Haltung der Türkei kein Motio für Anderung in Zurückhaltung. 189
Ihrer reservirten Haltung in solchen Fällen, wo die Höflichkeit Ihnen nicht gestattet, Sich
der Besprechung zu entziehn“.
Vur für solche Sälle würde ich es auch für angemessen halten, daß Ew. pp. die Be-
merkung einfließen ließen, wie wir bei Gelegenheit der griechischen Differenz unfre freund-
lichen Gesinnungen für die Pforte ulnd) für die Kräftigung ihrer Stellung im Orient in
einer Weise betätigt hätten, die wesentlich zu der für die Pforte so günftigen Lösung jener
Grage beigetragen, uns aber einer erbeblichen Verstimmung des rus'lischen! Cabinetes
ausgesetzt hat; daß die Pforte für dergleichen uninteressirte ulnd) sogar unbequeme An-
strengungen unfrer olitik zu ihren Gunfsten wenig Erkenntlichkeit zeigt, doß wir vielmehr
in Fragen, welche gar keinen politischen Charakter batten, und bei welchen materielle Sn-
teressen Deutschlands ulnd] der Türkei gleichmäßig beteiligt waren, wie 3. B. die Durch-
fahrt von Handelsschiffen durch die Dardanellen, Erleichterungen im Postverkehr, wie sie
für alle anderen Länder eingerichtet sind, auf einen Mangel an Entgegenkommen gestoßen
sind, der in einem unerfreulichen Kontrast u der von uns mit Dank anerkannten perfön-
lichen Freundlichkkeit und Liebenswürdigkeit steht, welche der Sultan in der Aufnahme
Seiner Königlichen Hoheit des Kronprinzen bewiesen hats.
Es üst nicht meine Absicht, diesen Mangel an Entgegenkommen seitens der türkischen
Negierung in den geschäftlichen Beziehungen zum Gegenstand einer befonderen Klage
gegenüber den englischen Staatsmännern zu machen; ich gebe Ew. pp. diese Bemerkung
vielmehr nur zu dem Swecke hin, um in den oben bejeichneten Sällen darauf
hindeuten zu können, daß in der Haltung der Türkei selbst kein Motio für uns gegeben
sei, um ein lebhafteres Eintreten für ihr e speziellen Interessen zu provosieren.
1463. Erlaß an den Botschafter in London
Grafen von Bernstorff.
(Kontept von der Hand des Vortragenden Rats Bucher.
Prinzen Luitpold, binarbeite. Aach Otwaus Ansicht würden bei einem solchen Um 3 reuhen,
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Krieg im Herzen Deutschlands ergeben, der für Preußen sehr gefäbrlich werden könne.
Vertraulich. Berlin, den 15. Dezember 1869.
Es ist mir interessant gewesen, aus den vertraulichen Außerungen des Unterstaats-
lekretärs Otwag, über welche Ew. pp. unter dem 7. d. M. an des Königs Wajestät berichtet
« get Absatz eigenhändiger Jusatz Bismarcks.
* Der Absatz ist durch einige längere Zusäte von der Hand Bismarcks erweitert und mehrfach durch-
korrigiert. Zu dem Aufenthalt # Tee in Konstantinopel ogl. leine Deter und meprkach wk vom-
Een Ster 1869, M. v. Poschinger, Kaiser Sriedrich, II. 344 ff.; ferner A. v. Stosch, Denkwürdig
eiten, S. .
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KopigevorgeleloaundvonAlletbschltdemlelbeagenehmigtBerlimmiz69.«