Full text: deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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bildlich: den verstrickten knopf auflösen (schwieriges 
entwirren) D. Städtechr. 3, 136; den einigen knopf der 
ee löset der einig tod auf Herold Ee 16b; an Stelle 
des knopfes oder nestels an Kleidern treten kleine Kugeln 
oder Scheiben mit demselben Namen, der bis jetzt ge- 
blieben ist; mhd.: driu knöpfel von kristalle, . den 
buosem er dä mite beslöz Helmbrecht 194; nhd. die 
knöpfe abschneiden, seidene knöpfe auf einem kleide 
haben Steinbach; dasz du an könig Heinrich ge- 
haftet habest wie der knopf am wamse CFMeyer 
d. Heilige 13; übertragen, — Schrullen: der junge Er- 
win, der hatte auch solche knöple, es war ihm nirgends 
wohl der junge Goethe 3, 509; gewöhnlich in scherz- 
hafter derber Rede — Geld: knöpfe haben, die knöpfe 
sind ihm ausgegangen; — von einem Menschen, nach 
seiner körperlichen Gestalt oberdeutsch = Knirps, sonst 
aber auch — grober, plumper Kerl: du unverständiger 
knopf Simpl. 4, 236; jetzt noch studentisch: ein trauriger 
knopf, lumpiger Bursch. In der Gewerksspr.: bei den 
Hutmachern heißen knöpte die beiden Absätze auf der 
Walktafel, auf die sich der Rollstock stützt; bei den Tuch- 
machern knöpfchen kleine Zäpschen oder zusammen- 
gedrehte Haare, die nach dem Frisieren eines Tuchs oder 
Zeuges entstehen Jacobsson. — Zusammensetzungen: 
Knopfbinse, k. glatte rundköpfige Binsenart. — Knopf- 
form, k. Form eines Knopfs; Form in der Kleiderknöpfe 
gegossen werden. — knopfförmig, von der Form eines 
Knopfes. — Knopfloch, n. Loch in welches ein Kleider- 
knopf geknöpft wird: knopfloch, /Issura vestis ad 
recipiendum nodum Steinbach; ich . steckte die 
rose ins knopfloch Eichendorff Taugen. 43; wer das 
erste knopfloch verfehlt, kommt mit dem zuknöpfen 
nicht zu rande Goethe 56, 130; du hättest die Oest- 
reicher durch ein knopfloch gejagt Schiller Räub. 
1, 2; scherzend ein lecres knopfloch, ohne Orden. — 
Kuopfmacher, m. Handwerker der Knöpfe macht. — 
Knopfnadel, k. Stecknadel. 
Knöpfen, trans. Knoten schlingen; als Frauenarbeit: 
ich lehre kleine mädgen stricken und knöpfen der 
junge Goethe 3, 641 (Stella 2, in späteren Ausgaben 
kunpfen); mit Knöpfen verbinden: er knöpfte die hosen 
an den bosenträger; näher bestimmt etwas anknöpfen, 
einknöpfen, on.. auch auf-, zuknöpfen; von den Knöpfen 
lösen, etwas losknöpfen, abknöpfen: er knöpfte sich 
seine kravatte ab; bildlich, in burschikoser Rede, einem 
geld abknöpfen, entziehen; intrans. wie ein Knopf 
schließen: was willst du mit den alten tröpfen, es 
sind knöpfe die nicht mehr knöpfen Goethe zahme 
kenien 1; früher = knospen; ohne Umlaut: die pém 
(Bäume) knopften fast D. Städtechr. 3, 311; vgl. auch 
knupfen. — kuböpfig, älter kuöpficht, mit Knöpfen ver- 
sehen: knöpficht nodosus Steinbach; in Zusammen- 
setzungen: ein-, zwei-, dreiknöpfige handschuhe. 
Knorpel, m. gallertartiger Knochenansatz; mhd. in 
gnorbel-, knorbel-, knorpel-, gnarpel-, knarbel-, knar- 
ber-, knorfelbein enthalten, ungewisser Herkunft; als 
kuorspel: fisch, die für den ruekgradt cinen knorszpel 
haben Eppendorff Plinius 9, 18; bei Luther knörbel 
3. Mos. 8, 23. 14, 14; seit 17. Ih. einzig in der heutigen 
Schriftform: knorpel, knorpelbein cartilago Stieler; 
kehl-, nasen-, ohrenknorpel u. ä.; ein gequetschter 
kuorpel von nase Lessing Laok. 25; — in älterer Spr. 
auch vom Muskelfleisch, Maus: knorpel, pulpa, infer- 
finium Dief.-Wülcker. — kuorpelig, älter knorpelicht, 
Knorpel enthaltend, knorpelartig: knorplicher ochsen- 
gaum (als Speise) Voß Idyll. 13, 181. 
Knorren, m. harter knotenartiger Auswuchs; ahd. 
nicht bezeugt, mhd. knorre, mit einer Nebenform knore, 
die auch Fels, Klippe, Gipfel, und selbst Schlag oder 
Knuff bedeutet; das innere r des Wortes wird aus s 
hervorgegangen sein und knorre, knüre zu mhd. knusen, 
kuussen, ahd. chnussan, chnusan, schlagen, stoßen, alt- 
Knopfbinse — Knorren. 
