erlebt,  was  für  ein  Jubel
im  Jahre  1871  durch  alle  deutschen  Gaue  ging,  als  der
Traum  langer  Jahrhunderte  in  Erfüllung  ging  und  von  der
Nordsee  bis  zu  den  Alpen  der  frohe  Ruf  erscholl:  „Wir
haben  wieder  einen  Kaiser!“  In  meinem  Alter  habe  ich
es  erleben  müssen,  was  für  eine  dumpfe  Verzweiflung  durch
ganz  Deutschland  ging,  als  es  hieß:  „Wir  haben  keinen
Kaiser  mehr!“  Und  die  Raben  fliegen  wieder  um  den  Berg,

die  Raben  der  Zwietracht  und  des  Parteihaders  und  der
Ohnmacht  des  deutschen  Volkes.

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