Metadata : Geschichte der Hohenzollern.

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Souveränetät  laute,  und  daß,  was  noch  weit  schlimmer  sei,  der  Koͤnig  Johann
Cafimir  an  die  Kalcksteins  geschrieben  habe;  auch  seien  die  Bürger  von  Rhode
auf  einer  feierlichen  Versammlung  in  der  Kneiphofischen  Kirche  zu  einem  neuen
Eide,  wahrscheinlich  um  sich  den  Absichten  des  Kurfürsten  zu  widersetzen,  aufgefordert
  worden.

Von  beiden  Seiten  konnte  man  sich  jetzt  wohlbegründete  Vorwürfe  machen,
denn  des  Kurfürsten  Forderungen  vernichteten  in  der  That  faktisch  die  alten
Privilegien  der  Stände,  deren  Erhaltung  doch  versprochen  worden  war,  und
andererseits  mußte  das  Benehmen  der  letztern,  der  von  Polen  anerkannten  Souveränetät
  gegenüber,  als  Hochverrath  erscheinen;  doch  ist  zu  bemerken,  daß  für
letzteren  keine  offenen  Beweise  vorlagen,  wogegen  des  Kurfürsten  Propositionen
ganz  offiziell  waren.

Die  Stände,  durch  Rhode's  und  der  Kalcksteins  Einfluß  beherrscht,  konnten
sogar  noch  wesentliche  Rechtsbedenken  gegen  die  Anerkennung  der  Souveränetät
erheben,  weil  dazu  polnische  Bevollmächtigte  nöthig  und  diese  noch  nicht  erschienen
waren.  Deshalb,  lautete  ihre  Entschuldigung,  seien  sie  auch  vollkommen  berechtigt,
  namentlich  wenn  ihre  alten  Privilegien  verletzt  würden,  die  man  doch
unmöglich  mit  den  neuen  Staatsverträgen  habe  vernichten  können,  bei  einer
zweifelhaften  Auslegung  dieser  Stipulationen,  bei  dem  König  von  Polen  um
Entscheidung  über  dieselben  anzufragen.  Schwerin,  welcher  das  Gewicht  dieser
Gründe  sehr  wohl  fühlte,  suchte  die  Stände  wegen  ihrer  Privilegien  zu
beruhigen,  doch  vergebens,  denn  diese  wandten  sich  dessenungeachtet  an  den
König  von  Polen,  und  rechtfertigten  ihren  Schritt  in  einer  weitläufigen  Deduktion.
  Uebrigens  bemühten  sie  sich,  ihm  auch  zu  beweisen,  daß  die  staatsklug
  gegründete  Verbindung  mit  Polen  nur  zum  Nachtheile  des  Landes  aufgehoben
  werden  dürfte.

In  diesem  Punkte  aber  lag  des  Kurfürsten  höhere  Berechtigung,  da  ihn
sein  weiser  und  tiefdringender  politischer  Blick  gerade  in  der  Trennung  von
Polen  die  Macht  und  Größe  seines  Herrscherstammes,  die  glückliche  Zukunft  des
jetzt  unwillig  widerstrebenden  Landes  sehen  ließ.  Und  eben,  weil  er  dies  mit
fester  Ueberzeugung  erkannte,  und  deshalb  unverrückt  sein  Ziel  verfolgte,  siegte
er  über  den  durch  das  historische  Recht  gestützten  Widerstand.  Wie  wenig  übrigens
  die  Verbindung  mit  Polen  dem  Herzogthume  in  dem  letzten  Kriege  genuzt
hatte,  lag  offen  zu  Tage,  deshalb  waren  auch  die  kleinen  Städte,  und  überhaupt
Alles,  was  nicht  seinen  Stolz  und  seine  Befriedigung  in  der  Ausübung  ständischer
  Rechte  suchte,  mit  der  selbstständigen  Herrscherstellung  des  einsichtsvollen
und  kräftigen  Fürsten  zufrieden.

Nach  einer  kurzen  Unterbrechung  des  Landtages  wegen  einer  Pest,  welche
damals  das  Land  in  Schrecken  setzte,  suchte  man  endlich  zum  Abschluß  der  Sache
zu  kommen.  Der  größte  Theil  der  Stände  lebte  in  der  Besorgniß,  daß  Friedrich
  Wilhelm  den  Begriff  der  Souveränetät  auffassen  möchte,  wie  die  Könige

von  Frankreich,  nämlich  als  das  Recht,  über  Gut  und  Leben  der  Unterthanen
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