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Düna zu übernehmen. Am 12. September mußte die Division
einem neuen Feind, der am 11. September die 6. Kavalleriedivision
angegriffen und zurückgedrückt hatte, über
Absche in den Rücken gehen. Die Division kämpfte sich bis
zum späten Abend bis auf Ahsche vor und nächtigte auf
dem Gefechtofeld. Währenddem hatte das I. Reservekorp#
den abziehenden Gegner bis Nakischki verfolgt und setzte
am 13. September die Bewegung weiter ostwärto fort. Die
2. Kavalleriedivision ging währenddem gegen die Brücke
von Illuxt vor, die 78. Reservedivision gleichzeitig über
Heih. An diese schloß dann links die 8. Kavalleriediviion
an.
Die nächsten Tage schoben sich die einzelnen Verbände
der Niemenarmee noch soweit vor, bis sie die Abwehrstellungen
erreichten, in denen sie dann den Winter über
verharrten.
Um die Geschichte der 8. Kavalleriedivision im zweiten
Kriegsjahr abzuschließen, füge ich gleich hier an
Die Winterwacht der sächsischen Kavallerie an der
üna
(Skizze 50)
Der Abschnitt der 8. Kavalleriedivision war ungefähr
35 Kilometer breit. Auf dem rechten Flügel reichte er
bis unmittelbar an die Düna heran und bot auf den sandigen
Uferhöhen gute Stellungen, die mit der ganzen an
der Rawka erworbenen Erfahrung im Stellungskriege alsbald
mit vollstem Eifer auögebaut wurden. Etwa 4 Kilometer
südlich von Liwenhof bog die Stellung der Division
scharf nach Westen aus, um das große Sumpfgebiet zwischen
der Düna und dem kleinen Sussei als Fronthindernis ausnutzen
zu können.
Nach rechts grenzte die Division an die 4. Kavalleriedivision
an, nach linbs an die 109. Infanteriedivision (174.
Infanteriebrigade). Der 8. Kavalleriedivision wurde in Anbetracht
ihres sehr ausgedehnten Abschnittes am 20. September
noch das Grenadierregiment 2 überwiesen, wodurch
der anstrengende Schützengrabendienst der Division wesentlich
erleichtert wurde. Die Division war um Verlaufe der
Ereignisse zu einer stattlichen Macht mit großer Widerstandofähigkeit
angewachsen, die mit aller Zuversicht die
Aufgabe auf sich nahm, hier an der Düna einen undurchdringlichen
Schutzwall vor dem erhofften deutschen Neuland
Kurland zu bilden, bei dessen Eroberung die Dioision so
wacker mitgeholfen hatte.
Die Division umfaßte im Herbst 1914
23. Kavalleriebrigade: Gardereiterregiment und Ulanenregiment
17,
38. Kavalleriebrigade: Jägerregiment zu Pferd 2 u. 6,
40. Kavalleriebrigade: Karabinierregiment und Ulanenregiment
21 mit zusammen 18 Maschinengewehren,
Reservejäger 3 mit Maschinengewehrkompagnie (12)
und Radfahrerkompagnie Jäger 1,
Maschinengewehrabteilung 8 (8 Gewehre),
Reitende Abteilung Feldartillerieregiments 12 mit einer
Munitionskolonne,
Pionierabteilung 12 — ½ Sanitätskompagnie 3. VIII,
1 Proviant-, 1 Etappenfuhrpark-, 2 Magazinfuhrxarkkolonnen.
Jeitweise außerdem unterstellt:
Grenadierregiment 2 (3 Bataillone mit 17 Maschinengewehren),
Armierungsbataillon 112,
Feldbatterien Feldartillerieregiments 227,
4. Landwehr-Fußartillerie 28,
Fußartilleriebatterie 624 (russische 15 cm),
d —
3 russische s,7-em-Sturmabwehrkanonen,
6. Landsturm-Pionierkompagnie III,
1 Feldlazarett,
4. Landsturm-Fußartillerie XVII (russische 10 cm) mit
Munitionskolonne,
1. Fußartillerie und Schallmeßtrupp 42.
An der dritten Verteidigungsstellung arbeiteten außerdem
Reserveregiment 39 (drei Bataillone mit 14 Maschinengewehren)
und die 4. Pionierkompagnie 2. In diesem zweiten
Kriegowinter machte besonders die Pflege der Pferde,
welche bei dem herrschenden Futtermangel allerlei Erkrankungen
ausgesetzt waren, viel Sorge und Arbeit. Dazu
kamen die riesigen Entfernungen und die schlechten Wege.
