Die Gammenlauter. 39.
§ 67. Das weichhauchende j ist ganz gelind. Es ist eigentlich
der zu einem Konsonanten verkörperte Vokal i. Wollte man
ietzt, iagt in einer Silbe aussprechen, so würde es wie jetzt,
jagt klingen. Die alte Schreibart kannte daher auch keinen
Unterschied zwischen i und j. der erst in neuerer Zeit gemacht
wird. Man nennt das j deshalb auch einen Halbvokal, ebenso
wie das w. Der gelinde Weichhauch des j ist sehr leicht auszusprechen,
da es nur im Anlaut und nur vor einem Vokal vorkommt.
Er bildet sich, indem der mittlere Teil der Zunge sich
sanft gegen den Gaumen legt und den Atem durchhaucht.
Ubung. — Ja, Jagd, Jacht, Jacke, Jäger, jäh, Jahr, Jammer,
jeder, jene, jetzt, Joch, Jubel, jung, Jugend, Jungen, Jungfrau, Jüngling,
Junker, jämmerlich, jemand, jauchzen, jenseits, Jolle, jugendlich; aufjauchzen,
fortjagen, Spätjahr, ausjubeln.
§ 68. Weichhauchend sind auchch und g. Sie bilden
sich wie das j nur durch einen stärkern Druck der Zunge gegen
den Gaumen und einen stärkern Hauch. Das scharfe weichhauchendech
klingt leicht an sch an, wenn man die Zunge zu
weit vorn an den Gaumen bringt, so daß „brechen“" fast wie
„Breschen“ lautet. Das muß beachtet werden. Dasch kommt
im Anlaut von Wörtern nicht vor, sondern nur im Auslaut und
in Konsonantenverbindungen. Z. B. reich, leicht. Es hat den
weichhauchenden Laut durchweg, wenn der vorhergehende Vokal
e, 5, ä, i, ü, ei, en oder än ist, oder die Konsonanten I undr
vorhergehen. Wenn durch Beugung Formsilben entstehen, so
wird das ch anlautend nach gedehnten Vokalen (reichen) und
es behält auch dann seinen weichhauchenden Laut.
Das g hat diesen Laut nur selten. Als Grundregel seiner
Aussprache gilt: das g lautet immer gelind anschlagend (also
dem k verwandt, Gold, Glätte); weichhauchend ist das g nur
im Auslaut, wenn der vorhergehende Vokal ein ist (wie in
König, wenig")). Auch die vorhergehenden Vokale e, o, a, ü,
ei, en, ai oder die Konsonanten l undr ändern diese Regel nicht.
Steht das g in der Mitte der Wörter, so geht ihm meist
ein gedehnter Vokal, ein I oder ein r voraus. In diesen
Fällen lautet das g die folgende (meist eine Formsilbe) an,
z. B.bar-gen, fol-gen, Sär-gen. Dann ist der Laut ebenfalls
*) Die Mundarten sind in der Aussprache des g sehr geteilt. Viele
norddeutsche sprechen das g anlautend und auslautend mit weichem Hauche
(Gott, Gold beinahe wie Jott, Jold); viele oberdeutsche sprechen ebenso
das g durchweg anschlagend (König, Sieg ähnlich wie Könik, Siek).