Full text: Central-Blatt für das Deutsche Reich. Sechzehnter Jahrgang. 1888. (16)

Anlage. 
Anleitung 
für die Untersuchung von Farben, Gespinusten und Geweben auf Arsen und Zinn (S. 1 Abs. 3, 
§. 7 Abs. 2 des Gesetzes, betr. die Verwendung gesundheitsschädlicher Farben bei der Herstellung 
von Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen, vom 5. Juli 1887). 
A. Verfahren zur Frststellung des Vorhandenseins von Arsen und Binn in gefärbten Nahrungs= oder 
Genußmitteln (§. 1 des Gesetzes). 
I. Feste Körper. 
1. Bei festen Nahrungs= oder Genußmitteln, welche in der Masse gefärbt sind, werden 20 g in 
Arbeit genommen, bei oberflächlich gefärbten wird die Farbe abgeschabt und ist soviel des Abschabsels in 
Arbeit zu nehmen, als einer Menge von 20 g des Nahrungs= oder Genußmittels entspricht. Nur wenn 
solche Mengen nicht verfügbar gemacht werden können, darf die Prüfung auch an geringeren Mengen 
vorgenommen werden. 
2. Die Probe ist durch Reiben oder sonst in geeigneter Weise fein zu zertheilen und in einer 
Schale aus echtem Porzellan mit einer zu messenden Menge reiner Salzsäure von 1010 bis 1112 spez. 
Gewicht und soviel destillirtem Wasser zu versetzen, daß das Verhältniß der Salzsäure zum Wasser etwa 
wie 1 zu 3 ist. In der Regel werden 25 cem Salzsäure und 75 cem Wasser dem Zwecke entsprechen. 
Man setzt nun 0,5 8 chlorsaures Kalium hinzu, bringt die Schale auf ein Wasserbad und fügt 
— sobald ihr Inhalt die Temperatur des Wasserbades angenommen hat — von 5 zu 5 Minuten weitere 
kleine Mengen von chlorsaurem Kalium zu, bis die Flüssigkeit hellgelb, gleichörmig und dünnflüssig 
geworden ist. In der Regel wird ein Zusatz von im ganzen 2 g des Salzes dem Zwecke entsprechen. 
Das verdampfende Wasser ist dabei von Zeit zu Zeit zu ersetzen. Wenn man den genannten Punkt er- 
reicht hat, so fügt man nochmals 0, gshlorsaures Kalium hinzu und nimmt die Schale alsdann von 
dem Wasserbade. Nach völligem Erkalten bringt man ihren Inhalt auf ein Filter, läßt die Flüssigkeit 
in eine Kochflasche von etwa 400 cem völlig ablaufen und erhitzt sie auf dem Wasserbade, bis der Geruch 
nach Chlor nahezu verschwunden ist. Das Filter sammt dem Rückstande, welcher sich in der Regel zeigt, 
wäscht man mit heißem Wasser gut aus, verdampft das Waschwasser im Wasserbade bis auf etwa 50 cem 
und vereinigt diese Flüssigkeit sammt einem etwa darin entstandenen Niederschlage mit dem Hauptfiltrate. 
Man beachte, daß die Gesammtmenge der Flüssigkeit mindestens das Sechsfache der angewendeten Salz- 
säure betragen muß. Wenn z. B. 25 cem Salzsäure verwendet wurden, so muß das mit dem Wasch- 
wasser vereinigte Filtrat mindestens 150, besser 200 bis 250 cem betragen. 
3. Man leitet nun durch die auf 60 bis 80% C. erwärmte und auf dieser Temperatur erhaltene 
Jlüssigkeit 3 Stunden lang einen langsamen Strom von reinem, gewaschenem Schwefelwasserstoffgas, 
läßt hierauf die Flüssigkeit unter fortwährendem Einleiten des Gases erkalten und stellt die dieselbe ent- 
haltende Kochflasche, mit Filtrirpapier leicht bedeckt, mindestens 12 Stunden an einen mäßig warmen Ort. 
4. Ist ein Niederschlag entstanden, so ist derselbe auf ein Filter zu bringen, mit schwefelwasser- 
stoffhaltigem Wasser auszuwaschen und dann in noch feuchtem Zustande mit mäßig gelbem Schwefel- 
ammonium zu behandeln, welches vorher mit etwas ammoniakalischem Wasser verdünnt worden ist. In 
der Regel werden 4 cem Schwefelammonium, 2 cem Ammouniakflüssigkeit von etwa 0,06 spez. Gewicht 
und 15 cem Wasser dem Zwecke entsprechen. Den bei der Behandlung mit Schwefelammonium ver- 
bleibenden Rückstand wäscht man mit schwefelammoniumhaltigem Wasser aus und verdampft das Filtrat 
und das Waschwasser in einem tiefen Porzellanschälchen von etwa 6 cm Durchmesser bei gelinder Wärme 
bis zur Trockne. Das nach der Verdampfung Zurückbleibende übergießt man, unter Bedeckung der 
Schale mit einem Uhrglase, mit etwa 3 cem rother, rauchender Salpetersäure und dampft dieselbe bei 
gelinder Wärme behutsam ab. Erhält man hierbei einen im feuchten Zustande gelb erscheinenden Rück- 
stand, so schreitet man zu der sogleich zu beschreibenden Behandlung. Ist der Rückstand dagegen dunkel, 
so muß er von neuem so lange der Einwirkung von rother, rauchender Salpetersäure ausgesetzt werden, 
bis er im feuchten Zustande gelb erscheint. 
5. Man versetzt den noch feuchten Rückstand mit fein zerriebenem kohlensaurem Natrium, bis 
die Masse stark alkalisch reagirt, fügt 2 g eines Gemenges von 3 Theilen kohlensaurem mit 1 Theil sal-
	        
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