Full text : Europäischer Geschichtskalender. Fünfter Jahrgang. 1864. (5)

Deutschland.  123

behren  seien.  Die  Behörden  haben  sich  für  die  vollständige  Entbehrlichkeit
  ausgesprochen.

11.  Aug.  (Baden).  Erlaß  des  Ministeriums  des  Innern  gegen  den

Hirtenbrief  des  Erzbischofs  von  Freiburg  v.  19.  Juli  bez.  das
Schulgesetz.  .

„  „  (Preußen).  Die  offiz.  preuß.  Presse  spricht  sich  sehr  erbittert
über  die  Besetzung  Lauenburgs  durch  Bundestruppen  aus;  die  preuß.
Regierung  remonstrirt  gegen  die  Maßregel  in  Hannover.

13.  „  (Bayern).  Die  bedeutendsten  Firmen  von  Speyer  beschließen
eine  Eingabe  an  den  König  um  Beitritt  zum  neuen  Zollverein  noch
vor  dem  1.  Oct.  Fast  sämmtliche  bedeutende  Firmen  der  ganzen
Pfalz  schließen  sich  an.

16.  „  (Sachsen).  Die  II.  Kammer  geht  mit  58  gegen  16  Stimmen
zur  Tagesordnung  über  bezüglich  der  Petitionen  um  Wiederherstellung
des  Wahlgesetzes  von  1848  und  erkennt  mit  42  gegen  32  Stimmen
die  Rechtsbeständigkeit  der  gegenwärtigen  Ständeversammlung  an.
Auch  ein  vermittelnder  Antrag  wird  abgelehnt.

„  „  (Anhalt).  Die  Regierung  publizirt  im  Anhalt.  Staatsanzeiger
die  vom  letzten  Landtag  schließlich  modificirten  Gesetze,  für  die  derselbe
  mit  Mehrheit  seine  „Mitleistung“  in  Anspruch  nahm,  nach  ihrer
ursprünglichen,  vom  Landtage  abgelehnten  Vorlage  als  Gesetze,  die
„nach  eingeholtem  ständischem  Beirath“  mit  dem  1.  Oct.  für  die
Bernburger  Landestheile  in  Kraft  treten  sollen.

„  „  Abhaltung  des  sechsten  Vereinstags  deutscher  Genossenschaften  in
Mainz  unter  dem  Vorsitz  von  Schulze-Delitzsch.

17.  „  (Lauenburg).  Die  Ritter=  und  Landschaft  beschließt  eine  Eingabe
  an  den  deutschen  Bund  zu  richten  gegen  eine  Herbeiziehung
Lauenburgs  zu  den  dänischen  Staatsschulden  und  den  Kriegskosten  des
deutsch-dänischen  Krieges.

„  „  (Baden).  Der  evang.  Oberkirchenrath  verwirft  durch  Erlaß
den  Antrag  auf  Entfernung  Schenkels  von  der  Vorstandschaft  des
evang.-protest.  Predigerseminars,  mißbilligt  den  Protest  der  117  Geistlichen
  gegen  Schenkel  und  die  Verbreitungsweise  desselben,  und  erklärt
sich  für  die  Freiheit  der  theologischen  Forschung.

„  „  (Nassau).  Die  Ständeversammlung  erklärt  mit  24  gegen  10
Stimmen  den  Verkauf  der  ehemaligen  Abtei  Marienstadt  an  eine
geistliche  Gesellschaft  für  ungültig  und  die  Beamteten  der  Landesregierung
  und  das  Ministerium  verantwortlich  für  den  dem  Lande
daraus  erwachsenden  Schaden.  —  Die  I.  Kammer  nimmt  mit  11
Stimmen  (darunter  Prinz  Nicolaus)  gegen  5  Stimmen  (die  Vertreter
einiger  adeliger  Herrn)  den  Antrag  ihres  Ausschusses  für  den  Anschluß
  Nassau's  an  den  neuen  Zollverein  an.

18.  „  (Sachsen).  Das  offic.  Dresd.  Journal  theilt  den  Wortlaut  des
von  Sachsen  beabsichtigten  Antrags  am  Bunde  gegen  Art.  1  der  in
Wien  ohne  Mitwirkung  des  deutschen  Bundes  von  Oesterreich  und