Beusts Anregungen wegen Reform des Bundes. 237
und unberufenen Ratschlägen und Plänen Anlaß geben, wenn man den angeblichen Be=
strebungen auf dem ungewöhnlichen Wege einer Proklamation von seiten des Bundes ent=
gegentritt.
Um darzutun, daß Preußen auf die Ideen des Herrn von Beust nicht eingehen darf,
könnte ich nur die in E. E. Reskript bereits enthaltenen Gründe reproduzieren. Dieselben
sind konkludent und erschöpfend, und ich habe in obigem nur ausführen wollen, daß Herr
von Beust, wenn er wirklich meint, den Bund mit seinen Vorschlägen zu Ansehen zu
bringen, ihn volkstümlich und beliebt zu machen, sein Ziel verfehlt. Sein System könnte
höchstens den Bestrebungen Vorschub leisten, Preußen, unter dem Vorwande der Förde=
rung föderativer Interessen und einheitlicher Gestaltung Deutschlands, von der Basis seiner
eigentümlichen Entwicklung ab und mit der Mehrheit der übrigen deutschen Staaten
unter Österreichs bundespolizeilicher Leitung entweder ganz in die Bahnen des Kaiserstaates
zu ziehen, oder uns den schwierigsten Konflikten zwischen der Stellung zu dem eignen Lande
und derjenigen zum Bunde auszusetzen. Es ist auch schwer zu sagen, inwieweit die öster=
reichische, vom Graf Redern mitgeteilte Auslassung eine aufrichtige, und ob dieselbe ganz
wider den Willen Österreichs in die Hände des Grafen Redern gelangt ist. Ich finde nichts
in ihr, was der Vermutung entgegenstände, daß das Schreiben an den Fürsten Metter=
nich eine ostensible Instruktion wäre, uns in glaubwürdigster Weise zu überzeugen, daß
nicht Österreich, sondern Deutschland die Sache betreibt, und Österreich sie sich im Interesse
Deutschlands gefallen lassen würde, wenn Preußen dem letzteren nicht wiederum im Wege
stände.
Wie dem auch sei, zu einem wirklichen Resultat im Sinne der Beustschen Anregungen
wird der Bund ohne Preußens aufrichtige Beihülfe niemals gelangen, und m. g. D. können
wir ohne irgendwelche Gefahr Herrn von Beust eingehend antworten und ihn dadurch viel=
leicht induzieren, daß er mit seinen monströsen Plänen mehr in die Öffentlichkeit tritt.
Meines unmaßg. Dafürhaltens könnte man in diesem Sinne die Antwort ungefähr so
einrichten, daß eine lobende Anerkennung der einsichtigen und wohlerwogenen Vorschläge
des Herrn von Beust, ähnlich wie die des Grafen Buol vom 13. Juni, vorausgeschickt
würde, und daß man demnächst auf die Klippen aufmerksam macht, welche vermieden
werden müssen, wenn der gewünschte Erfolg erreicht werden soll. Dabei würde ich etwa
folgenden Ideengang g. vorschlagen: „Besondere Ministerkonferenzen würden ungewöhn=
liche Erwartungen bei einigen, bei den meisten aber Befürchtungen erregen; jede Analogie
wäre möglichst fernzuhalten, durch welche die Erinnerung an frühere lediglich auf Be=
schränkung der Presse und der ständischen Rechte gerichtete Ministerial=Konferenzen ge=
weckt und die Eindrücke erneuert würden, unter welchen der Bund noch heute in der
öffentlichen Meinung Deutschlands zu leiden hätte. Wenn man dem Bunde vermehrtes
Ansehen verschaffen wolle, so müsse ihm vor allem die Initiative in wichtigen Verhand=
lungen über seine eigne Verfassung nicht verkümmert werden, damit er nicht lediglich als
ein totes Instrument erscheine. Allerdings müßte der Verhandlung am Bunde eine Ver=
ständigung zwischen den Bundesregierungen vorhergehen; die hauptsächlichste Schwierig=
keit werde in den eigentümlichen und von der Lage der übrigen Bundesstaaten wesentlich
abweichenden Verhältnissen der österreichischen Monarchie liegen. Die Zusammensetzung
der Bevölkerung des Kaiserstaates mache es für denselben schwieriger, wie für die übrigen
Bundesstaaten, ohne Beeinträchtigung der nötigen Einheit der Monarchie, den zum Deut=
schen Bunde gehörigen Landesteilen auf dem Gebiete des Artikels XIII der Bundesakte
Einrichtungen zu gewähren, welche den in den übrigen Bundesstaaten bestehenden hin=