Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Sechzehnter Jahrgang. 1888. (16)

—  27270.  —

Nr.  4.  Zu  §§.  4  und  9  des  Gesetzes.

u.  §.  9.  Die  Einrichtung  der  von  den  Steuerstellen  zu  führenden  Heberegister  über  die  Einnahme
  aus  der  Zuckersteuer  (Materialsteuer,  Verbrauchsabgabe,  Steuer  für  Zucker  aus  Niederlagen)
wird  von  den  obersten  Landes-Finanzbehörden  oder  auf  deren  Ermächtigung  von  den  Direktiv-—

  behörden  bestimmt.  Das  Muster  1  dient  dabei  als  Vorbild.  "  6
—  der  §.  10.  Inhabern  von  Zuckerfabriken  mit  Rübenverarbeitung  wird  zur  Entrichtung  der
Stundung Zuckersteuer.  Materialsteuer  gegen  Sicherheitsbestellung  ein  sechsmonatlicher  Kredit  mit  der  Maßgabe  be-"Stundung gegen Sicherheitsleistung
  willigt,  daß  die  Steuer  für  die  während  der  Zeit  von  Anfang  März  bis  zum  Ende  des  Betriebsleisung.

  jahres  (31.  Juli)  verarbeiteten  Rüben  im  Monat  August  fällig  wird.

Die  Verbrauchsabgabe  für  Zucker  wird  den  zu  ihrer  Entrichtung  verpflichteten  Gewerbetreibenden
  gegen  Sicherheitsbestellung  auf  sechs  Monate  gestundet.

Den  Inhabern  von  Zucker-Raffinerien,  einschließlich  der  die  Herstellung  von  raffinirten
Zuckern  betreibenden  Rübenzuckerfabriken  und  Melasse-Entzuckerungsanstalten,  kann  zur  Entrichtung
der  Stener  für  Zucker  aus  Niederlagen  (Erstattung  der  Materialsteuervergütung  für  den  gegen
Steuervergütung  niedergelegten  und  demnächst  zu  Raffineriezwecken  aus  der  Niederlage  entnommenen
Rohzucker)  gegen  Sicherheitsbestellung  ein  sechsmonatlicher  Kredit  mit  der  Maßgabe  bewilligt  werden,
daß  die  Steuer  für  den  während  der  Zeit  von  Anfang  März  bis  Ende  Juli  aus  der  Niederlage
entnommenen  Rohzucker  im  Monat  August  fällig  wird.  Jür  die  Höhe  des  Kredits  ist  die  regelmäßige,
  bezüglich  neu  entstandener  Betriebe  zunächst  durch  Schätzung  festzustellende,  jährliche  Verbrauchsmenge
  der  Raffinerie  an  Rohzucker  maßgebend,  vorbehaltlich  einer  etwaigen  bei  außerordentlicher
  Verstärkung  des  Betriebes  vorübergehend  zu  bewilligenden  Erhöhung.  ·

8.  11.  Die  Sicherheitsleistung  hat  auf  Höhe  des  zu  stundenden  Abgabenbetrages  zu  er—
folgen  und  kann  geschehen:

a)  durch  Niederlegung  einer  gleich  großen  Summe  kurshabender  inländischer  Staatspapiere
oder  sonstiger  von  der  Reichsbank  beleihbarer  Effekten  als  Faustpfand.  Inländische  Staatspapiere
  und  Steuervergütungsscheine  über  Zuckersteuer  sind  zum  Neunwerthe  anzunehmen.
Steuervergütungsscheine  gelten  nur  bis  zum  Ablauf  der  Frist,  innerhalb  welcher  sie  anrechnungsfähig
  sind,  als  Sicherheit.  Bei  anderen  Effekten  ist  der  Kurswerth,  soweit  er
nicht  über  den  Nennwerth  hinausgeht,  zu  Grunde  zu  legen,  in  jedem  Falle  jedoch  nach
den  Grundsätzen  zu  verfahren,  welche  von  Seiten  des  nächsten  Reichsbank-Komtors  bei  der
Annahme  von  Werthpapieren  als  Unterpfand  beobachtet  werden;  fällt  der  Kurs  derartiger
Effekten  erheblich  unter  den  Werth,  zu  welchem  dieselben  bei  der  Annahme  in  Absatz  gebracht
  worden  sind,  so  ist  die  Sicherheit  zu  ergänzen.

Die  zu  den  Werthpapieren  gehörenden  Zinsscheine  (Kupons),  Dividendenscheine
und  Anweisungen  zu  Zinsscheinen  (Talons)  sind  mit  zu  hinterlegen.

Mit  Genehmigung  der  obersten  Landes-Finanzbehörden  und  unter  den  von  denselben
  vorzuschreibenden  Bedingungen  können  auch  Effekten,  welche  von  der  Reichsbank  nicht
beleihbar  sind,  als  Sicherheitsleistung  zugelassen  werden;

b  zn  Ausstellung  gezogener  oder  trockener,  von  sicheren  Personen  acceptirter  oder  avalirter

Wechsel:

0)  durch  Hypotheken  oder  Grundschulden,  sofern  dieselben  bei  ländlichen  Grundstücken  innerhalb
der  ersten  zwei  dritlel  des  durch  die  Taxe  einer  zur  Aufnahme  von  Taxen  zuständigen
Behörde  oder  amtlich  verpflichteter  Sachverständiger,  bei  städtischen  Grundstücken  innerhalb
der  ersten  Hälfte  des  durch  die  Taxe  einer  zuständigen  Behörde  oder  durch  die  Taxe  einer
öffentlichen  Feuerversicherungsgesellschaft  zu  ermittelnden  Werthes  derselben  zu  stehen  kommen.

Für  städtische  Grundstücke  bleibt  bei  besonderen  örtlichen  Verhältnissen  der  obersten
Landes-Finanzbehörde  eine  andere  Bestimmung  der  Beleihungsgrenze  vorbehalten;

d)  durch  Bestellung  eines  Faustpfandes  an  Zuckervorräthen  oder  anderen  Waaren  dergestalt,

daß  das  Unterpfand  gleich  realisirt  werden  kann,  wenn  die  gestundete  Abgabe  nicht  rechtzeitig
  entrichtet  wird.

Die  nach  Maßgabe  der  vorstehenden  Bestimmungen  zulässige  Stundung  der  Zauckersteuer
kann  von  den  Hauptämtern  selbständig  bewilligt  werden.  Soll  die  Sicherstellung  auf  andere  Weise,
z.  B.  durch  Bürgschaftsleistung,  erfolgen,  so  bleibt  die  Entscheidung  den  Direktivbehörden  vorbehalten.

 

B.  Sicherheitsleistung.