Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1900. (34)

320  Sechster  Abschn.:  Die  Landesverwaltg.  III,  2.  Wirtsch.  Verwaltg.  Einz.  Erwerbszweige.  §  110.

berechtigungen  sind  Verwaltungsrechtssachen.  Erste  Instanz  ist  die  Distriktsverwaltungsbehörde
  (Forstpolizeibehörde),  zweite  Instanz  die  Kreisregierung,  Kammer  des  Innern,
(Forstpolizeistelle),  dritte  Instanz  der  Verwaltungsgerichtshof ¹).  Bei  der  ersten  Instanz
entscheidet  eine  Kommission,  die  aus  dem  Vorstande  der  Forstpolizeibehörde  als  Vorsitzenden
  und  zwei  von  den  Distriktsräten  nach  der  Verordnung  vom  5.  Juli  1896  (G.-V.-Bl.
S.  319)  gewählten  Beisitzern  besteht  (Art.  110).

Hinsichtlich  des  forstwirtschaftlichen  Betriebes  stellt  das  Gesetz  (Art.  1)  den  Satz  an
die  Spitze,  daß  das  freie  Verfügungsrecht  des  Waldbesitzers  nur  vorbehaltlich  der  forstpolizeilichen
  Beschränkungen  besteht.

Die  Forstpolizei  wird  in  erster  Instanz  durch  die  Distriktsverwaltungsbehörden
(Forstpolizeibehörden),  in  zweiter  und  letzter  Instanz  durch  die  Kreisregierungen,  Kammern
des  Innern  (Forstpolizeistellen),  ausgeübt.

In  denjenigen  Fällen,  wo  die  Kreisregierungen  als  Forstpolizeistellen  in  erster  Instanz
  entscheiden,  geht  die  Bernfung  an  das  Staatsministerium  des  Innern  (Art.  109).

Die  oberste  Aufsicht  und  Leitung  der  Forstpolizei  wird  vom  Staatsministerium  des
Innern  unter  Mitwirkung  des  Finanzministeriums  geführt.

Den  Forstämtern  steht  die  Antragstellung  und  das  amtliche  Gutachten  bei  den  Forstpolizeibehörden
  zu  (Art.  114)  ²),  ohne  Unterschied,  ob  es  sich  hiebei  um  Staats=  oder  andere
  Waldungen  handelt.

Das  Forstpolizeirecht  bezieht  sich  auch  auf  die  Gemeinde-,  Stiftungs=  und
Körperschaftswaldungen ³)  und  auf  die  Privatwaldungen.

Die  Bewirtschastung  der  Gemeindewaldungen  (Art.  6  ff.)  steht  unter  der  Oberaufsicht
der  Staatsregierung,  welche  Oberaufsicht  zunächst  von  den  Forstämtern  ausgeübt  wird.

Die  Bewirtschaftung  muß  auf  Wirtschaftspläne  gestützt  sein,  welche  auf  Veranlassung
der  Verwaltungen  und  auf  Kosten  der  einschlägigen  Gemeinden  und  Stiftungen  durch
Sachverständige  anzufertigen,  und  bei  Waldungen  von  mehr  als  10  Hektar  Gesamtfläche
der  Genehmigung  der  Forstpolizeistelle,  bei  kleineren  der  Forstpolizeibehörde  zu  unterwerfen
  sind.

Diie  Wahl  der  Sachverständigen  geschieht  durch  die  Verwaltungen  und  unterliegt  der
Bestätigung  der  Forstpolizeibehörde.

Von  Wirtschaftsplänen  kann  nur  bei  denjenigen  Waldungen  Umgang  genommen
werden,  welche  einer  regelmäßigen  Bewirtschaftung  nicht  fähig  sind.  Die  Bestimmung
hierüber  steht  der  Forstpolizeistelle  (Forstpolizeibehörde  bei  kleineren  Flächen)           zu   ⁴).

Die  Privatwaldbesitzer  unterliegen  lediglich  den  Vorschriften  des  Forstpolizeirechtes.
  Außerdem  ist  (Art.  20)  zur  Verteilung  gemeinschaftlicher  Privatwaldungen
auf  gesondertes  Eigentum  mit  dem  Zwecke  der  fortzusetzenden  Forstbenützung  die  Zustimmung
  der  Forstpolizeistelle  erforderlich.  Diese  Zustimmung  darf  nicht  verweigert  werden,
wenn  die  einzelnen  Teile  auch  noch  nach  der  Verteilung  einer  regelmäßigen  Bewirtschaftung
  fähig  bleiben.

Die  forstpolizeilichen  Anordnungen  beziehen  sich  auf  die  Rodung  (Ausstockung)
  und  den  kahlen  Abtrieb,  welche  für  Schutzwaldungen  gänzlich  verboten  sind,  auf

—...—.

1)  Forstges.  Art.  109,  Ges.  vom  8.  August  1878  Art.  8  Ziff.  11  und  Art.  22  Abs.  IV
(Beschwerdefrist),  Art.  112  Abs.  3  des  Forstges.  gilt,  trotz  der  Neutextierung,  nicht  für  Verwaltungsrechtssachen.
  Auch  die  Vollzugsvorschriften  (§  18)  weisen  nicht  darauf  hin.  Ein  Uebersehen  der
Redaktoren!  Bl.  f.  adm.  Pr.  47  S.  48.

2)  Ueber  die  Hilfspersonen  der  Forstpolizei  s.  Art.  115.

3)  Ueber  letztere  s.  Art.  18  des  Forstges.  u.  Min.  Bek.  vom  12.  Mai  1897  (F.  M.  Bl.  S.  79).
Ueber  Waldgenossenschaften  vgl.  Art.  83  des  Einf.G.  z.  B.G.B.

4)  Ueber  die  Aufstellung  des  Forswerwaltungs=  und  Forstschunpersonals,  jenes  von  der
Forstpolizeistelle,  dieses  von  der  Forstpolizeibehörde  zu  bestätigen,  s.  Art.  8—  13.