Letztere mußten zum großen Teil unter Heranziehung der
zahlreichen russischen Gefangenen ganz neu angelegt werden.
Die Russen schüttelten wohl den Kopf über diese
ihnen völlig unverständliche Arbeit, welche sich die Deutschen
hier im fremden Lande machten, aber bestaunten
schließflich doch die sorgfältig mit Querholz belegten Straßendecken,
über die sich sogar während der Schneeschmelze
der Verkehr tadellos aufrechterhalten ließ. Im übrigen
fühlten sich die russischen Gefangenen offenbar viel wohler
hinter der deutschen Stellung als ihre Landsleute, welche
drüben in den tiefgelegenen russischen Stellungen entsetzlich
unter dem Wasser litten.
Gefangenenentweichungen kamen nur ganz selten vor,
obwohl die Nähe der feindlichen Front und das Gelände
Versuche dazu geradezu herausforderten.
Im allgemeinen ging der zweite Kriegswinter Dank der
Erfahrungen, die man zur Bekämpfung seiner Unbilden in
Polen gesammelt hatte, sehr viel besser als der erste vorüber.
Bis dicht an die Schützengräben heran waren rechtzeitig
Förderbahnen hergestellt worden, die allen Heeresbedarf
rechtzeitig und ausgiebig heranführten, und fast von
jedem Divisions= und Korpsbezirke aus war auf geringe
Entferming eine Vollbahn zu erreichen, auf welcher tägliche
Schnellzüge die Mannschaften in regelmäßigen Zwischenräumen
auf Heimaturlaub beförderten. Erfrischungs= und
Erholungsheime für die Mannschaften entstanden allenthalben
unter der Leitung aufopfernder Frauen und Jungfrauen
aller Stände. Peinlichste Fürsorge für den Gesundheitszustand
hielt alle Seuchen von den deutschen Truppen
in ihren Abwehrstellungen fern. Ein herzliches, verständnisvolles
Zusammenleben von Vorgesetzten und Untergebenen,
echt deutsche Kameradschaft in vollster Veredlung,
wie sie das gemeinsame Auchalten in Kampf und Not
geschaffen hatte, half über alle Mühsale des russischen Winters
weg. Ich erinnere mich von meiner Aufenthaltszeit
bei der 8. Kavalleriedivision her, wie Ende März 1916, als
noch der Schnee Kurlands Felder deckte, die Leute ganz
erstaunt waren, wie schnell der Winter vorübergegangen
sei. Jedenfalls hatte der seit 100 Jahren als Schreckgespenst
geltende russische Winter gegenüber der deutschen
Heeresorganisation kläglich als Abwehrmittel versagt. Ungebrochen
wiesen die Deutschen die Mitte März 1916 erneuten
Anstürme der Russen zurück, als diese der Hilfeschrei
der Westmächte und die Schneeschmelze, welche die
tiefgelegenen russischen Schanzgräben zu ersäufen drohte,
gegen die deutschen Stellungen vorzeitig und zwecklos vortrieb.
Die große Frühjahrsoffensive der Russen Mitte
März und ihre schwächliche Wiederholung Mitte April verpufften
sinnlos, als die Schneeschmelze das ganze Land
in einen unpassierbaren Sumpf verwandelt hatte. Sie erstickte
schließlich, wie der deutsche Heeresbericht kurz und
bündig meldete, „in Blut und Sumpf“. Die kaum
zusammengearbeiteten Neuschöpfungen des russischen Feldheeres
verloren dabei den letzten Rest von Selbstvertrauen
und Vertrauen auf ihre Führer. Die stürmische
Begeisterung der ersten Kriegszeit und der künstlich erregte