Das deutsche Nationalgesühl erträgt keine fremde Einnischung. 41
der Salzburger Zusammenkunft zugekommen sind, und welche wir nur mit Befriedigung
haben entgegennehmen können. Es war vorauszusehen, daß es sehr schwer sein würde, die
öffentliche Meinung m überzeugen, daß eine Catsache wie die Zusammenkunft der beiden
mächtigen Monarchen angesichts der gegenwärtigen Lage der europälischen) Dolitik: nicht
eine tiefer liegende Bedeutung und weiter gehende Folgen habe; und die mit einer gewissen
Beflissenheit und dem Anschein der Authentizität verbreiteten Nachrichten über beabsichtigte
oder gefaßte Entschließungen auf dem politischen Gebiet waren nicht geeignet, die Sweifel
über den Zwerk der Zusammenkunft zu heben.
Es gereicht uns um so mehr zur Genugtuung, aus den österreichischen und franzöfischen
Erklärungen die Versicherung zu entnehmen, daß der Besuch des Kaisers Napoleon ledig-
lich aus einem Gefühle hervorgegangen ist, welches wir ehren, und mit dem wir sumpatbisieren,
und daß der Susammenkunft beider Herrscher der Tharakter dieses Motivs gewahrt ge-
blieben ist. Danach sind innere Angelegenbeiten Deutschlands nicht in der Weise, wie die
ersten Nachrichten es vorausfsetzen ließen, Gegenstand der Besprechungen in Salzburg ge-
wesen.
Es ist dies um so erfreulicher, da die Aufnahme, welche jene Machrichten und Voraus-
setzungen in ganz Deutschland fanden, von neuem gezeigt hat, wie wenig das deutsche
Nationalgefühl den Gedanken erträgt, die Entwickllung der Angelegenheiten der deutschen
Nation unter die Vormundschaft fremder Einmischung gestellt oder nach andern Rücksichten
geleitet zu sehn als nach den durch die nationalen Interessen Deutschlands gebotenens.
Wir haben es uns von Anfang an zur Aufgabe gemacht, den Strom der nationalen
Entwicklung Deutschlands in ein Bett zu leiten, in welchem er nicht jzerstörend, sondern
befruchtend wirke. Wir haben alles vermieden, was die nationale Bewegung überstürzen
könnte, und haben nicht aufzuregen, sondern zu berubigen gesucht'. Dies Bestreben wird
uns, wie wir hoffen dürfen, gelingen, wenn auch von auswärtigen Mächten mit gleicher
Sorgfalt alles vermieden wird, was bei dem deutschen Volke eine Beunruhigung hinsichtlich
fremder Pläne, deren Gegenstand es sein könnte, und in Golge dessen eine gerechte Erregung
des Gefühls nationaler Würde ulnd) Unabhängigkeit hervorrufen könnte. Wir begrüßen
daber die bestimmte Berneinung jeder auf eine Einmischung in innre Angelegenheiten Deutsch-
lands gerichteten Absicht im Interesse der ruhigen Entwicklung unfrer eignen Angelegen-
beiten mit lebhafter Genugtuung.
Die süddeutschen Regierungen selbst werden uns bezeugen“, daß wir uns jedes Versuchs
enthalten haben, einen moralischen Druck auf ihre Entschliebungen zu üben, und daß wir
vielmehr auf die Handhabe, welche sich uns zu diesem Swecke in der Lage des Zoll-Vereins
bieten konnte, durch den Vertrag vom 8. Juli cr. rückbaltlos verzichtet haben.
Wir werden dieser Haltung auch ferner treu bleiben. Der NRorddeutsche Bund wird
jedem Bedürfnisse der süddeutschen Regierungen nach Erweiterung ulnd) Befestigung der
1 Die Worte: „angesichts eigenbändiger Einschud Bismarckes im ersten Entwurf von Abekens
2 29D letzte Teil des Satzes: „die Entwicklung ..“ beruht auf eigenbändiger Korrektur Bismarch
Sm dieer Pagus des Diemarchschm Bisularerlahes gewesen, der in Paris Verftimmung —# Ve-
u Nr. 888 und H. Oncken, a. a. C., 1
s Der ua des Absatzes berubt i —2— Korrektur oder auf Zusatz Bismarcks in Abekens
Entwurf.
4 Der Aest des Absatzes eigenbändige Korrekrtur Bismarcks in Abekens Entwurf.