Volltext : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Neunter Jahrgang. 1881. (9)

b.  Katzen.

c.  Andere
Hausthiere.

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welche  von  dem  wuthkranken  Thiere  gebissen  sind,  oder  rücksichtlich  welcher  der  Verdacht  vorliegt,  daß  sie  von
dem  wuthkranken  Thiere  gebissen  sind.

Ausnahmsweise  kann  die  mindestens  dreimonatliche  Absperrung  eines  der  Tollwuth  verdächtigen
Hundes  gestattet  werden,  sofern  dieselbe  nach  dem  Ermessen  der  Polizeibehörde  mit  genügender  Sicherheit
durchzuführen  ist,  und  der  Besitzer  des  Hundes  die  daraus  und  aus  der  polizeilichen  Ueberwachung  erwachsenden
  Lasten  trägt  (§.  37  des  Gesetzes).

Den  Ausbruch  der  Tollwuth  hat  die  Polizeibehörde  auf  ortsübliche  Weise  und  durch  Bekanntmachung
in  dem  für  amtliche  Publikationen  bestimmten  Blatte  (Kreis-,  Amtsblatt  u.  s.  w.)  zur  öffentlichen  Kenntniß
  zu  bringen.

§.  20.
Ist  ein  wuthkranker  oder  ein  der  Seuche  verdächtiger  Hund  srei  umhergelaufen,  so  muß  von  der
Polizeibehörde  sofort  die  Festlegung  (Ankettung  oder  Einsperrung)  aller  in  dem  gefährdeten  Bezirke  vorhandenen
  Hunde  für  einen  Zeitraum  von  3  Monaten  angeordnet  werden  (§.  38  des  Gesetzes).

Der  Festlegung  gleichzuachten  ist  das  Führen  der  mit  einem  sicheren  Maulkorbe  versehenen  Hunde
an  der  Leine;  jedoch  dürfen  die  Hunde  ohne  polizeiliche  Erlaubniß  aus  dem  gefährdeten  Bezirke  nicht  ausgeführt
  werden.

Als  gefährdet  gelten  alle  Ortschaften,  in  welchen  der  wuthkranke  oder  der  der  Seuche  verdächtige
Hund  gesehen  worden  ist,  und  die  bis  4  Kilometer  von  diesen  Ortschaften  entfernten  Orte  einschließlich  der
Gemarkungen  derselben.

Die  Benutzung  der  Hunde  zum  Ziehen  ist  unter  der  Bedingung  gestattet,  daß  dieselben  fest  angeschirrt,
  mit  einem  sicheren  Maulkorbe  versehen  und  außer  der  Zeit  des  Gebrauchs  festgelegt  werden.

Die  Verwendung  von  Hirtenhunden  zur  Begleitung  der  Herde,  von  Fleischerhunden  zum  Treiben
von  Vieh  und  von  Jagdhunden  bei  der  Jagd  kann  unter  der  Bedingung  gestattet  werden,  daß  die  Hunde
außer  der  Zeit  des  Gebrauchs  (außerhalb  des  Jagdreviers)  festgelegt  oder,  mit  einem  sicheren  Maulkorbe  versehen,
  an  der  Leine  geführt  werden.

Die  Polizeibehörde  hat  anzuordnen,  daß  Hunde,  welche  der  Vorschrift  dieses  Paragraphen  zuwider
innerhalb  des  gefährdeten  Bezirks  frei  umherlaufend  betroffen  werden,  sofort  zu  tödten  sind.

§.  21.

Die  auf  Grund  der  Vorschrift  des  §.  20  von  der  Polizeibehörde  getroffenen  Anordnungen  sind  sofort
  auf  ortsübliche  Weise  und  durch  Bekanntmachung  in  dem  für  amtliche  Publikationen  bestimmten  Blatte
(Kreis-,  Amtsblatt  u.  s.  w.)  zur  öffentlichen  Kenntniß  zu  bringen.  Die  gefährdeten  Gemeinden  oder  Ortschaften
  sind  einzeln  zu  bezeichnen.

§.  22.
Die  Vorschriften  der  §§.  16  bis  21  finden  auf  Katzen,  welche  von  der  Tollwuth  befallen,  oder  der
Seuche  oder  der  Ansteckung  verdächtig  sind  (§.  1  Absatz  2  des  Gesetzes),  sinngemäße  Anwendung.

§.  23.

Andere  Hausthiere,  von  welchen  feststeht  oder  rücksichtlich  welcher  der  Verdacht  vorliegt,  daß  sie  von
einem  wuthkranken  oder  einem  der  Seuche  verdächtigen  Thiere  gebissen  sind,  ohne  daß  sie  bereits  der  Seuche
verdächtig  geworden  sind,  müssen  von  der  Polizeibehörde  sofort  und  für  die  Dauer  der  Gefahr  unter  polizeiliche
Beobachtung  gestellt  werden  (§.  19  des  Gesetzes).  Die  Abschlachtung  solcher  Thiere  ist  gestattet  (vgl.  jedoch
§.  29).  In  letzterem  Falle  müssen  vor  weiterer  Verwerthung  des  Thieres  diejenigen  Körpertheile,  an  welchen
sich  Bißwunden  befinden,  unschädlich  beseitigt  werden.

   §. 24.
Die  Dauer  der  Gefahr  ist  für  Pferde  auf  3  Monate,  für  Rindvieh  auf  4  Monate,  für  Schafe,
Ziegen  und  Schweine  auf  2  Monate  zu  bemessen.

§.  25.
Während  der  Dauer  der  polizeilichen  Beobachtung  dürfen  die  Thiere  ohne  polizeiliche  Erlaubniß
ihren  Standort  (Gehöft)  nicht  wechseln.  Im  Falle  des  mit  polizeilicher  Erlaubniß  erfolgten  Wechsels  ist  die
Beobachtung  in  dem  neuen  Standort  fortzusetzen.