Full text : Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

24  II.  Abschnitt.  Staatsangehörigkeit  in  einem  Bundesstaate.  S  4.

1.  Geburt.

Mit  Ausnahme  der  südamerikanischen  Freistaaten")  und  der  Dominikanischen
  Republik  erkennen  alle  Staaten  die  von  ihren  Untertanen  im  Auslande
  geborenen  Kinder  als  ihre  Staatsangehörigen  an.

Die  südamerikanischen  Staaten  und  die  Dominikanische  Republik  betrachten
nämlich  die  im  Auslande  geborenen  Kinder  ihrer  Staatsangehörigen  als  Ausländer,
  solange  sie  im  Auslande  bleiben;  sie  erlangen  die  Staatsangehörigkeit
ihrer  Eltern  nur  dann,  wenn  sie  in  deren  Heimatstaat  zurückgekehrt  sind  und
sich  bei  der  zuständigen  Behörde  behufs  Niederlassung  angemeldet  haben.

Stellt  sich  sonach  die  Frage  der  Staatsangehörigkeit  der  im  Auslande  geborenen
  Kinder  von  Ausländern  als  eine  sehr  einfache  dar,  so  gestaltet  sich  die
Lösung  der  Frage,  ob  und  in  welchem  Umfange  die  verschiedenen  Staaten  dem
in  ihrem  Gebiete  geborenen  Kinde  eines  Ausländers  die  Erwerbung  der
Staatsangehörigkeit  erleichtern,  als  eine  sehr  mannigfaltige.

Es  lassen  sich  hierfür  vier  Gruppen  aufstellen:

Gruppe  I.

Das  Kind  eines  Ausländers  bleibt  Ausländer,  und  die  Tatsache  der  Geburt
  im  Lande  erleichtert  ihm  in  keiner  Weise  die  spätere  Erwerbung  der  Staatsangehörigkeit
  daselbst.

Zu  dieser  Gruppe  gehören  die  Staaten:

1.  China.
2.  Deutschland  (vgl.  §  9  Abs.  2  Ziff.  2  d.  G.  —  schüchterner  Anlauf
zu  der  seit  1804  im  französischen  Rechtsgebiet  bestehenden  Option.)

*)  Südamerikanische  Freistaaten.

Die  im  Auslande  geborenen  Kinder  von  Argentiniern  werden  als
Argentinier  nur  dann  anerkannt,  wenn  sie  für  die  argentinische  Staatsangehörigkeit
  optieren  (Art.  1  Ziff.  2  des  Bundesges.  vom  1.  Okt.  1869).

Die  im  Auslande  geborenen  Kinder  von  Bolivianern  erlangen  die
bolivianische  Staatsangehörigkeit  erst  dann,  wenn  sie  sich  in  Bolivia  niedergelassen
  haben  (Art.  32  Ziff.  1  der  Verfassung  vom  15.  Febr.  1878).  Ebenso  in
Brasilien  (Art.  1  8  2  des  Dekrets  vom  12.  Nov.  1902);  in  Chile  (Art.  5  Ziff.  2
der  am  10.  Aug.  1888  neuredigierten  Verfassung  vom  25.  Mai  1833);  in  Kolumbien
  (Art.  8  Ziff.  1  Abs.  2  und  Ziff.  2  der  Verfassung  vom  4.  Aug.  1886);
in  Ekuador  (Art.  11  der  Verfassung  vom  20.  Dez.  1906);  in  Paraguay  (Art.  35
Ziff.  2  der  Verfassung  vom  18.  Nov.  1870);  in  Uruguay  (Art.  8  der  Verfassung
  vom  13.  Juli  1830;  Art.  3  d.  G.  vom  18.  Juli  1874);  in  Venezuela-(Art.
  5  Ziff.  2  der  Verfassung  vom  12.  Juni  1893);  in  San  Domingo  (Trt.  7
Ziff.  2  der  Verfassung  vom  Jahre  1895).  In  Peru  werden  die  im  Auslande
geborenen  Kinder  von  Peruanern  als  Peruaner  nur  dann  anerkannt,  wenn
sie  während  ihrer  Minderjährigkeit  auf  Wunsch  ihrer  Eltern  in  das  peruanische
Bürgerregister  eingetragen  werden,  oder  wenn  sie  nach  erlangter  Emanzipation
oder  erreichter  Großjährigkeit  für  die  peruanische  Staatsangehörigkeit  optieren
(Art.  34  Ziff.  2  der  peruanischen  Verfassung  vom  10.  Nov.  1860).

Die  in  Deutschland  geborenen  und  daselbst  wohnhaften
Kinder  von  Angehörigen  der  südamerikanischen  Staaten  sind
mithin  so  lange  staatlos,  als  sie  nicht  den  vorerwähnten  Voraussetzungen
  entsprechen.  Bewahrt  vor  dem  Verluste  der  välterlichen
Staatsangehörigkeit  bleiben  jedoch:  die  im  Auslande  geborenen  Kinder  der  im
Auslande  in  amtlicher  Stellung  residierenden  Eltern.

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