Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

General Dannhauer. Der Sekretär für Petersburg. 405 
Kommen kriegerische Vorlagen aus der Militär=Commission an den Ausschuß, so ist 
der Bund an der politischen Tagesfrage saisirt. Der Widerspruch kann in der Commission 
technischer Natur sein, im Ausschuß schon wird er zur politischen Discussion. Wollen wir 
letztre am Bunde vermeiden, so müssen wir solchen Anträgen, die uns zu weit gehn, in der 
Militär=Commission technisch entgegentreten. Dem G. Dannhauer fehlt die Einsicht und 
die Besonnenheit, und seit er von Berlin zurück ist, schwindelt ihm der Kopf von politischen 
Besprechungen, die er mit dem Regenten und dem Minister gehabt hat. Er wird uns 
hier „vertraulich“ in Anträge der Militär=Commission engagiren und compromittiren, ehe 
er es selbst merkt. 
Ein Privatbrief aus Berlin sagt mir, daß ich Rechenberg nach Petersburg bekommen 
soll. Das ist doch wohl nicht Ernst? Ich hatte gehofft, daß darüber wenigstens nicht 
ohne Anhörung des betheiligten Gesandten würde entschieden werden, besonders bei einer 
Stellung, wo der Secretär so gut wie Mitglied der Familie des Gesandten wird. Auch in 
geschäftlicher Beziehung ist ein gewisser Grad von persönlichem Vertrauen des Gesandten 
zu seinen Beamten erforderlich, wenn erstrer verantwortlich für den Betrieb sein soll. 
Wenn wirklich von Rechenberg die Rede ist, so möchte ich Sie bitten, bei dem Herrn Mi= 
nister zu befürworten, daß nicht ohne Besprechung mit mir über die Sache entschieden wird. 
Die Besetzung eilt ja nicht, und ich kann recht gut ohne Secretär bestehn. 
Mit der Bitte, daß Sie diesen flüchtigen Zeilen ihren privativen Character bewahren 
wollen, bin ich in freundschaftlicher Hochachtung und Ergebenheit der Ihrige. 
459. Vertrauliches Schreiben an Minister v. Schleinitz. 
[Konzept.] 
24. Februar 1859. 
Wie ich anderweit höre, findet heute eine vertrauliche Sitzung der Militärkommission 
statt, in welcher auf Betrieb Österreichs ein Bericht beraten werden soll, um dem Militär= 
ausschuß darzulegen, in welchem Zustande sich die Bundesfestungen befinden, und was zu 
geschehen hätte, um sie in Verteidigungsstand zu setzen. General Dannhauer soll sich über 
die Fassung der diesfälligen Vorlage mit dem Feldmarschall=Leutnant von Schmerling vor= 
her verständigt haben. 
Graf Rechberg sagt mir, daß die Militärkommission eine Matrikularumlage von 4 
Millionen beantragen wolle. 
Es kann nicht fehlen, daß diese Tatsachen demnächst in weiteren Kreisen bekannt 
werden und einen demonstrativen Eindruck machen werden. Geheim bleiben sie schon deshalb 
nicht, weil sie notwendig zur Kenntnis der beiden außerdeutschen Mitglieder des Bundes, 
Dänemark und Holland, gelangen. 
Ich darf annehmen, daß der General Dannhauer E. E. über diese Vorgänge und die 
dazu getroffenen Einleitungen in Kenntnis erhalten hat. Ich berichte dieselben meiner= 
seits nur, um E. E. gegenüber zu konstatieren, daß mich keinerlei Verantwortung für das 
Verhalten des K. Bevollmächtigten in der Militärkommission und für die Konsequenzen der 
dort etwa mit preußischer Zustimmung gefaßten Beschlüsse trifft. Der General Dannhauer 
hat mir keine Gelegenheit gegeben, meine Ansichten über die politische Seite dieser Fragen 
gegen ihn auszusprechen, und die Mitteilungen, welche mich zu diesem g. Schreiben veran=