Object: der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

— 707 — 
gelangt seien und Granaten in den englischen Hafen hineingeworfen 
hätten, beweise, daß der Schutz durch die englischen Minenfelder etwas 
illusorisch geworden sei. 
Den Weg, den die deutschen Schiffe gegangen seien, wolle England 
in Fürsorge für die Neutralen auch deren Schiffe gehen lassen, die 
Gefahr liefen, von deutschen Granaten getroffen zu werden. Als die 
russische Flotte 1904 vor der Doggerbank auf englische Fischdampfer ge- 
schossen hatte, schnaubte die englische Presse und das Volk vor Wut, 
und die russische Flotte mußte sich die Schmach gefallen lassen, von der 
englischen über den Atlantischen Ozean zwangsweise begleitet zu werden. 
Wenn man jetzt annehmen wollte, daß England, welches sich nach amt- 
lichen Angaben ausschließlich zum Schutze der Rechte eines kleinen neu- 
tralen Landes in den Krieg gestürzt habe, Rostdschestwenskys Rolle in 
der Nordsee spielen wolle, so würde dies bedeuten, daß England allen 
Respekt vor seinen eigenen stolzen Erinnerungen verloren hätte; da 
England nunmehr auch den Pentland-Firth und den Minch-Kanal als 
geschlossen erklärt habe, sei faktisch das neutrale Skandinavien von Eng- 
land vollkommen blockiert. Hätte Skandinavien fünfzig Unterseeboote, 
so wäre dieser Völkerrechtsbruch vielleicht nicht passiert. 
In seiner Abendnummer fährt „Morgenbladet“ fort, es sei erfreulich, 
daß die Gesandten der drei skandinavischen Königreiche gemeinsam in 
London Protest eingelegt hätten. Am 5. NRovember habe die Sperre in 
Kraft treten sollen, aber die neutralen Länder hätten noch keine näheren 
Instruktionen erhalten. Vieles deute darauf hin, daß die englische Be- 
kanntmachung übereilt sei. Die öffentliche Meinung in Norwegen, 
Schweden und Dänemark werde sich durch das gestrige Telegramm des 
„Daily-Telegraph“-Korrespondenten in Neuyork nicht irreführen lassen, 
der behaupte, daß England von Nordamerika keine Proteste zu erwarten 
habe, ausgenommen von denjenigen Exporteuren, die erzürnt seien, weil 
ihr ungesetzlicher Handel mit Deutschland fortan unterbunden würde. 
Dies Telegramm beweise, daß die Presse dieses kriegführenden Landes 
sich nicht länger an die objektive Wahrheit halte. Es sei sogar gesetzlich 
erlaubt, Kriegsbedürfnisse zu liefern, solange die Regierung des be- 
treffenden Landes es gestatte. Vielleicht halte das englische Blatt jeden 
Handel mit Deutschland für ungesetzlich, was wohl auch die Auffassung 
sei, von der die Proklamation der englischen Admiralität ausgehe. Weil 
Norwegen bis zum äußersten neutral sei, habe die hiesige Presse das 
Telegramm des „Daily-Telegraph“ ausfgenommen. Für Norwegen sei der 
Handel mit Deutschland ebenso natürlich und erwünscht wie der mit 
England. Falls die britische Regierung offiziell den Handel der Neu- 
tralen mit Deutschland für ungesetzlich ansehe, werde die strenge Neu- 
tralität der nordischen Länder ihre Folgerung daraus ziehen und ein 
Ausfuhrverbot auf Holzmasse, Papier und Cellulose erlassen. Es sei 
zweifelhaft, ob „Daily-Telegraph“ dann noch einem größeren Leserkreise 
seine Ansichten über gesetzlichen und ungesetzlichen Handel werde mit- 
teilen können. Unter immer größer werdenden Lasten habe Norwegen 
die Neutralität eingehalten; es beweise damit, daß ihm an der Neu- 
tralität viel gelegen sei. Norwegen lasse sich nicht ohne energischen 
Widerstand von dem geraden Weg seiner Neutralität abbringen. Es 
wolle nicht blind in eine Gefahr hineinsteuern; so wünscht das Blatt den
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.