Volltext : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

Vorwort

J-  der  Einsamkeit  meines  holländischen  Exils  gehen  die  Gedanken
oftmals  zurück  in  die  Vergangenheit.  Und  je  dunkler  die  Gegenwart
  sich  gestaltet,  um  so  weiter  wandern  die  Gedanken  und  suchen
den  strahlenden  Sonnenschein  glücklicher  Friedens-  und  Zugendsahre.
Vor  meinem  geistigen  Auge  erstehen  von  neuem  die  Zeiten,  in  denen
mein  Baterland  zu  Einheit  und  Macht  erwuchs.  Durch  meine  Erinnerung
  schreiten  wieder  die  großen  Gestalten  des  ersten  deutschen
Kalsers  und  seiner  Paladine,  längst  verblaßte  Bilder  gewinnen  wieder
Farbe  und  Leben,  und  mit  übermächtigen  Kräften  drängen  sich  die
Schatten  teurer  Toter  herzu.

In  den  Kreis  dieser  Gestalten,  deren  Namen  die  Geschichte  bewahrt,
  sieht  der  Verfasser  sich  selbst  hineingestellt.  Er  erlebt  noch
einmal  die  Jahre  der  Kindheit  und  Jugend,  schaut  sich  selbst  mit
Eltern  und  Geschwistern,  sitzt  wieder  vor  dem  strengen  Erzieher  und
mit  gleichaltrigen  Knaben  auf  dem  Gymnasium,  lacht  und  tollt  am
Meeresstrande  und  im  Bark  von  Sanssouci,  trägt  wieder  den  weißen
Stürmer  der  Borussen  und  hört  manch  schweres  Kolleg.  Der  Präsentiermarsch
  klingt  auf  —  und  klopfenden  Herzens  marschiert  der
junge  Leutnant  vor  dem  katserlichen  Großvater  vorbel.  Die  Jahre
vergehen,  und  was  der  leuchtende  Traum  eines  Tages  war,  soll  nun
in  hartem  Dienst  handfeste  Wirklichkeit  werden.  Griffe  werden  geübt,
  Kommandorufe  ertönen,  die  Sonne  scheint  prall  auf  den  Exerzierplatz,
  wie  jeder  andere  wehrfähige  Breuße  gibt  der  Prinz  sein  Letztes