Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Erster Jahrgang. 1860. (1)

104  November.

5.  Nov.  20,000  Mann  kgl.  neapolitanischer  Truppen  mit  36  Kanonen
  und  4500  Mann  Reiterei  treten  auf  römisches  Gebiet  über.
Dieselben  werden  in  Velletri  von  dem  französischen  Commandanten  entwaffnet
  und  in  die  verschiedenen  Ortschaften  vertheilt.

4.—5.  Nov.  Die  römischen  Marken  und  Umbrien  stimmen  über

ihren  Anschluß  an  Sardinien  ab.

4.—5.  Nov.  In  der  von  französischen  Truppen  und  päbstlichen  Gendarmen
  wieder  besetzten  Stadt  Viterbo  wird  Angesichts  der  französischen
  Besatzung  über  den  Anschluß  an  Sardinien  abgestimmt,  ohne  daß
es  die  päbstlichen  Gendarmen  zu  hindern  vermögen.

4.  Die  päbstliche  Regierung  protestirt  gegen  die  Abstimmung
in  den  Marken  und  Umbrien  und  gegen  das  Princip  des  allgemeinen
  Stimmrechts  überhaupt.

Note  des  Kardinals  Antonelli:  „  .Die  piemontesische
Regierung  treibt  jetzt  die  Beraubung  der  päbstlichen  Souveränität  mittelst
  eines  schmachvollen,  schon  in  den  früher  usurpirten  Gebietstheilen
zur  Anwendung  gebrachten  Mißbrauchs  auf  die  Spitze,  indem  sie
nämlich  die  sogenannte  allgemeine  Abstimmung  ausbeutet
und  dergestalt  ein  rechtsgültiges  Element  zu  schaffen  gedenkt,  mit  welchem
  sie  fremden  Rechten  zum  Trotz  ihre  angemaßte  Gebietsausdehnung
legitimiren  will..  .  AUebrigens  handelt  es  sich  hier  nicht  um  Bemerkungen
  und  Nachweise  über  die  Modalitäten  der  trügerischen  Abstimmung,
  sondern  um  lautes  Rügen  und  Verwerfen  eines  solchen
Mißbrauchs  und  einer  solchen  Unordnung,  auf  welchem  Wege  man  ein
vorzugsweise  revolutionäres  und  die  Gerechtsame  des  rechtmäßigen
  Souveräns  vernichtendes  Princip  einzuführen  sucht.  —  Wie
immer  auch  in  dieser  Hinsicht  die  Ansichten  einer  Regierung  beschaffen
sein  mögen,  die  ein  Bündniß  mit  der  Revolution  abgeschlossen  hat  und
ihr  als  Förderer  und  Führer  (condottiere)  dient,  so  geht  doch  für  das
Princip,  das  man  festzustellen  beabsichtigt,  die  unbedingteste
Verurtheilung  hervor  aus  den  unveränderlichen  Gesetzen  der  Gerechtigkeit,
  den  Grundlehren  des  Völkerrechts  u.  s.  f.  In  der  That
wenn  ein  so  seltsames  Princip  aufgestellt  würde,  welche  Souveränität,
  wie  stark  sie  auch  immer  durch  ihr  gutes  Recht  und  ihren  langen
Bestand  sein  möge,  wäre  wohl  je  vor  der  Gefahr  gesichert,  in  jedem
Augenblick  nach  Willkür  erschüttert  und  gestürzt  zu  werden?  —  Welcher
verderblichen  Unsicherheit  würden  die  Regierungen  beständig  und  mit
ihnen  die  ganze  bürgerliche  Gesellschaft  unter  der  Einwirkung  eines
Princips  ausgesetzt  sein,  das  seiner  Natur  noch  so  fruchtbar  ist  an
Agitationen,  Wirren  und  Unordnungen,  die  geeignet  sind,  den  allgemeinen
  Umsturz  in  ihrem  Gefolge  herbeizuführen)

6.  Ankunft  der  Königin  Marie  Christine  von  Spanien  in  Rom.

6.  Lincoln  wird  (vom  4.  März  1861  an)  Präsident  der  vereinigten
  Staaten  von  Amerika.  Sieg  der  republikanischen
Partei  und  der  nördlichen  Antiselavereistaaten;  Niederlage  der  bisher
  herrschenden  demokratischen  Partei  und  der  südlichen  Sclavenstaaten.
  Große  Aufregung  im  Süden.  Trennungsgelüste  einiger
Scelavenstaaten.

7.  Der  König  Viktor  Emanuel  hält  seinen  feierlichen  Einzug  in
Neapel,  zu  seiner  Linken  den  General  Garibaldi.  Der  König