Full text : Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

Eine  verlegene  Szene.  „Das  kleine  Buch  des  Herrn  v.  Bismarck.“  301

der  Bemerkung  abschnitt,  daß  er  wünschen  müsse,  diesen  unangenehmen  Gegenstand  zu  verlassen.
  Nachdem  ich  den  Präsidialgesandten,  der  mein  Nachbar  in  der  Sitzung  ist,  in
leisem  Tone  hieran  erinnert  hatte,  schienen  seine  Gefühle  ihn  einen  Augenblick  in  der
Weise  zu  übermannen,  daß  er  die  Worte,  die  er  etwa  sagen  wollte,  nicht  [zu]  articuliren
vermochte,  und  er  war  mir  ohne  Zweifel  für  den  Augenblick  dankbar,  daß  ich  der
Situation  mit  der  Erklärung  ein  Ende  machte,  ich  sei  beauftragt,  die  Standesliste  des
diesseitigen  Bundeskontingents  pro  1858  zu  überreichen   ….

339.  Bericht  vom  22.  März  1858  an  Minister  v.  Manteuffel,  betr.
die  Beseitigung  der  Mißstände  der  Taxisschen  Postverwaltung.  —  Vgl.  Poschinger
  III,  Nr.  135.

340.  Immediatbericht  vom  27.  März  1858,  betr.  die  dänische  Erklärung  in
der  holstein=lauenburgischen  Verfassungsfrage.  —  Vgl.  Poschinger  III  Nr.  136.

341.  Bericht  vom  29.  März  1858  an  Minister  v.  Manteuffel,  betr.
den  Ankauf  und  die  Befestigung  des  Kästrich  in  Mainz.  Ein  Versuch  zur
Täuschung  des  Militärausschusses.  Bekämpfung  und  Verschleppung  des  preußischen
  Projekts  durch  Österreich.  —  Vgl.  Poschinger  III,  Nr.  137.

*342.  Brief  an  den  Prinzen  von  Preußen.
[Eigenhändig.]
30.  März  1858.

E.  K.  H.  haben  mir  gnädigst  gestattet,  Höchstdenselben  auch  im  Wege  directer
Schreiben  meine  Wahrnehmungen  und  Ansichten  unterthänigst  aussprechen  zu  dürfen.
E.  K.  H.  wollen  gnädigst  verzeihen,  daß  ich  in  Folge  dessen  ein  so  voluminöses  Actenstück
wie  das  hierbei  erfolgende¹)  vorzulegen  mir  erlaube.  Ich  wage  auch  nicht  zu  hoffen,  daß
E.  K.  H.  dasselbe  ohne  Weitres  durchlesen  werden,  sondern  stelle  nur  unterthänigst  anheim,
  Höchstsich  aus  demselben  dasjenige  gelegentlich  vortragen  zu  lassen,  was  für  E.  K.  H.
etwa  von  Interesse  sein  möchte.

Ich  habe  in  der  Anlage  diejenige  politische  Auffassung  entwickelt,  welche  ich  seit  dem
Antritt  meiner  hiesigen  Stellung  in  Berlin  befürwortet  habe,  theils  in  Briefen  und  vertraulichen
  Berichten  an  Herrn  von  Manteuffel,  theils  in  der  Privat=Correspondenz,
welche  ich  mit  dem  General  von  Gerlach  zu  dem  Zwecke  unterhielt,  den  wesentlichen  Inhalt
  meiner  Schreiben  durch  ihn  zur  Allerhöchsten  Kenntniß  gebracht  zu  sehn.

Zur  Begründung  meiner  Ansichten  habe  ich  in  Details  eingehn  müssen,  welche  nur
von  hier  aus  wahrnehmbar  sind  und  aus  den  amtlichen  Berichten  nicht  leicht  ersichtlich
werden.  Dadurch  ist  dieser  Aufsatz  so  lang  geworden,  daß  ich  beschämt  darüber  bin,  ihn
E.  K.  H.  vorzulegen.

Ob  der  Inhalt,  insoweit  E.  K.  H.  Kenntniß  davon  zu  nehmen  geruhn,  überall  Höchstdero
  Billigung  finden  wird,  wage  ich  nicht  vorher  zu  beurtheilen.  Der  Posten,  auf  welchen
mich  die  Gnade  Sr.  Majestät  des  Königs  seit  bald  sieben  Jahren  gestellt  hat,  giebt  mir  zur
Beobachtung  der  Politik  der  deutschen  Bundesstaaten  vorzugsweise  Gelegenheit;  aber  ich

¹)  Vgl.  Nr.  343.