vollkommen ausgebildet worden. Das Giesserei-, Formereiwesen, die Verarbeitung der Bleche — all das sind Künste,
die eine derartige Vervollkonmmung in Deutschland erfahren baben, dass fadellose Terligprodukte den Ruf des deutschen
Maschinenbaues kräftigen.
Die Praxis zeigt die Erfolge. Statistische Zahlen zu verzeichnen würde zu weit lühren; es genüge die Angabe, dass das Husland,
insbesondere die der Industrie neu erschlossenen Gebiete, die deutschen Maschinen als ein vortreffliches Erzeugnis zu schätzen
wissen. Und die Sachlage lehrt, dass der deutsche Maschinenbau in Zukunft den Wettstreit nicht zu fürchten brauchen wird.
Wilhelm Gentsch.
hie Well, wie sie heute an der Arenze des 19. Jahrhunderts ausschaut, verdankt ihr Gesicht der Cecmik. Vorwiegend Das Zeit-
HF sind es die Wissenschaft und die Kunst, die Naiurkräfte unterihan zu machen, welche unserer Zeil die Signatur auf- alter des
drücken. Von der heutigen Gesellschaft wird nur zu leicht die Chatsache vergessen, dass ohne die durch kluge Menschen Dampfes
entdeckten und zur Arbeitsbille herangezogenen Naturkräfte wir uns noch heute irotz aller Staatsmänner, Feldberren und von
Priester in einem Zustande der äussersten Barbarei befinden würden. Besonders dem letzten gewaltigen Forischritte, der R. A. Ziese.
ijelizt vorliegenden Möglichkeit, an jeder Stelle beliebig grosse Kräfte zu jeder Zeit und in beliebiger Form zu erzeugen,
haben wir unser beutiges Kulturleben zu danken.
Der erste Kulturschritit war die Zäbmmung der Haustiere und ihre Beranziebung zur Arbeit, aber erst die Benulzung der sieis
irei vorhandenen Wind- und WWasserkräfte vollendete die erste Kuliurepoche. Mit ihrer Bilfe rang sich die Kivilisalion
allmählich aus dem Barbarentum los, und staunen muss man über die bedeniende höhe, welche sie mit den verhälinis
mässig primitiven Mitteln erreichte. Eine Menge früber verbrauchter Menschenkrälte wurde irei, und die Ansiedelung in
grösseren Gemeinwesen, in Städten, wurde ermöglicht. Freilich der Starke beherrschte damals bedingungsios den Schwachen,
die Sklaverei bestand in voller Kraft, und nur, indem die Interessen der einen Bällte der Menschheit denen der anderen Bälfie
rücksichtslos geopfert wurden, wurde diese letztere in den Stand gesetzt, ein verhälinismässig freies, intellektuelles Leben zu
führen. Das Gros der Bevölkerung lebte jedoch dabei in einem nach beuligen Begrifien überaus traurigen Zustande, —
In diesen Zustande wurde erst durdy die bahnbrechende Erfindung Walls, durch die Einführung der Dampimaschine eine
durchgreitende Aenderung geschaffen. Wie gewaltig diese Aenderung war, ist am besten daraus ersichtlich, dass wir heute,
kaum bundert Jahre nach dem Beginn dieser Epoche, nur schwer noch im stande sind, uns eine Vorstellung von einer
Fivilisation obne die Bilfe der Dampikraft zu machen. $o sehr sind wir Kinder unserer Zeit, und so sehr ist umsere
Phantasie gewohnt, sich in bekannten Bahnen zu bewegen, dass wir fast jeden logischen Gedankengang erschwerl finden,
wenn wir uns eine Lebensweise vorzustellen versuchen, aus welcher die Bilie der modernen Cechnik verbannt wäre, inleugbar
besteht die Chatsache, dass ein Verschwinden der Dampfmaschine aus unserer heutigen Eivilisationsperiode Unglück von
unabsehbarer Grösse über uns alle bringen würde. Die Zuluhr von Dahrung und Brennmaterial in den Mengen, wie jeizi
üblich, würde unmöglich werden, und ebe wir so weil unsere Lebensweise, Sitten ımd Gewohnbeilen gewechselt hätten, um
uns in dem veränderten Zustande zurecht zu finden, würde der grösste Ceil der Menschheit durch Bunger und Kälte zu
Grunde gegangen sein. Die Dampimaschine ist die grösste Menschenarbeit ersparende Vorrichtung, die jemals erlunden
worden ist; würde sie nicht existieren, so müsste die Bevölkerung eines jeden Landes ihre Bedürfnisse im grossen und
ganzen herabsetzen. Es müsste weniger für Kleidung, für Rahruna, für Luxus und Veranügungen verbraucht werden. Die
Armen würden ihre Tische noch leerer finden wie jetzi, und auch die Reichen würden sparsamer zu leben haben. Reichtum
ist jedoch keineswegs ein Produkt des Zeitalters des Dampfes, wie das ol angenommen wird.
Durch die Einführung der unzählige Menschenkräfte sparenden Dampfmaschine ist in dem Entwickelungsgange des Menschen-
qeschlechtes eine höhere Kulturstufe beireten worden. Ticht nur für Könige und Fürsten hat der Ingenieur gearbeitet, indem
er die Kraftleistungen der Maschinen schuf, sondern für die ganze Menschheit. Ja, der Gewinn stellt sich Für die unteren
Klassen verhältnismässig viel grösser und einschneidender als für die Reichen und Vornehmen. Der Eitekt der Dampimaschine
ist der gewesen, die Preise für so ziemlich alles auf der Erde zu ermässigen, ausgenommen für die Menschenarbeil, welche
im Gegenteil fortwährend im Werte steigt. Die rohe physische Muskelarbeil, welche früher Tausende von Sklaven
beschäfligte, damit einige wenige Vornehme und Reiche ein verhältnismässig freies Leben führen konnten, wird heule
von der Maschine geleistet, und zwar in einer Weise und in einer Fülle, welche es nicht nur einigen wenigen
Bevorzugten, sondemn einer von Tag zu Tag wachsenden Mehrheit gestaltet, sich ihr Leben nicht nur nach reiner Rol-
wendigkeit, sondern auch nach eigenem Behagen einzurichlen.
Es ist nicht so lange ber, dass jedes Stück Leinwand, jeder Faden Wolle im hause selbst durch Handarbeit gesponnen
und gewebt werden musste, neun Zehntel aller Frauen und Mädchen waren von früh bis spät am Spinnrocken und
Websiuhl Tesigebannt. Dem Ingenieur haben die Frauen es zu danken, dass heute ein Mädchen in der grossen Spinnerei-
{abrik die Arbeit von Zehntausenden ihrer Schwestern verrichtet. Tausende sind frei geworden, ihre Kräfte edleren Zielen
zu widmen, und wenn das beute noch nicht überall richtig verstanden wird, wenn die freie Zeit noch schlecht bemufzt
wird, so ist das nicht Schuld des Ingenieurs oder der Maschine, sondern nur ein Zeichen dafür, dass die Menschheit im
grossen und ganzen sich nur lanasanı entwickelt und dass in manchen Kreisen erst noch die geislige Reife erlangt werden
muss, die materiellen Erfolge auch weise zu benutzen.
Es kann gern zugestanden werden, dass wir uns noch heute in einem gewalligen Uebergangsstadium belinden und dass
die plötzliche Einführung der billigen mechanischen Arbeit im Gefolge manche Webelstände gezeitigt bat. Anmassung,
Faulbeit und Arroganz in den schnell reich gewordenen Klassen, Ausschreitung und Crunksucht in den niederen sind Zeichen
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