Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

Königin Victoria und Georgs V. Hietzinger Asul. 287 
*1083. Privatschreiben an den Gesandten in Wien 
Freiherrn von Werther. 
#enu“ von der Sand des Vortragenden Rats Abeken.] 
s Auherungen des englischen Staatssekretärs Lord Stanlen zu Bernltorff, über 
die dielus am 22. berichtete, und aus brieflichen Mitteilungen, die König Wilbelm I1. durch Jeine 
Gemahlin (vgl. sein Schreiben an Bismarckl vom 22. Februar, Anhang zu den Gedanken und 
Erinnerungen, I, 169 f.) vom englischen Hofe her erhalten hatte, mußte Bismarck ersehen, daß 
vor allem Königin Victoria dem König Georg V. eine starke Antipathie entgegenbrachte und 
on dem Gedanken, dah dieser nach einer etwaigen Aufkündigung der absterreichischen Gast- 
fasan leinen Aufenthalt in England nehmen könnte, förmlich erschrecktt war. Unter diesen 
Umständen ließ Bismarck am 26. Jebruar FSreiherrn o. Werther mitteilen: „Bei weiterer Be- 
Iprechung der Hietzinger Angelegenheit mit Baron Beusft bitte ich Ew. pp. alles zu vermeiden, 
was ein Dräöngen auf Entfernung des Königs aus Österreich implizierte“. Ein Drioatbrief 
Werthers vom 26. gab Bismarchk lnmieenme sich nochmals im gleichen Sinne zu äuhßern. 
Vertraulich. Berlin, den 29. Gebruar 1868. 
Ew. pp. sprechen in õhrem gefälligen Privatbrief an mich vom 26. d. M. die Absicht 
aus, den Freiherrn von Beust über den dem Könige Georg gewährten Schutz „fortdauernd 
zu interpellieren, bis das Resultat des völligen Aufhörens der Agitation des Hietzinger Hofes 
oder der Beendigung der Asyl-Gewährung erreicht sei.“ 
Das Aufbhören der Agitation ist allerdings das Siel unserer Sorderungen, und gofern 
die Drohung mit der Entziehung des Aspls als Mittel dazu gebraucht werden Kkann, ist sie 
den Umständen nicht unongemessen. Dagegen wiederhole ich die Bitte, welche ich bereits 
telegraphisch ausgesprochen, daß Cw. pp. nicht unbedingt darauf hinwirken mögen, daß der 
König Georg gezwungen werde, Österreich zu verlassen. Seine Moajestät der König ist nicht 
ganz ohne Besorgnis über die möglichen Solgen eines Aufenthalts des Königs Georg in 
England und legt einiges Gewicht auf die vertraulich und durch die Samilienverbindungen 
an ihn gelangten Wünsche der Königin Victoria. Letzterer würde es in jeder Beziehung 
böchst unangenehm sein, wenn ihr Vetter seinen Wohnsitz nach England verlegte; und es ist 
begreiflich, daß auch die englische Regierung diese Abneigung gegen einen solchen Schritt 
teilt. Da auf der Seite des Königs Georg diese Abneigung ebenso groß zu sein scheint, so 
ist wohl kaum zu erwarten, daß es dazu komme. 
Dagegen dürfen wir von der österreichischen Regierung eine strenge UÜberwachung und 
eine eventuelle Verhinderung des Treibens des Hietzinger Hofes erwarten. 
*1084. Erlaß an den Botschafter in Daris Grafen von der Goltz. 
[Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Bucher.) 
Berlin, den 29. Februar 1868. 
Das stete Steigen des Barvorrats der Bank von Grankreich, der nach dem letzten 
Wochenabschluß vom 20. d. M. mu der beilspiellosen Siffer von 1109 Millionen angewachsen 
ist, hat Jeit längerer Seit meine Aufmerksamkeit erregt. Um einen Anhalt für die Beur- 
teilung m gewinnen, habe ich aus dem hier vorhandenen Waterial die vorliegende Übersichtt 
1 Hier nicht abgedruckt.