Der Untergang des Kaisertums. 71
gezogen. Aber ich bin wie unzählige andere fest überzeugt,
es wäre ihm in Deutschland kein Haar gekrümmt worden.
Millionen von Deutschen hätten sich im Unglück hinter ihn
gestellt. Deutschland hätte unter seinem Hohenzollernkaiser
die Flinte nicht ins Korn geworfen und hätte dann einen ganz
anderen Frieden geschlossen als jene niederträchtige Vergewaltigung
von Versailles.
Wer aber nach diesen heute vor jedermann offenliegenden
Tatsachen noch zu sagen wagt, der Kaiser habe sein Volk
treulos verlassen oder gar die Flucht ergriffen, der kann
es nur gegen besseres Wissen und Gewissen tun. Treulosigkeit
lag allerdings im höchsten Maße vor, aber nicht
Treulosigkeit aufseiten des Kaisers, sondern Treulosigkeit
aufseiten der Mehrheitsparteien des Reichstages und ihrer
eidbrüchigen Führer, die, um die Macht in ihre Hände zu
bekommen, dies dunkelste Kapitel deutscher Geschichte auf
dem Gewissen haben.“)
Den schmachvollen Waffenstillstand mußte die Oberste
Heeresleitung unterschreiben, nicht weil wir wehrlos waren,
sondern weil die Reichstagsmehrheit Verrat am Kaiser übte
und die Sozialdemokratie die Regierungsgewalt in ihre Hände
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Wer eine genauere Darstellung dieser Borgänge haben will, der
lese die Berlchte zweier Augenzeugen: General Eisenhart-Rothe,
Der Kasser am 0 November 1918, Berlin-Wilmersdorf, Nikolsburgerplatz
4, Untversitätsbuchhandlung, Abt. Anker, ein kleines, aber sehr
klares und zuverlässiges Schriftchen, sowie das bekannte Buch des
Kronprinzen Erinnerungen" Stuttgart bei Cottaj) auch die bezüglichen
Aufsätze des kleinen, ausgezeschneten Blattes der Königstreuen
„Der Aufrechte“ von Ernst Pfeiffer, Berlin SW 61, Möckernstr. 80,
besonders vom März und April 1926.