Der Mailänder Secolo schildert die großartige Anlage der deutschen Laufgräben. Man muß die
ausgchöhlten Laufgräben an der Aisne mit eigenen Augen gesehen haben; sie sind hauptsächlich in drei Teile
geteilt. Der erste ist für die nächtlichen Vorposten bestimmt, 200 Meter entfernt liegen die Hauptlaufgräben,
die teilweise zementiert und besetzt sind. Hinter dieser zweiten Linie sind keine Laufgräben mehr, sondern große
Höhlen, wo Lebensmittel und Munition, sowie die Küchen und Schlafstätten untergebracht sind. In diesen
Höhlen sind Feldkanonen aufgestellt, während die großen Belagerungsgeschütze hinter der dritten Linie auf
Zementplatten stehen. Kurz, es ist eine unterirdische Stadt mit Kreuz- und Quergängen, die sich auf 10 Kilometer
im Tal der Aisne hinzieht und in der sich eine Bevölkerung von Tausenden von Mannen so wohl verstecken
kann, daß man auf 100 Meter Entfernung ihre Gegenwart nicht ermittelt.
In einer Reihe englischer und französischer Zeitungen und Zeitschriften wird der Franktireurkrieg.
offen und frei verherrlicht und gepriesen, hauptsächlich das Verdienst belgischer Frauen und Franktireure,
welche durch kochendes Wasser etwa 2000 deutsche Soldaten kampfunfähig gemacht haben. Dadurch gestehen
sie doch offen und frei das Franktireurwesen und dessen scheußlichste Verbrechen ein. Auf welch tiefer Stufe
Belgien, Frankreich und England und auf der anderen Seite der würdige Genosse derselben stehen, das ist
aus diesen Veröffentlichungen klar und deutlich zu ersehen.
Wie eine Petersburger Reutermeldung veröffentlicht, wird im Rußland eine große Armee von fünf Millionen
Mann unter dem Oberbefehl des Zaren gebildet. Sie wird in Riga, Milna, Warschau, Lublin und
Kowno zusammengezogen. Man hofft, durch dieselben werde der feindliche Widerstand weggefegt. Die Fünfmillionenarmee
soll gleichzeitig auf Wien und Berlin marschieren. — Sehr nette Aussichten für uns, zum
guten Glück sind wir nicht kleingläubig und vertrauen auf Gott und unsere brave Armee mit ihrer vortrefflichen
Leitung.
Die Österreicher marschieren in Serbien tüchtig vorwärts trotz aller Lügenmeldungen über die Siege und
Erfolge, welche die Serben gehabt haben sollen. Das Bandenvolk ist es nicht anders gewöhnt, als Lug und
Trug und Mord und Raub. Doch auch bei ihnen wird die Stunde kommen, wo die Wahrheit nicht länger
mehr untergraben werden kann. Auch ihre Abrechnung dürfte nicht mehr zu lange auf sich warten lassen.
Aus Konstantinopel wird gemeldet: Mit der Sperrung der Dardanellen glaubt die Pforte, Rußland,
als die am meist geschädigte Macht zu veranlassen, bei seinen Verbündeten dafür einzutreten, daß ihre Geschwader
Egnacia räumen und den Schiffsverkehr dort nicht weiter hindern. Überdies gibt diese Sperrung der Türkei
freie Verfügung über nahezu die ganze Flotte im Pontus, wo sie demzufolge stärker als die vereinigten russischen
und englischen Streitkräfte sein würde. Auf seiten der Regierung ist alles vorbereitet für die sofortige
Ausweisung aller Untertanen der Dreiverbandemächte.
Nach einer Amsterdamer Meldung hat der deutsche Kreuzer Karlsruhe im Atlantischen Ozean sieben
englische Dampfer versenkt.
Ein am 25. September ausgegebenes russisches Bulletin besagt, die Deutschen besetzten die die galizische
Grenze beherrschenden Hügel im Süden des Gouvernements Kieleze mit dem offenbaren Zweck, den Vorstoß
eines russischen Hilfskorps gegen Krakau abzuwehren. Heftige Kämpfe scheinen in diesem Gebiete bevorzustehen.
Der Bruder der deutschen Kaiserin, Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, der seit Beginn
des Krieges im Felde sieht, hat das Eiserne Kreuz erhalten.
Der beliebte Schriftsteller, und frühere Chefredakteur der Hamburger Neueste Nachrichten, Rudolf Herzog,
ber seit einiger Zeit dem Hauptquartier einer unserer auf dem westlichen Kriegeschauplatz kämpfenden Armeen
zugeteilt war, ist durch eine Schrapnellkugel verwundet worden. Herzog war im Begriff, eine wichtige
Meldung zu unseren eingegrabenen Truppen zu überbringen.
Das nationalistische Giornale d'Italia meldet, die Okkupation Valonas stehe nahe bevor. Sie sei dringend
notwendig, um zu verhindern, daß der Schlüssel zur Adria in die Hände der Gegner falle. Es genügt eine
Besitzergreifung von Balona und der vorgelagerten Insel Sasseno durch Seeleute ohne eine große Erpedition.