Full text : Sachsen in großer Zeit. Band II. Die Kriegsjahre 1914 und 1915. (2)

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Düna  zu  übernehmen.  Am  12.  September  mußte  die  Division
  einem  neuen  Feind,  der  am  11.  September  die  6.  Kavalleriedivision
  angegriffen  und  zurückgedrückt  hatte,  über
Absche  in  den  Rücken  gehen.  Die  Division  kämpfte  sich  bis
zum  späten  Abend  bis  auf  Ahsche  vor  und  nächtigte  auf
dem  Gefechtofeld.  Währenddem  hatte  das  I.  Reservekorp#
den  abziehenden  Gegner  bis  Nakischki  verfolgt  und  setzte
am  13.  September  die  Bewegung  weiter  ostwärto  fort.  Die
2.  Kavalleriedivision  ging  währenddem  gegen  die  Brücke
von  Illuxt  vor,  die  78.  Reservedivision  gleichzeitig  über
Heih.  An  diese  schloß  dann  links  die  8.  Kavalleriediviion
  an.

Die  nächsten  Tage  schoben  sich  die  einzelnen  Verbände
der  Niemenarmee  noch  soweit  vor,  bis  sie  die  Abwehrstellungen
  erreichten,  in  denen  sie  dann  den  Winter  über
verharrten.

Um  die  Geschichte  der  8.  Kavalleriedivision  im  zweiten
Kriegsjahr  abzuschließen,  füge  ich  gleich  hier  an

Die  Winterwacht  der  sächsischen  Kavallerie  an  der
üna
(Skizze  50)

Der  Abschnitt  der  8.  Kavalleriedivision  war  ungefähr
35  Kilometer  breit.  Auf  dem  rechten  Flügel  reichte  er
bis  unmittelbar  an  die  Düna  heran  und  bot  auf  den  sandigen
  Uferhöhen  gute  Stellungen,  die  mit  der  ganzen  an
der  Rawka  erworbenen  Erfahrung  im  Stellungskriege  alsbald
  mit  vollstem  Eifer  auögebaut  wurden.  Etwa  4  Kilometer
  südlich  von  Liwenhof  bog  die  Stellung  der  Division
scharf  nach  Westen  aus,  um  das  große  Sumpfgebiet  zwischen
der  Düna  und  dem  kleinen  Sussei  als  Fronthindernis  ausnutzen
  zu  können.

Nach  rechts  grenzte  die  Division  an  die  4.  Kavalleriedivision
  an,  nach  linbs  an  die  109.  Infanteriedivision  (174.
Infanteriebrigade).  Der  8.  Kavalleriedivision  wurde  in  Anbetracht
  ihres  sehr  ausgedehnten  Abschnittes  am  20.  September
  noch  das  Grenadierregiment  2  überwiesen,  wodurch
der  anstrengende  Schützengrabendienst  der  Division  wesentlich
  erleichtert  wurde.  Die  Division  war  um  Verlaufe  der
Ereignisse  zu  einer  stattlichen  Macht  mit  großer  Widerstandofähigkeit
  angewachsen,  die  mit  aller  Zuversicht  die
Aufgabe  auf  sich  nahm,  hier  an  der  Düna  einen  undurchdringlichen
  Schutzwall  vor  dem  erhofften  deutschen  Neuland
Kurland  zu  bilden,  bei  dessen  Eroberung  die  Dioision  so
wacker  mitgeholfen  hatte.

Die  Division  umfaßte  im  Herbst  1914

23.  Kavalleriebrigade:  Gardereiterregiment  und  Ulanenregiment
  17,

38.  Kavalleriebrigade:  Jägerregiment  zu  Pferd  2  u.  6,

40.  Kavalleriebrigade:  Karabinierregiment  und  Ulanenregiment
  21  mit  zusammen  18  Maschinengewehren,

Reservejäger  3  mit  Maschinengewehrkompagnie  (12)
und  Radfahrerkompagnie  Jäger  1,

Maschinengewehrabteilung  8  (8  Gewehre),

Reitende  Abteilung  Feldartillerieregiments  12  mit  einer
Munitionskolonne,

Pionierabteilung  12  —  ½  Sanitätskompagnie  3.  VIII,

1  Proviant-,  1  Etappenfuhrpark-,  2  Magazinfuhrxarkkolonnen.


Jeitweise  außerdem  unterstellt:

