Fortdauer des Konfliktes 239
eine feste und starke sein, und kann sie das Einverständnis mit
der Landesvertretung nicht anders als unter Aufrechterhaltung
der Heereseinrichtungen erstreben, welche die Wehrhaftigkeit und
damit die Sicherheit des Vaterlandes verbürgen.“
Der Hoffnung der Thronrede entsprach nicht die Haltung
des Abgeordnetenhauses. Im Lande und wo man jenseits der
preußischen Grenzen national und liberal dachte, war man an
vielen Stellen schon schwankend, ob die theoretische Halsstarrigkeit
der Volksvertreter den Erfolgen gegenüber richtig sei und den
Forderungen praktischer Politik entspreche. Aber auf die große
Masse der Abgeordneten blieben die ruhmvollen Ereignisse des
Jahres 1864 ohne Wirkung; diese Männer standen gleichsam
neben der Geschichte. Alle Geldforderungen des Ministeriums
wurden glattweg zurückgewiesen. Am 22. Januar 1864 hatte
das Abgeordnetenhaus mit 275 gegen 51 Stimmen die zu
Zwecken des dänischen Krieges verlangte Anleihe von zehn
Millionen Talern abgelehnt. Ebenso erging es in der Session
vom 14. Januar bis 17. Juni 1865 allem, was die Regierung
forderte für Gesandtschaftsposten, zur Herstellung und Befestigung
zweier Kriegshäfen in der Kieler Bucht und in der
Jahde, für Anschaffung von Panzerfregatten und schweren Gußstahlkanonen
und schließlich auch der Vorlage, welche neunzehn
Millionen Taler aus den Verwaltungsüberschüssen und dem
Staatsschatz zur Bestreitung der Kriegskosten forderte.
Zwischen all diesen schmerzlichen Schlägen, welche der Regierung
zuteil wurden, erklang Bismarcks Stimme wie die eines
Predigers in der Wüste. Vergeblich war seine Mahnung, daß
die Basis des konstitutionellen Lebensprozesses überall der Kompromiß
sei und daß die Verfassung nicht einer der drei Gewalten
das Recht beilege ein Sic volo sic jubeo — ich will's,
also befehl ich's — zu sprechen, dem die andern sich zu beugen
hätten, soweit sogar sich zu beugen hätten, daß der König nur
Ministern sein Vertrauen schenke, die dem Abgeordnetenhause
zu Wunsche seien. „Und das alles“ — so hielt er ihnen drastisch
vor — „um eine Pression auf die Krone auszuüben, daß sie
ihre Minister entlasse, daß sie Ihre Auffassung des Budget-