Volltext : Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

542  Ausländische  Gesetzgebung.

Art.  2.

Die  Bewilligung  wird  nur  an  solche  Bewerber  erteilt,  welche  sich
über  einen  der  Einreichung  ihres  Gesuches  unmittelbar  vorangehenden
zweijährigen  ordentlichen  Wohnsitz  in  der  Schweiz  ausweisen.

Der  Bundesrat  prüft  auch  die  Beziehungen  des  Bewerbers  zu  dem
bisherigen  Heimatstaate,  sowie  dessen  sonstige  persönliche  und  Familienverhältnisse.
  Er  kann  die  Bewilligung  verweigern,  wenn  diese  Beziehungen
oder  diese  Verhältnisse  so  beschaffen  sind,  daß  aus  der  Einbürgerung
des  Gesuchstellers  der  Eidgenossenschaft  Nachteile  erwachsen  würden.

Art.  3.

Die  Aufnahme  in  das  Bürgerrecht  erstreckt  sich  auf  die  Ehefrau
und  die  Kinder  des  Gesuchstellers,  wenn  sie  nach  dem  Rechte  der  Heimat
unter  seiner  ehemännlichen  oder  elterlichen  Gewalt  stehen  und  in  der
Bewilligung  des  Bundesrates  nicht  ausdrücklich  Ausnahmen  gemacht
werden.

Art.  4.

Jede  Erteilung  des  Gemeinde=  und  Kantonsbürgerrechts  an  Ausländer
  ohne  die  vorherige  Bewilligung  des  Bundesrates  ist  ungültig.

Hinwieder  ist  das  Schweizerbürgerrecht  erst  dann  erworben,  wennzu
  jener  Bewilligung  des  Bundesrates  die  Erwerbung  eines  Gemeindeund
  Kantonsbürgerrechts  gemäß  den  Bestimmungen  der  betreffenden
Kantonalgesetzgebung  hinzugekommen  ist.

Die  bundesrätliche  Bewilligung  erlischt,  wenn  deren  Inhaber  nicht
binnen  drei  Jahren,  vom  Datum  der  Ausstellung  an,  ein  Gemeindeund
  Kantonsbürgerrecht  erworben  hat.

Art.  5.

Die  Kantone  sind  berechtigt,  auf  dem  Wege  der  Gesetzgebung  zu
bestimmen,  daß  die  im  Kanton  geborenen  Kinder  von  im  Kanton  wohnenden
  Ausländern  von  Gesetzes  wegen,  und  ohne  daß  eine  Bewilligung
des  Bundesrates  erforderlich  wäre,  Kantons=  und  damit  Schweizerbürger
sind:

a)  wenn  die  Mutter  schweizerischer  Herkunft  ist;  oder

b)  wenn  die  Eltern  zur  Zeit  der  Geburt  des  Kindes  wenigstens
fünf  Jahre  ununterbrochen  im  Kanton  gewohnt  haben.

Die  Kantone  sollen  das  Recht  der  Option  vorbehalten.

Art.  6.

Personen,  welche  neben  dem  schweizerischen  Bürgerrecht  dasjenige
  eines  fremden  Staates  besitzen,  haben  diesem  Staate  gegenüber,
solange  sie  darin  wohnen,  keinen  Anspruch  auf  die  Rechte  und  den  Schutz
eines  Schweizerbürgers.