Full text : Der Mündliche Vortrag. Erster Teil. Die reine und deutliche Aussprache des Hochdeutschen. (1)

Die  Gaumenlauter.  41

Im  Anlaut  von  Wörtern  kommt  die  harthauchende  Aussprache
  des  g  und  ch  nicht  vor7).

Das  g  ist  gelind  anschlagend,  das  ch  scharf  harthauchend.
Beide  müssen  sorgfältig  unterschieden  werden.  Vor  g  ist  der
Vokal  meist  gedehnt,  vorch  meist  geschärft.

Ubung.  —  Lagen,  lachen  focht,  Vogt|  nagen,  Nachen  ]  Buch,
Bug  schlagt,  Schlacht|  tauchen,  taugen  "  tragt,  Tracht]  Loch,  log
Magen,  machen  Fluch,  Flug  Tag,  Dach]  Rochen,  Rogen  Schwager,
schwacher  ]  Frucht,  frugt  wagen,  wachen!  Wochen,  wogen  Wage,
Wache  Schlucht,  schlugt!  Kragen,  krachen  pochen,  bogen  sagen.
Sachen!  Hauche,  Auge  Jagd,  Jacht|  Rachen,  ragen]  wogt,  Docht
Drachen,  tragen  truglos,  ruchlos  Lache,  Lage  s  wogte,  mochte  /machst,
magst  trugst,  fluchst  Macht,  Magd  befugt,  verrucht  bedacht,  betagt
  saugen,  stauchen]  Fracht,  fragt  laugen,  rauchen  Nacht,  nagt!
Lug,  Buch  ]  Verdacht,  vertagt!  Krug,  Buch]  Tuch,  trug  wacht,
wagt  ]  Flucht,  frugt]  sagt,  sacht)  Buche,  Fuge  stachen,  schlagen
Hagel,  Kachel)]  Stachel,  Nagel  fragst,  brachst  stachst,  magst.

8  70.  Anschlagend  lauten  g,  ch  und  k.  Die  Zunge  legt
sich  mit  der  Mitte  an  den  Gaumen;  statt  aber  den  Atem  durchhauchen
  zu  lassen,  wie  bei  der  weichhauchenden  Aussprache,  wird
er  abgebrochen  oder  abgestoßen.  Gelind  anschlagend  lautet  #
im  Anlaut  eines  Wortes  oder  einer  Silbe,  wenn  ein  mit  g  anfangendes
  Wort  durch  Zusammensetzung  in  die  Mitte  eines
Wortes  kommt,  z.  B.  vergehen.  Scharf  anschlagend  lautet  k
im  Anlaut  und  Auslaut.  Anschlagend,  die  Mitte  haltend  zwischen
dem  gelinden  g  und  dem  scharfen  k  lautet  ch,  wenn  ein  s  darauf
folgt.  Z.  B.  Dachs,  wachsen,  sechs,  Füchsen,  wichsen,
Ochs,  Luchs,  Deichsel.  In  diesen  Wörtern  behält  das  ch  den
anschlagenden  Laut  in  allen  Beugungen.  Kommt  in  anderen
Wörtern,  die  in  der  Urform  kein  hinter  dem  ch  haben,  durch
Beugung  ein  solches  vor,  so  behält  das  ch  seinen  hauchenden
Laut.  Z.  B.  reichst,  rauchst,  lachst.  So  unterscheidet  sich
wichst  von  wichsen  durch  seinen  anschlagenden  Laut  von  wichst,
der  zweiten  Person  imperfecti  von  weichen.

Das  anschlagende  ch  wird  durch  das  nachfolgende  s  von
selbst  etwas  weicher  als  das  scharfe  k.  Die  anschlagenden  Laute
g,  ch  und  k  gehören  zu  den  stummen  Buchstaben  und  können
nicht  forttönen.  Sorgfältig  zu  unterscheiden  ist  das  gelinde  g
von  dem  scharfen  k.

*)  Wohl  im  Holländischen  und  Vlämischen,  auch  in  einigen  westfälischen
Mundarten.