Pflege der Schönheit. 219
gleichgültig sind, oder unreinliche Menschen, welche Reinlichkeit in bezug auf
die eigene Person überhaupt nicht pflegen, leiden recht oft an wunden Mundwinkeln,
die mitunter ebenso schmerzhaft wie ekelerregend sind. Diese müssen
gleich zu Beginn ihres Entstehens mit Sorgsamkeit behandelt werden, sonst
sind sie wochenlang nicht fortzubringen. Nachts mache man kleine feuchte
Watteeinlagen, um die Benetzung durch Speichel zu verhüten; den Mund
spüle man bei Tag zweistündlich aus, um das Eindringen von Entzündungserregern
in die wunden Stellen aufzuhalten; starkes Ausdehnen des Mundes
beim Singen, Sprechen usw. vermeide man, um das schmerzhafte Einreißen
frisch gebildeter Häutchen zu verhüten, und das Baden des Gesichtes
mit kaltem Wasser unterlasse man gleichfalls so lange, bis Heilung der
„Faulecken“ erfolgt ist.
Leicht blutendes Zahnfleisch stellt sich bei allerlei Zuständen ein;
bei Blutarmut, allgemeiner Schwäche, Entzündungen der Mundhöhle, falscher
Behandlung der Zähne usw. Handelt es sich nicht um lokale Ursachen,
so muß man auf allgemeine Kräftigung des Zahnfleisches bedacht sein. Dazu
dient dann die häufige Anwendung anregender Kräuterwasser vortrefflich, da sie
den Zufluß des Blutes in die kleinen Gefäße der Haut vermehren und somit
für bessere Ernährung der Haut sorgen. Vertragen die Zähne solcher Personen,
die oft sehr empfindlich gegen Reize aller Art sind, kaltes Wasser, so sind auch
häufige Ausspülungen des Mundes mit diesem sehr gut. Auch Reibungen
des meist blassen Zahnfleisches mit den Fingerkuppen sind zu empfehlen.
Jahrelange Benützung der Pfeffermünze soll aber schließlich so erschlaffend
wirken, daß lockeres und erschlafftes Zahnfleisch entsteht. Man mache also
auch mit Kräuterwässern nicht zu viel, sondern benütze sie nur zeitweilig.
Ein praktisches Beispiel von Schönheitspflege:
Eine Frau von vierzig Jahren, gesund und wohlerhalten, aber doch
nicht frei von kleinen Schwächezuständen, etwas abgemüdet von häuslichen
Sorgen und unermüdlicher Arbeit für die Familie, hat die Bekanntschaft einer
interessanten Französin gemacht, die zwar schon achtundvierzig Frühlinge erlebt
hatte, dennoch aber noch so jugendlich frisch und elegant aussah, daß
ihr alle Männer den Hof machten. Unwillkürlich verglich unsere Deutsche, die
eine pflichttreue Hausfrau war, und deren persönliche Eitelkeit in der Sorge um
die Kinder schon fast untergegangen schien, sich und andere Frauen ihres
Bekanntenkreises mit der französischen Frau und fand mit einemmale, daß
keine so hübsch und jugendlich war wie diese, obwohl unter ihnen (vor allem
sie selbst!) eigentlich doch auch „ganz nette“ sich befanden. Was war daran
eigentlich schuld?
Gleichzeitig fiel ihr ein Artikel über vernünftige Schönheitspflege und
deren unzertrennlicher Zusammenhang mit Gesundheitspflege in die Hand.
Bisher hatte sie für ihre eigene Gesundheitspflege immer so wenig Zeit
gefunden und achselzuckend auf jene eitlen Frauen geblickt, die den halben Tag