Bismarck will den österreichischen Bersicherungen Glauben schenken. 45
gegen SGarantien, die es Österreich im Orient zu gewähren bereit wäre, von Öfterreich
Garantien gegen die Einigung Deutschlands zu erlangen wünschte.
Wir glauben aber auch annehmen zu dürfen, daß es dem Kaiser Aapoleon nicht ge-
lungen, diese Wünsche zur Verwirklichung zu bringen. Was den Gegenbesuch des Kaisers
von Osterreich am Hofe der Tuilerien betrifft, so müssen wir freilich nach unsern Nachrichten
glauben, daß der Kaiser Sranz Joseph und der Aeichskanzler sich dieses Mittel für weitere
Berhandlungen offen balten wollen, und daß der Besuch stattfinden werde. Dagegen dürfen
wir annehmen, daß Sleine) Mloajestät) der Kaiser von Oestreich die Aussicht auf Wieder-
gewinnung der Anlehnung Oestreichs an Deutschland den im Orient von Grankreich zu
bietenden Vortheilen nicht hat opfern wollen ulndl es deshalb abgelehnt hat, im Bunde mit
Frankreich gegen Deutschland aufzutreten-.
Wir können dies Ergebnis, wenn wir es als ein golches ansehen dürfen, im beider-
seitigen Interesse nur mit Genugtuung begrüßen, da wir der festen lÜberzeugung lind, daß
Osterreich nur in einer den neuen Verhältnissen entsprechenden aufrichtigen und ehrlichen
Anlehnung an ein geeinigtes Deutschland die gesicherten Grundlagen finden kann, deren es
zum Aufbau seiner eignen neuen Zukunft bedarf.
Ew. pp. ersuche ich ergebenst, diesen Erlaß als ganz vertraulich und nur zu Ghrer eignen
Direktion bestimmt anzusehen und mit voller Diskretion m behandeln.
Aeuester Abdruck: H. Oncken, Die Abeinpolitik Kaiser Raopoleons III. von 1863 bis
1670, II, 461 f.
855. Erlaß an den Geschäftsträger in Stuttgart
Grafen von Dönhoff.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.]
Nach einem Berichte des Grafen abaß vom 3. September batte der württembergische
Minister des Außern Greiherr v. Barnbüler sich bei ihm bitter darüber beklagt, dah die alar-
mierenden Artikel, nicht zuletzt der Berliner Presse über die Salzburger Zusammenkunft die
empfindlichsten Rückrwirkkungen auf Handel und Gewerbe im Württembergischen hätten. Varn-
büler ließ Bismarck geradezu bitten, in der preußischen Dresse „dem jetzt berrschenden ver-
derblichen Tone Einhalt zu tun oder wenigstens die öffentliche Meinung durch die offizielle
Presse zu beruhigen.
Vertraulich. Berlin, den 10. September 1867.
Aus Ew. pp. gefälligem Bericht Ar. 62 vom 3. d. M. habe ich die wiederbolten Klagen
des Freiherrn von Barnbüler über das aufregende und beunruhigende Gebaren der Presse
ersehen. Auch der Königlich Württembergische Gesandte am biesigen Hofe batte sich in
demselben Sinne hier ausgesprochen; ich glaube, daß letzterer die hiesigen Verhältnisse hin-
reichend kennt, um seiner Regierung die Versicherung geben zu können, daß die Königliche
Regierung dieser ganz spontan entstandenen Aufregung der Presse vollkommen fremd ust. Sch
ersuche Sw. pp., dem Königlich Württember gi#schen Minister zu sagen, daß huch wir die
Beunruhigung und die üblen Solgen, welche aus derselben für das ganze Gebiet der Indu-
2 Der Satz elgenböndiger Jusatz Bismarcks.