Metadaten : Der Fehlspruch von Versailles.

Allianz!)  Knüpft  sich  jeden  Tag  enger  und  wird  immer  bedrohlicher.  In
Österreich  der  Kampf  des  deutschen  Elements  mit  den  Slawen,  in  Deutschland
  der  wachsende  Einfluß  des  Sozialismus;  in  Italien  die  Zerrüttung
der  Finanzen:  alles  dies  zwingt  die  drei  Regierungen,  sich  vor  allem
mit  ihren  inneren  Schwierigkeiten  zu  befassen,  und  muß  sie  dahin  bringen,
die  von  ihnen  übernommenen  Verpflichtungen  nicht  genau  zu  erfüllen.
Andererseits  kann  die  Entente  zwischen  Frankreich  und  Rußland,  die
als  erste  Folgeerscheinung  die  dauernde  Anwesenheit  einer  russischen
Flotte  im  Mittelmeere  gezeitigt  hat,  nicht  umhin,  sich  auch  weiterhin
durch  andere  für  die  englischen  Interessen  nicht  weniger  ernste  und
beunruhigende  Tatsachen  zu  bestätigen.  Wir  müssen  daher  unverzüglich
fortfahren,  unsere  Seestreitkräfte  zu  vermehren“.  Also  auch  nach  dieser
Seite  hin  ergab  sich  durch  die  Ereignisse  von  Toulon  eine  Vermehrung
des  Wettrüstens  in  Europa.  England  trat  auf  den  Plan.

1894  —  1896?)

So  war  es  denn  den  Zweibundmächten  gelungen,  den  Abschluß  der
von  französischer  Seiteso  innig  und  hartnäckig  erstrebten  Militärkonvention
in  ganz  Europa  geheimzuhalten,  wie  .es  besonders  die  Berichterstattung
der  belgischen  Gesandten  zu  Paris  und  Petersburg  erweist.  Viel  näher
kam  der  Aufhellung  des  wahren  Sachverhaltes  Baron  Greindl,  der  in
seiner  gründlichen  Art  auch  dem  Problem  gerecht  zu  werden  versuchte,
inwieweit  die  Verschlechterung  der  deutschen  Beziehungen  zu  Rußland
etwa  dem  nach  Bismarcks  Abgange  einsetzenden  neuen  Kurse  der  deutschen
  Politik  zugeschrieben  werden  müsse.

In  dieser  Frage  gelangt  er,  nachdem  Bismarck  in  den  „Hamburger
Nachrichten“  vom  24.  Oktober  1896  den  Rückversicherungsvertrag
bekannt  gegeben  hatte,  wieder  zu  einer  scharfen  Verurteilung  des  alten
Kanzlers.  Man  könne  wohl  behaupten,  meint  er  in  einem  Berichte  vom
28.  Oktober  1896°),  daß  eine  rein  defensive  Entente  wie  der  Dreibund
eine  Verpflichtung  gleicher  Art  mit  einer  anderen  Macht  nicht  ausschließe.
Dennoch  liege  eine  Unehrlichkeit  darin,  sie  ohne  Wissen  des  Verbündeten
einzugehen.  Eine  solche  Politik  habe  wohl  dem  Fürsten  Bismarck
möglich  erscheinen  Können,  der  in  der  Wahl  seiner  Mittel  wenig  bedenklich
gewesen  sei,  sei  aber  der  geraden  Sinnesart  Kaiser  Wilhelms  II.  zuwider.
„Diese  eingebildeten  Feinheiten  sind  nicht  einmal  geschickt.  Sie  erwecken
  das  Mißtrauen  derjenigen,  deren  Freundschaft  man  sich  durch
solche  Übereinkünfte  bewahren  möchte.  Der  Beweis  dafür  ist,  daß  die
Beziehungen  zwischen  Deutschland  und  Rußland  heute  viel  bessere  sind

1)  Ich  versage  es  mir,  die  Betonung  des  offensiven  Charakters  des  Zweibundes,
der  uns  von  den  Belgiern  —  nicht  nur  von  Greindl  —  immer  wieder  bezeugt  wird,
meinerseits  noch  weiter  hervorzuheben.

2)  Für  die  Jahre  1894,  1895  und  1896  enthält  meine  fünfbändige  Publikation
nur  wenig,  da  diese  Jahre  für  die  weitere  Entwicklung  des  Zweibundes  geringeres
Interesse  bieten,  die  belgischen  ‚Zirkulare‘‘  aber,  soweit  sie  ıns  vorlagen,  erst  mit
1897  beginnen.

®)  Bd.  V,  S.  82.

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