Volltext : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

esse  für  die  Kaiserliche  Marine  durch  Vorträge  zu  wecken  und  zu
entwickeln.  So  habe  ich  z.  B.  über  Schiffstppen,  über  die  Geschwaderübungen,
  an  denen  ich  fast  alljährlich  teilnahm,  über  die  Flotteninspizierung
  meines  Baters  1880,  über  die  Flottenschau  in  Spithead,
der  ich  im  Juni  1887  beigewohnt  habe,  sowie  auch  einmal  über  Seeminen
  und  Fischtorpedos  gesprochen,  diese  Waffe  begann  damals  die
Aufmerksamkett  auf  sich  zu  lenken.  Selbstverständlich  war  die  Wirkungsmöglichkeit
  meiner  Bemühungen  an  sich  nur  beschränkt,  auch  der  „Widerstand
  der  stumpfen  Welt“  so  schnell  und  so  leicht  nicht  zu  besiegen.
Erst  später  war  es  mir  beschieden,  mit  der  Kraft  „jenes  Glaubens,
der  sich,  stets  erhöhter,  bald  kühn  hervordrängt,  bald  geduldig  schmiegt“,
mein  Bolk  zur  Tat  mit  fortzureißen.
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Im  Juli  1881  wurde  meinem  Großvater  der  bevorstehende  Besuch
der  britischen  Reserveflotte  unter  dem  Kommando  meines  Oheims,  des
Herzogs  von  Edinburgh,  angezeigt.  Kiel  wurde  zum  Ankerplatz  bestimmt,
  und  ich  erhielt  von  meinem  Großvater  den  Auftrag,  in  seiner
Bertretung  den  Herzog  zu  empfangen  und  zu  bewirten.  Voller  Freude
reiste  ich  nach  Kiel  und  wurde  dort  in  der  liebenswürdigsten  Weise
von  Helnrich  im  Schloß  aufgenommen,  wo  er  inzwischen  sein  Quartier
  aufgeschlagen  hatte.

Auf  der  Kieler  Förde  im  Außenhafen  lagen  nach  meiner  Erinnerung
  „Breußen“,  „Friedrich  der  Große“,  „Grkedrich  Karl“  und
„Kronprinz“  vor  Anker.  Am  nächsten  Vormittag  lief  das  aus  noch  vollgetakelten
  Banzerschiffen  bestehende  englische  Reservegeschwader  unter
Führung  des  Herzogs  von  Edinburgh  in  Kiellinie  ein  und  machte
an  den  Bosen  fest,  das  Flaggschiff  „Hercules“  kam  gerade  dem  Schloß
gegenüber  zu  liegen.

Nach  Austausch  der  Salute  und  offiziellen  Begrüßungen  von  seiten
der  Marinebehörden  fuhr  ich  an  Bord  des  „Hercules“  und  bewillkommnete
  dort  namens  meines  Großvaters  meinen  Oheim.  Im  An-204