Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

General Dannhauer. 407 
und abgefertigt werden würden, ohne daß dem Gesandten Gelegenheit gegeben wird, dem 
Militärbevollmächtigten eine Ansicht darüber zu äußern, ja wie es scheint, ohne daß der 
K. Militärbevollmächtigte einen bestimmten Anhaltspunkt in betreff der Auffassung der 
K. Regierung hatte. Derselbe stellt es vielmehr am Schlusse E. E. nachträglichem Er= 
messen anheim, ob er richtig verfahren habe. Wenn ich das letztere nach dem Inhalt des 
Zirkularerlasses E. E. vom 12. d. M. kaum annehmen kann, so will ich doch in materieller 
Beziehung Hochdero Urteil nicht vorgreifen; in betreff des formellen Verfahrens aber er= 
laube ich mir einige g. g. Bemerkungen. 
Die Militärkommission hat an und für sich gar keinen Beruf, sich mit den meisten und 
wichtigsten der von ihr angeregten Fragen zu beschäftigen, wenn sie nicht von der Bundes= 
versammlung dazu aufgefordert wird. Es liegt diese Begrenzung ihrer Tätigkeit in ihrer 
Bestimmung, als „technischer Beirat“ der Bundesversammlung zu fungieren, und die regel= 
mäßige Geschäftspraxis entspricht auch sonst dieser Bestimmung. Im vorliegenden Falle 
ist die Abweichung von der Regel langer Hand vorbereitet worden. Der Feldmarschall= 
Leutnant von Schmerling hat bereits vor der Abreise des Generals Dannhauer nach Berlin 
dem letzteren von der Notwendigkeit einer Instandsetzung der Bundesfestungen mit Rück= 
sicht auf die politische Lage gesprochen. Der K. Militärbevollmächtigte machte mir hier= 
von erst nach seiner Rückkehr von Berlin mündlich Mitteilung, indem er hinzufügte, daß 
er sich damals mit Herrn von Schmerling einverstanden erklärt habe. Ich machte ihn darauf 
aufmerksam, wie bedenklich es sei, dergleichen Vorschlägen ohne Rückfrage bei der K. Re= 
gierung zuzustimmen, da dieselben bei der jetzigen Konstellation leicht zur Grundlage politi= 
scher Demonstrationen vermittels der Militärkommission benutzt werden könnten. Der 
General erwiderte mir, daß sein Verhalten von Sr. K. H. dem Regenten und von E. E. 
mündlich gutgeheißen worden sei, nachdem die Sachlage inzwischen durch ein Schreiben des 
Herrn von Schmerling näher präzisiert worden wäre. Das Ergebnis dieser Phase sind, 
wie es scheint, vertrauliche Schreiben des österreichischen Militärbevollmächtigten an die 
Bundes=Gouvernements   gewesen, gegen deren Inhalt, soweit sie mir außerdienstlich be= 
kannt geworden sind, von uns kaum etwas zu erinnern sein dürfte. 
Nach jener Unterredung, welche etwa am 10. d. M. stattfand, habe ich von dem K. 
Militärbevollmächtigten, ebenfalls nachträglich, die schriftliche Mitteilung von den An= 
trägen erhalten, welche die Militärkommission in betreff der Artillerieausrüstung der 
Bundesfestungen an den Ausschuß gerichtet und welche Graf Rechberg noch nicht zur Be= 
ratung gestellt, nachdem er die letzte Ausschußsitzung als Vorsitzender abgesagt hat. Auf 
diese schriftliche Kommunikation beschränken sich seither die Beziehungen, in welche der 
K. Militärbevollmächtigte in betreff des Inhaltes seines heutigen Berichts und der Anlage 
mit mir getreten ist. Erst nach Erledigung der Sache mit dem General von Schmerling 
hat er dem Legationsrat Wentzel bei einer gelegentlichen Unterhaltung kurz und ganz all= 
gemein von derselben gesprochen, ohne ihm indessen einen Auftrag für mich dabei zu geben. 
Ein solcher hätte auch keine Bedeutung mehr gehabt. Auch Graf Rechberg, so oft ich ihn 
seit seiner Rückkehr von Wien gesehen habe, hat mit keinem Worte der wichtigen, des 
Einverständnisses mit Preußen so sehr bedürftigen Verhandlungen erwähnt, welche, wie ich 
aus dem Bericht des Generals Dannhauer heute ersehe, seit länger als vierzehn Tagen 
unter den Mitgliedern der Militärkommission geschwebt haben. Als ich ihn vor einigen 
Tagen ausdrücklich danach fragte, antwortete er ausweichend, daß er glaube, die Militär= 
kommission werde eine Umlage von 4 Millionen beantragen, und brach das Gespräch ab, 
sobald er merkte, daß ich noch nicht vertraut mit der Sachlage war.