Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

                                                     —  864  —

ausfuhren,  um  die  Besatzung  der  „Leipzig“  zu  retten,  schoß  die  „Leipzig“
noch  einmal.  Das  Geschoß  explodierte  auf  Deck  der  „Glasgow“.  Daraufhin
  feuerte  die  „Glasgow“  die  letzte  Breitseite  auf  die  „Leipzig“,  die  diese
zum  Sinken  brachte.  Die  britischen  Offiziere  bedauern,  daß  von  der
„Leipzig“,  offenbar  in  der  Hitze  des  Kampfes,  dieser  letzte  Schuß  abgegeben
wurde.  Sie  glauben,  daß  es  sich  um  einen  bedauerlichen  Zufall  handelte.
Die  übrigen  englischen  Schiffe  holten  die  „Nürnberg“  ein  und  forderten
sie  zur  Uebergabe  auf.  Da  sie  sich  weigerte,  wurde  sie  in  Grund  geschossen.
Ihr  Untergang  rettete  die  Schiffe  „Dresden“  und  „Prinz  Eitel  Friedrich“,
weil  die  englischen  Schiffe  die  Verfolgung  einstellten,  um  die  Ueberlebenden
  des  deutschen  Schiffes  aufzunehmen.  Nach  anderen  Berichten  aus  Montevideo
  wurde  der  Panzerkreuzer  „Inwincible“  zwanzigmal  von  Geschossen
getroffen,  ohne  daß  er  ernstlichen  Schaden  litt.  Nur  14  von  der  Besatzung
wurden  verwundet.

Als  die  „Gneisenau“  sank,  hatte  sie  die  ganze  Munition  verschossen,
wollte  jedoch  nichts  von  der  Uebergabe  wissen.  Beim  Untergange  salutierten
  viele  Offiziere;  ein  Teil  der  Besatzung  versammelte  sich  auf  dem
Achterdeck  und  sang  „Die  Wacht  am  Rhein“.  Eine  große  Anzahl,  darunter
auch  Offiziere,  wurden  nachher  gerettet.  Einige  starben  an  Bord  der  englischen
  Schiffe;  die  übrigen  werden  nach  England  gebracht.  Von  der
„Scharnhorst“  wurde  niemand  gerettet.


       Aufregender  Kampf  in  den  Lüsten  an  der  englischen  Küste.

                                                                              Rotterdam,  27.  Dezember.

Aus  London  wird  unter  dem  26.  Dezember  berichtet:  Dichter  Nebel
ermöglichte  einem  deutschen  Flugzeug  des  Albatrostyps,  unbemerkt  an
der  englischen  Küstenwacht  vorbeizukommen.  Erst  als  bei  Sheerneß  der
Nebel  stieg,  wurde  das  Flugzeug  entdeckt.  Offenbar  hatte  es  die  Absicht,
nach  London  zu  fliegen.  Bei  Erith  wurde  das  deutsche  Flugzeug  von
englischen  Fliegern  auf  seinem  Wege  nach  London  abgeschnitten  und  der
Themse  aufwärts  zurückgetrieben.  Der  Albatros  überflog  dann  Essex  seewärts.
  Augenzeugen  sahen,  wie  die  Granaten  von  Ballonabwehrkanonen
  manchmal  dicht  bei  dem  Albatros-Doppeldecker  platzten,  und  wie
die  Deutschen  mit  ihren  Verfolgern  Schüsse  wechselten.  Der  deutsche  Flugzeugführer
  lenkte  seine  Maschine  sehr  gewandt,  so  daß  das  mit  einer
Kanone  bewaffnete  englische  Flugzeug  nicht  schießen  konnte,  ohne  die
anderen  Engländer  zu  gefährden.  Nachdem  sich  zu  den  drei  Engländern
noch  eine  Anzahl  anderer  Flieger  gesellt  hatte,  schien  die  deutsche  Maschine
verloren.  Da  kam  der  rettende  Nebel,  und  der  Albatros  sauste  mitten
durch  die  Flotte  und  entkam.  Die  Engländer  flogen  nun  schleunigst  östlich,
um  den  Gegner  zwischen  Sheerneß  und  Southend  abzufangen.  Der  Versuch
mißlang  aber,  und  die  Verfolger  kehrten  bald  unverrichteter  Dinge  zurück.

                            Der  Generalstabsbericht.
                 Großes  Hauptquartier,  27.  Dezember  vorm.

                       Westlicher  Kriegsschauplatz.
In  Flandern  ereignete  sich  gestern  nichts  Wesentliches.  Englische
Schiffe  zeigten  sich  heute  morgen.