Full text : Die Geschichte Württembergs.

8.  27.  Herzog  Ulrich.  Der  Anfang  seiner  Regierungszeit.  69

ein  Fuͤrst  seines  Volkes  zu  sein.  So  kam  er  gar  nicht  vom  Hof  weg  und  kannte
das  Ausland  nur  vom  Hörensagen.  Sogar  körperliche  Uebungen  wurden  versäumt
  und  erst  später  von  Ulrich  tüchtig  nachgeholt.  Er  legte  seine  lateinischen
Bücher  auf  die  Seite  und  belustigte  sich  mit  Reiten  und  Jagen;  ein  paar  gewaltige
  Jagdhunde  waren  seine  beständigen  Begletter.

Die  Vormundschaftsräthe  sorgten  nach  Kräften  für  des  Landes  Wohl  und
schloßen  zu  dessen  Sicherheit  Bündnisse  mit  Baden,  Brandenburg  und
Mainz,  sowie  mit  dem  Schwäbischen  Bunde.  Ste  wollten  es  aber  noch
befser  machen  und  den  Kaiser  dem  Land  und  dem  jungen  Herzog  geneigt  machen,
indem  sie  diesen  mit  der  siebenjährigen  Sabina,  Tochter  des  Herzogs  Albrecht
  von  Bayern  und  Nichte  des  Kaisers,  verlobten  1).  Dies  sollte  die
Quelle  vielen  Uebels  werden.  Daran  war  es  aber  nicht  genug.  Bald  wurde
dem  wilden  Herzog  die  Vormundschaft  lästig.  Da  er  wegen  seiner  weiteren  Ausbildung
  am  kalserlichen  Hoflager  verweilte,  setzte  er  es  mit  Hilfe  seines  Schwiegervaters
  durch,  daß  der  Kaiser  den  württembergischen  Reglerungsräthen  den  Befehl
  der  Uebergabe  der  Herrschaft  an  Ulrich  ertheilte.  Zwar  stellten  die  Räthe  dem
Kaiser  vor,  daß  nach  dem  Vertrag  Eberhards  I.  vom  Jahr  1492  die  württembergischen
  Fürsten  erst  im  zwanzigsten  Jahre  mündig  sein  sollten.  Es  war  vergeblich.
  Die  Landschaft  mußte  einberufen  werden.  Diese  glaubte  sich  durch  den
kaiserlichen  Befehl  von  ihrem  auf  den  Eßlinger  Vertrag  geleisteten  Eid  entbunden;
  der  sechzehnjährige  Herzog  Ulrich  wurde  vom  Volke  freudig  begrüßt.

Bald  zeigte  sich  dem  feurigen  Jüngling  eine  Gelegenheit,  sich  seinem
Schwiegervater  und  dem  Kalser  dankbar  zu  zeigen.  Herzog  Georg  der
Reiche  von  Bayern  war  gestorben.  Da  er  zu  seinen  beiden  Vettern,  Albrecht
  und  Wolfgang  von  Bayern,  feindllch  gestanden  war,  so  hatte  er
seine  Länderelen  nicht  diesen,  wie  es  im  Hausvertrage  bestimmt  war,  sondern  seinem
Tochtermann  Ruprecht  von  der  Pfalz  erblich  hinterlassen.  Aber  den  Herzogen
  von  Bayern  wurde  auf  ihre  Protestation  gegen  das  Testament  vom  Kaiser
dle  Erbschaft  zugesprochen.  Ruprecht  fügte  sich  dem  kaiserlichen  Spruch  nicht;
so  entstand  der  pfälzisch-bayerische  Krieg  (1504).  Die  Uebermacht  war
auf  Seite  Albrechts  von  Bayern,  mit  dem  sich  Herzog  Ulrich,  Landgraf  Wilhelm
von  Hessen,  Markgraf  Friedrich  von  Brandenburg  und  der  Schwäbische  Bund
vereinigt  hatten.  Der  Pfalzgraf  war  in  die  Reichsacht  erklärt  worden.  Ulrich
zog  rasch  mit  22,000  Mann  ins  Feld  und  eroberte  das  Kloster  Maulbronn,
das  an  Reichthum  einem  Bischofssitze  glich,  Besigheim,  Neuenstadt,
Weinsberg,  Löwenstein,  Widdern,  Möckmühl,  Gochsheim  und
Großgartach.  Der  Tod  Ruprechts  und  seiner  Gemahlln  machten  dem  Krieg
schnell  ein  Ende.  Die  kriegführenden  Parteien  vereinigten  sich  in  dem  RKölner
Frieden  (1505).  Ulrich  erhielt  alle  seine  Eroberungen,  so  daß  in  wenigen
Monaten  mehr  gewonnen  worden  war,  als  einst  Ulrich  der  Vielgeliebte  an  die
Pfalz  verloren  hatte.  Für  seine  Belhilfe  erhlelt  der  Herzog  von  seinem  Schwiegervater
  die  Stadt  Heidenheim  und  drei  im  Brenzthal  gelegene  Klöster.

Nach  dieser  glänzenden  Erwerbung  schloß  Ulrich  Verträge  zu  Schutz

1)  Ulrich  hatte  Neigung  zu  der  brandenburgischen  Prinzessin  Elisabeth,  die  in
Nürtingen  bei  der  Witwe  Eberhards  II.  lebte.  Oft  ritt  er  von  Stuttgart  hinüber  mit
seinem  Trompeter  und  ließ  ihr  unter  ihrem  Fenster  ein  Stücklein  aufspielen.