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engl. enyssan, altnord. knosa, stoßen, drängen, schweiz. 
knus, Knorren, Auswuchs (Stalder) gehören; dem 
mhd. Nom. knorre entspricht älter nhd. knorre, gekürzt 
knorr éuberculum Schottel; sogar in starke Form 
gewandelt: knorr, Plur. die knorre Steinbachz jetzt 
nur knorren; am Holz: (Tannenholz) hät niht wil 
knorren Megenberg 314, 4; in ast und krone, rinden- 
risz und kuorren Lenau 377; bildlich: nur musz der 
knorr den knubben hubsch vertragen Lessing Nath. 
2, 5; auf andere Dinge übertragen: ein knorren brot, 
großes, unförmliches Stück, knorren, harte, große Ge- 
schwüre Adelung; knorren an einem rohre, an deu 
strohhalmen, rundliche Absätze, Knoten ebd.; bei Schiefer- 
brechern härtere Teile im Schiefer; besonders = Knöchel: 
knorr, knorren an den fuszen, talus, an den fingern, 
condly#ass, knörrelein an dem ellbogen, otecronon, an- 
ceonaeum Steinbach; an den vorderen füszen verlor 
herr Isegrim also seine schuhe bis an die knorren 
Goethe Rein. F. 6; auch von einem kurzen, plumpen 
Menschen, wie schon mhd. knorre: leider lebt dieser 
hartnäckige knorren so gut, wie du und ich Freytag 
Brautfahrt 1, 2. — knorrig, älter knorricht, mit Knorren 
versehen, voller Knorren: knorrichter baum, drbor 
Nodosa Stieler; knorriges holz, ein knorriger prügel 
Adelung; bildlich: auch ich war damals ein gesundes 
schlankes bäumchen, und bin itzt ein so fauler knor- 
richter stamm Lessing Brief 1780; auf die Gesinnung 
des Menschen übertragen, in älterer Spr. auch mit Um- 
laut: schnurrige und knorrige menschen Luther 
2, 35905; die störrigen, knörrigen köpfe 6, 502; jetzt 
ohne solchen: den knorrigen wuchs des volkscharakters 
Treitschke 1, 37; sehroff und knorrig 372.— Knorz, m. 
Astknoten, ahd. mhd. knorz, Weiterbildung von knorre: 
tuber knortz am holtz Dief.; übertragen in gewöhn- 
licher Rede auch auf zähe, geizige Menschen. — knorzen, 
sich wie ein zäher, geiziger Mensch gebaren: mit gelde 
knorzen. — kuorzig, knorrig; übertragen zähe, geizig. 
Kuospe, # Blätter= oder Blütenknopf; spät mhd. 
knospe — Knorren, und mit letzterem stammlich ver- 
wandt, da dessen inneres r auf s zurückgcht; wie kuorren 
auf Menschen gewendet: ruckt zusamen jr knospen, ich 
gehör auch an den pfosten, sagt der dib . . zu eim 
gespickten galgen Garg. 184; eingeengt zu dem heutigen 
Sinne (im 14. Ih. Dim. knospechin Fundgr. 1, 379), 
erst seit 17. Jh. allgemein geworden: ein baum voller 
knospen Stieler; die knospe blüht auf Stein- 
bach; (Blume) die schon reizend aus der knospe bricht 
Schiller 2, 353; das jüngste knösplein, gestern dran 
(am Baume) erblüht Keller Werke 10, 71; übertragen: 
so bricht die knospe der liebe . auf Goethe Briefe 
a. d. Schweiz 1; dasz die blume der zarten licb aus 
ihrer kuospe breche Schiller Jungfr., Prolog 2. — 
knospen, Knospen treiben: die bäume knospen schon 
Adelung; im knospenden lenz Voß JIdyll. 12, 61. 
Knoten, m. harter rundlicher Auswuchs, durch Ver- 
schlingung gebildeter Knopf, u. a.; ahd. knodo, mhd. 
knode und knote, in den germanischen Sprachen mit 
mehreren Nebenformen, altengl. enotta, Knoten, alt- 
nord. ku#tr Knoten, knata Knöchel zum Spielen, auch 
mhd. knotze Knorren gehört dazu; Herkunft und Ur- 
bedeutung dunkel. Auch im ältern Nhd. ist die Form 
noch nicht fest: knod, kuot, knut, nodus, tulus Schottel 
(ogl. dazu knödel); knod, knode, knoten Stieler:; 
knode, knoden. knote, knoten Frisch; seit Adelung 
gilt knoten, nur bei persönlicher Bed. (s. unten) sieht 
auch heute noch lieber knote. Die Bed. der gewachsenen 
rundlichen Erhöhung mannigfach, mehr in älterer als 
in jüngerer Spr., oft — Knöchel: knod am fusz talus, 
dz bisz auf dic knoden gehet, talaris, der grosze knoden 
an den fuszen hat scaurus Dasypodius; fingerknod, 
condilus ebd. fersen, knoden, knorren Fisch art podagr. 
Trostb. K 82; knoten an den pferden, der absatz zwi- 
knorrig — Knoten.