Grenadierregiment  2  (3  Bataillone  mit  17  Maschinengewehren),

Armierungsbataillon  112,
Feldbatterien  Feldartillerieregiments  227,
4.  Landwehr-Fußartillerie  28,
Fußartilleriebatterie  624  (russische  15  cm),

d  —

3  russische  s,7-em-Sturmabwehrkanonen,

6.  Landsturm-Pionierkompagnie  III,

1  Feldlazarett,

4.  Landsturm-Fußartillerie  XVII  (russische  10  cm)  mit
Munitionskolonne,

1.  Fußartillerie  und  Schallmeßtrupp  42.

An  der  dritten  Verteidigungsstellung  arbeiteten  außerdem
  Reserveregiment  39  (drei  Bataillone  mit  14  Maschinengewehren)
  und  die  4.  Pionierkompagnie  2.  In  diesem  zweiten
  Kriegowinter  machte  besonders  die  Pflege  der  Pferde,
welche  bei  dem  herrschenden  Futtermangel  allerlei  Erkrankungen
  ausgesetzt  waren,  viel  Sorge  und  Arbeit.  Dazu
kamen  die  riesigen  Entfernungen  und  die  schlechten  Wege.
Letztere  mußten  zum  großen  Teil  unter  Heranziehung  der
zahlreichen  russischen  Gefangenen  ganz  neu  angelegt  werden.
  Die  Russen  schüttelten  wohl  den  Kopf  über  diese
ihnen  völlig  unverständliche  Arbeit,  welche  sich  die  Deutschen
  hier  im  fremden  Lande  machten,  aber  bestaunten
schließflich  doch  die  sorgfältig  mit  Querholz  belegten  Straßendecken,
  über  die  sich  sogar  während  der  Schneeschmelze
der  Verkehr  tadellos  aufrechterhalten  ließ.  Im  übrigen
fühlten  sich  die  russischen  Gefangenen  offenbar  viel  wohler
hinter  der  deutschen  Stellung  als  ihre  Landsleute,  welche
drüben  in  den  tiefgelegenen  russischen  Stellungen  entsetzlich
  unter  dem  Wasser  litten.

Gefangenenentweichungen  kamen  nur  ganz  selten  vor,
obwohl  die  Nähe  der  feindlichen  Front  und  das  Gelände
Versuche  dazu  geradezu  herausforderten.

Im  allgemeinen  ging  der  zweite  Kriegswinter  Dank  der
Erfahrungen,  die  man  zur  Bekämpfung  seiner  Unbilden  in
Polen  gesammelt  hatte,  sehr  viel  besser  als  der  erste  vorüber.
  Bis  dicht  an  die  Schützengräben  heran  waren  rechtzeitig
  Förderbahnen  hergestellt  worden,  die  allen  Heeresbedarf
  rechtzeitig  und  ausgiebig  heranführten,  und  fast  von
jedem  Divisions=  und  Korpsbezirke  aus  war  auf  geringe
Entferming  eine  Vollbahn  zu  erreichen,  auf  welcher  tägliche
Schnellzüge  die  Mannschaften  in  regelmäßigen  Zwischenräumen
  auf  Heimaturlaub  beförderten.  Erfrischungs=  und
Erholungsheime  für  die  Mannschaften  entstanden  allenthalben
  unter  der  Leitung  aufopfernder  Frauen  und  Jungfrauen
  aller  Stände.  Peinlichste  Fürsorge  für  den  Gesundheitszustand
  hielt  alle  Seuchen  von  den  deutschen  Truppen
in  ihren  Abwehrstellungen  fern.  Ein  herzliches,  verständnisvolles
  Zusammenleben  von  Vorgesetzten  und  Untergebenen,
  echt  deutsche  Kameradschaft  in  vollster  Veredlung,
wie  sie  das  gemeinsame  Auchalten  in  Kampf  und  Not
geschaffen  hatte,  half  über  alle  Mühsale  des  russischen  Winters
  weg.  Ich  erinnere  mich  von  meiner  Aufenthaltszeit
bei  der  8.  Kavalleriedivision  her,  wie  Ende  März  1916,  als
noch  der  Schnee  Kurlands  Felder  deckte,  die  Leute  ganz
erstaunt  waren,  wie  schnell  der  Winter  vorübergegangen
sei.  Jedenfalls  hatte  der  seit  100  Jahren  als  Schreckgespenst
  geltende  russische  Winter  gegenüber  der  deutschen
Heeresorganisation  kläglich  als  Abwehrmittel  versagt.  Ungebrochen
  wiesen  die  Deutschen  die  Mitte  März  1916  erneuten
  Anstürme  der  Russen  zurück,  als  diese  der  Hilfeschrei
  der  Westmächte  und  die  Schneeschmelze,  welche  die
tiefgelegenen  russischen  Schanzgräben  zu  ersäufen  drohte,
gegen  die  deutschen  Stellungen  vorzeitig  und  zwecklos  vortrieb.
  Die  große  Frühjahrsoffensive  der  Russen  Mitte
März  und  ihre  schwächliche  Wiederholung  Mitte  April  verpufften
  sinnlos,  als  die  Schneeschmelze  das  ganze  Land
in  einen  unpassierbaren  Sumpf  verwandelt  hatte.  Sie  erstickte
  schließlich,  wie  der  deutsche  Heeresbericht  kurz  und
bündig  meldete,  „in  Blut  und  Sumpf“.  Die  kaum
zusammengearbeiteten  Neuschöpfungen  des  russischen  Feldheeres
  verloren  dabei  den  letzten  Rest  von  Selbstvertrauen
  und  Vertrauen  auf  ihre  Führer.  Die  stürmische
Begeisterung  der  ersten  Kriegszeit  und  der  künstlich  erregte