Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

2 Stimmung des Bundes gegen die Militärkonvention. Hessen. Bayern. 
Rußland, so stark es auch zu seiner Verteidigung rüsten mag, damit umgehe, seinerseits einen 
Krieg mit Österreich mutwillig herbeizuführen. Wir haben uns ferner gegen Österreich ver= 
pflichtet, den Ausschüssen der Bundesversammlung  einen Beschlußentwurf vorzulegen, 
durch welchen die Militärkonvention vom 20. April zur Grundlage der Anträge der 
Militärkommission zu machen gewesen wäre. Die Bundesversammlung hat diesen Teil 
des Entwurfs ausdrücklich gestrichen und nicht zum Beschluß erhoben; wir aber haben 
unsere zu Wien in betreff der Militärkonvention  am 26. November eingegangene Ver= 
pflichtung durch die gemeinschaftliche Vorlage des Entwurfs vollständig erledigt. 
In unserer Eigenschaft als Mitglied des Bundes ist unsere Stellung m. u. E. rechtlich 
ganz dieselbe wie die, welche Herr von Beust nach dem Bericht des Grafen Redern vom 
29. v. M. für Sachsen in Anspruch nimmt. Der Bund hat in diesem Augenblick die 
Anträge, zu welchen er die Militärkommission aufgefordert hat, zu gewärtigen, und könnte 
es sich für uns nur darum bandeln, ob der K. Militär=Bevollmächtigte angewiesen wer= 
den soll, in Gemeinschaft mit seinem österreichischen Kollegen die Militärkonvention vom 
20. April als Grundlage der an die Bundesversammlung zu richtenden Anträge in Vor= 
schlag zu bringen. Abgesehen von den Gründen, welche ich mir bereits in meinem g. g. 
Bericht vom 19. v. M. hiergegen geltend zu machen erlaubt habe und mit denen E. E. sich 
in dem h. Erlaß vom 23. v. M. hochgen. einverstanden erklärt baben, kann ich aus frü= 
heren Gesprächen mit meinen Kollegen die Überzeugung entnehmen, daß die Militär= 
konvention von allen Seiten lebhaften Widerspruch findet. Die Gründe desselben liegen 
teils in der Unzufriedenheit mit der Richtung der Politik, welcher die Konvention dienstbar 
gemacht werden soll, und welche seit dem 2. Dezember mit vermehrter Bitterkeit getadelt 
wird, wenn auch vielleicht der Mut, diesem Gefühle Nachdruck zu geben, nicht ge= 
wachsen ist, teils hat es für die Regierungen, welche kleinere Kontingente als Bayern 
stellen, in der Tat aus dem militärischen Gesichtspunkte große Schwierigkeiten, die eine 
Hälfte ihrer Streitmacht abgesondert zu mobilisieren und zu verwenden. 
*Ich habe E. E. schon gemeldet, daß Herr von Dalwigk, freilich in der ersten freudigen 
Erregung der Aussöhnung, mir von der Notwendigkeit sprach, das hessische Bundeskon= 
tingent zum Schutze der Westgrenze in deren Nähe zu behalten. Noch mehr hat es mich 
überrascht, daß auch Herr von Münch, der ergebenste Anhänger Österreichs, mir gestern, 
mit Bezug auf den ihm bekannten Inhalt der Militärkonvention von der Unmöglichkeit 
sprach, die eine Hälfte eines Kontingents, welches im ganzen nur eine schwache Division 
ausmache, abgesondert auf den Kriegsfuß zu setzen und außerhalb der Heimat zu ver= 
wenden. Der bayerische Gesandte hat mir von der Konvention jederzeit mit Mißbilligung 
gesprochen, und scheint sein Kabinett darüber wesentlich verstimmt zu sein, daß es nur spät 
und unvollkommen von dem Inhalte der Konvention Kenntnis erhalten hat. In der Tat 
ist die von Preußen und Österreich in der Sitzung vom 17. August gemachte Zusage, den 
vereinigten Ausschüssen den in Berlin vereinbarten militärischen Konventionsentwurf 
vorzulegen, noch bis zum heutigen Tage nicht in Erfüllung gegangen. Die Ausschuß= 
Sitzung, in welcher es geschehen sollte, eröffnete Herr v. Prokesch mit den bekannten 
7 Fragen, und geriet der Entwurf seitdem in den Hintergrund, so daß er bei Vorlage der 
Verabredungen vom 26. November nur denjenigen Mitgliedern oberflächlich bekannt war, 
welche vertraulich davon Einsicht hatten nehmen können.* 
Ich wage nicht zu entscheiden, ob es wirklich in der Absicht des Wiener Kabinetts liegt, 
Preußen zu einem Angriffskriege gegen Rußland fortzureißen, oder ob man sich noch mit 
der Hoffnung schmeichelt, daß eine demonstrative Aufstellung, wenn sie nur zahlreich genug