Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

                                                          —  862  —

In  Nordpolen  nördlich  der  Weichsel  blieb  die  Lage  unverändert,  südlich
der  Weichsel  schritten  unsere  Angriffe  am  Bzuraabschnitt  fort.  Auf  dem
rechten  Pilicaufer  südöstlich  Tomaszow  war  unsere  Offensive  von  Erfolg
begleitet.  Weiter  südlich  ist  die  Lage  unverändert.

                                                             Oberste  Heeresleitung.  (W.T.B.)

                                                              Berlin,  26.  Dezember  1914.

Am  25.  Dezember  vormittags  machten  leichte  englische  Streitkräfte
einen  Vorstoß  in  die  deutsche  Bucht.  Von  ihnen  mitgeführte  Wasserflugzeuge
  gingen  gegen  unsere  Flußmündungen  vor  und  warfen  hierbei  gegen
zu  Anker  liegende  Schiffe  und  einen  in  der  Nähe  von  Cuxhaven  befindlichen
Gasbehälter  Bomben  ab,  ohne  zu  treffen  und  Schaden  anzurichten.  Unter
Feuer  genommen,  zogen  sich  die  Flugzeuge  in  westlicher  Richtung  zurück.
Unsere  Luftschiffe  und  Flugzeuge  klärten  gegen  die  englischen  Streitkräfte
auf.  Hierbei  erzielten  sie  durch  Bombenwürfe  auf  zwei  englischen  Zerstörern
und  einem  Begleitdampfer  Treffer.  Auf  letzterem  wurde  Brandwirkung
beobachtet.  Aufkommendes  nebliges  Wetter  verhinderte  sonstige  Kämpfe.

                             Der  Stellvertretende  Chef  des  Mdmiralstabes:
                                                                              gez.  Behncke.  (W.T.  B.)

                         Zwei  russische  Minenleger  versenkt.
                                                       Konstantinopel,  27.  Dezember.

Amtlicher  Bericht  des  Hauptquartiers.  Die  amtlichen  russischen  Berichte
  aus  Sebastopol  teilen  mit,  daß  die  „Hamidie“  vor  Sebastopol
schwer  beschädigt  wurde,  daß  sie  zwar  Konstantinopel  noch  erreichen  konnte,
aber  für  lange  Zeit  außer  Gefecht  gesetzt  worden  sei.  Hier  ist.  die  Antwort
auf  diese  Lügen:

In  diesen  Tagen  fuhr  unsere  Flotte  mit  Einschluß  der  „Hamidie“  durch
das  Schwarze  Meer  und  kehrte  unbeschädigt  zurück.  Eines  unserer  Kriegsschiffe
  begegnete  am  24.  Dezember  einer  russischen  Flotte,  die  aus  17  Einheiten
  zusammengesetzt  war,  nämlich  5  Linienschiffen,  2  Kreuzern,  10  Torpedobooten
  und  3  Minenlegern,  d.  h.  ein  türkisches  Schiff  gegen  17  feindliche.
  Dieses  türkische  Schiff  griff  in  der  Nacht  diese  Flotte  an,  beschoß  mit
Erfolg  das  Linienschiff  „Restißlav“  und  versenkte  die  beiden  Minenleger
„Oleg"  und  „Athos“.  Zwei  Offiziere  und  dreißig  russische  Seesoldaten
wurden  gerettet  und  zu  Gefangenen  gemacht.  Zur  sewen  Zeit  beschoß  ein
anderer  Teil  unserer  Flotte  erfolgreich  Batum.  Am  Vormittage  des
25.  Dezember  wollten  zwei  von  unseren  Schiffen  die  oben  genannte  Flotte
zum  Kampfe  zwingen,  die  es  vorzog,  nach  Sebastopol  zu  fliehen.


                            Oesterreichischer  Kriegsbericht.
                                                                          Wien,  27.  Dezember.

            Amtlich  wird  verlautbart:  27.  Dezember  mittags:

Die  Lage  in  den  Karpathen  ist  unverändert.  Vor  der  zwischen  Rymanow
  und  Tuchow  angesetzten  Offensive  wurden  unsere  Kräfte  im  galizischen
Karpathenvorlande  etwas  zurückgenommen.  Feindliche  Angriffe  am
unteren  Dungajec  und  an  der  unteren  Nida  scheiterten.  Die  Kämpfe  in  der
Gegend  von  Tomaszow  dauern  fort.

Auf  dem  Balkankriegsschauplatze  hält  die  Ruhe  an.  Das  Territorium
der  Monarchie  ist  hier  mit  Ausnahme  ganz  unbedeutender  Grenzstrecken