Volltext : Der Kanzler.

Mann  könne  solch  einen  Unsinn  schwätzen.  Ein  anderes  Mal
sagte  mir  Frau  v.  Bismarck,  ihr  Mann  sei  heute  besonders
vergnügt,  obwohl  er  eben  den  verhaßten  Gang  ins  Kbgeordnetenhaus
  machen  müsse  und  eine  ganz  besonders  schwere
Schlacht  ihm  drohe.  Da  trat  Bismarck  froh  gelaunten  Ant—
litzes  herein  und  gab  als  Grund  seiner  frohen  Stimmung
uns  an:  „Heute  morgen  habe  ich  die  Losung  gelesen  und  die
lautete:  „den  Weg,  den  du  gehst,  werde  ich  mit  dir  gehen“,
und  da  muß  man  ja  doch  vergnügt  sein!“

Der  Kbgeordnete  Eduard  von  Simson  im
Landtag  über  Bismarck.

28.  Februar  1865.

Die  Behandlung  des  polnischen  Zufstands  durch  die
preußische  Regierung  sei  ein  trostloses  Impromptu,  sei  das
EGelegenheitsgedicht  eines  Mannes,  der  kein  Dichter  sei.
„Ich  verlange  nicht,  daß  eine  Regierung  allezeit  den
kühnen  Slug  des  Genies  einzuhalten  imstande  sein  soll
ber  in  jedem  Falle  wird  die  Bewunderung  dafür,  daß  jemand
  nicht  fällt,  die  Bewunderung,  die  man  ja  jedem  Seiltänzer
  würde  zuwenden  müssen,  eine  Bewunderung  sein,
nach  der  nicht  jedermanns  Gaumen  und  Eppetit  stände.“

Bismarck  erwiderte:  „Ich  fühle  keinen  Beruf,  mich  über
die  Fragen  des  guten  Geschmacks  und  der  Schicklichkeit  hier

in  eine  Erörterung  einzulassen.“
Dahn,  Bismarck.

König  Wilhelm  J.  an  Bismarck.

Berlin),  17.  März  1863.

Wie  heute  vor  einem  halben  Jahrhundert  Dreußens
Söhne  von  meinem  in  Gott  ruhenden  Dater,  zum  muthigen
Kampfe  zur  Befreiung  des  Daterlandes  aufgerufen  wurden,
so  habe  ich  Sie  mitten  im  Frieden  zum  Kampfe  für  die
Stärkung  von  Thron  und  Daterland  berufen,  eine  RKufgabe,
die  Sie  mit  seltener  HKingebung  und  Zusdauer  erfüllen.  Emp-160