Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

Englischer Versuch, Preuhen für eine turkophile Politik m gewinnen. 187 
ist, wenn Ellusionen des General Sleury, falls er solche hat, gründlich zerstört werden. 
Welche größere oder geringere Bedeutung man auch der perfönlichen olitik des neuen 
französischen Botschafters in St. Petersburg zuschreiben mag; der Kaiser von Rußlond 
hat in seiner Weise eine Antwort darauf gegeben, welche nicht miß mversteben üs. 
Weitergehende politische Solgerungen aus dem militärischen Ordensaustausche m 
ziehen, würde unberechtigt sein. Sollte Ihnen eine Meigung dam in wirklich beachtens- 
werten Kreifsen entgegentreten, aber auch nur dann, so werden Sie dieselben nach Mahgabe 
Ihrer eigenen Information und vorstebender Erwägungen berichtigen können, obne eine 
Initiative zu ergreifen und auch nur den Schein m erwecken, als fühlten wür ein Be- 
dürfnis, die Sache zu erklären und abzuschwächen oder etwas anderes als Befriedigung 
zu zeigen. Ew. pp. sind durch wiederholte und eingehende frühere Mitteilungen von mir 
binreichend unterrichtet, in welchem friedlichen Sinn wir großen Wert auf die Erhaltung 
und Pflege der freundlichen Beziehungen zu Außland legen; und ich bitte Sie, diesen 
Standpunkt fortwährend im Auge zu behalten. 
1462. Erlaß an den Botschafter in London 
Grafen von Bernstorff. 
[Konzept von der Hand des Vortragenden NRats Abeken) 
Infolge der von dem Bijekönig von Ltupten lelblständig inszenierten Einladung europêischer 
Horrscher ju der Einweihung des Suejkanals und anderer Eigenmächtigkeiten war es zu einem 
charfen Aotenwechsel wischen der Pforte br dem Wizekönig gekommen, der schliehlich Ende 
ovember 1869 mit der gemessenen Sorderung des Sultans endete, daß der Bijekönig sich einem 
ferman explicatif, in dem vor allem die Verpflichtung festgelegt wor, keine Anleibe ohne aus- 
drülckkliche Genehmigung des Sultans abzuschließen, in aller Sorm unterwerfe und ihn ohne 
weiteres als Gesetz verkünden lasse. Von den europäischen Mächten waren insbesondere Eng- 
land und Srankreich bemüht, durch mähigende Nasschläge in Konstantinopel wie in Alexandrien 
zu verhüten, daß der Streit Dimensionen annähme, die etwa auch den europäischen Grieden störend 
beeinflussen könnten. Auch die preuhischen Bertreter hatten am 6. August eine gleiche Weisung 
erhalten, jedoch mit dem Bedeuten, möglichst unauffällig vorjugehen. An diesem Standpunkt 
batte die preußische Negierung auch in der Folge festgehalten. Ende Vovember gewann es nun 
den Anschein, als ob die Westmächte dazu neigten. der türkisch-äguptischen Streitfrage sich auf 
die Seite des Sultans zu stellen. Nach einem Berichte des Geschäftsträgers in London v. Katte 
om 30. Aovember äuberte ihm gegenüber der parlamentarische Unterstaatssekretär Otway den 
Worsch, daß auch Dreußen sich einer geplanten Aktion der Westmächte anschließen möge. Wieder- 
holt ließ Otwau in seinen Gesprächen mit dem preußischen Vertreter durchblicken, daß auf dem 
Gebiet der orientalischen Politik der Weg liege, welcher England und reußen zu noch intimeren 
Beziehungen führen könne. Gegenüber dem Votschafter Graf Bernstorff lieh sich nach einem 
von diesem am 7. Dezember erstatteten Immediatbericht Otway dabin aus, es scheine ja, daß 
auch Preußen in JZukunft einen aktiveren Anteil an den orientalischen Angelegenbeiten nehmen 
baoale,woes England im Hinblickl auf die Identität der beiderseitigen Interessen im Orient nur 
egrüben könne. 
Berlin, den 12. Dezember 1869. 
Ew. pp. erwähnen in dem Immediatbericht vom 7. d. M. (Ar. 175) der Bemerkung 
des Unterstaatssekretärs Mr. Otway, daß die Regierung Seiner Majestät des Königs 
einen tätigeren Anteil an den orientalischen Angelegenbeiten nehmen zu wollen scheine 
Cparaissait vouloir prendre une part plus active dans les affaires d'Orient“). Sie 
baben darauf sofort mit Recht erwidert, daß Ihnen von der supponierten Absicht nichts 
1 Ein Reinkonzept trägt den Vermerk Abekens: „Seiner Masestät dem Könlge vorgelesen und von 
Allerböchftdemlelben genehmigt".