Contents : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

54  2.  Deutiche  Zuftände  nad)  dem  mweitfälifchen  Frieden.

des  Kirchenglaubens  erkannt  hatte,  zur  Abichwörung  gezwungen.
Dies  hielt  den  Gang  des  Forjchens  nicht  anf  und  eben  in  jener
zweiten  Hälfte  de3  fiebzehnten  Jahrhundert3  reihte  fi)  Entdedung
an  Entdedung  und  immer  mehr  berühmte  Namen  tauchten  auf.
Der  Italiener  Torricelli  erfand  den  Barometer,  der  Bürgermeister
  von  Magdeburg  Otto  von  Gueride  die  Luftpumpe,  der
Engländer  Robert  Boyle  jtellte  Unterfuchungen  über  die  Be-Ichaffenheit
  der  Luft,  Harvey  über  den  Kreislauf  des  Blutes
an,  und  laaf  Newton  machte  die  weittragende  Entdedung  der
Schwerkraft.  Kühn  wagte  fih  die  Philofophie,  die  Wifjenfchaft
vom  Wiffen,  an  die  höchiten  und  tiefften  Probleme  —  den
Gegenfa  gegen  die  Grundlagen  der  Firchlichen  Lehre  noch
Ichüchtern  verstecfend,  wie  der  Franzoje  Nene  Descartes,  oder
wie  der  große  jüdiiche  Bhilojoph  Baruch  Opinoza  unbefümmert
um  ihn  und  der  Tirchlichen  Feindichaft  in  feiner  holländischen
Heimat  nicht  mehr  erreichbar.  Und  auch  die  Regierungen  fingen
an,  wifjenichaftlihe  Forjchung  zu  begünftigen.  Afademien  entftanden:
  im  Sahre  1660  die  Acad&mie  des  Sciences  in  Paris,
wo  Ludwig,  ohne  in  feinem  gebundenen  Geilte  dejfen  Tragweite
und  feine  Testen  Konjequenzen  zu  ahnen,  auch  diejes  Mittel  der
Berherrlichung  jener  Regierung  förderte;  im  jelben  Sahr  Die
Royal  Society  in  London,  wo  der  frivole  Sinn  des  Königs
Karl  II  gerne  zur  Abwechslung  auch  in  den  Kuriofitäten  naturwijjenichaftlichen
  Forichens  und  Erperimentierens  fich  gefiel.  Sie
trug  die  ftolze  Aufichrift  aus  alter  Zeit:  Nullius  in  verba,
auf  feines  Meifterd  Worte  jchwören,  und  proflamierte  damit  den
Grundfab  der  Unabhängigkeit  der  Wifjenichaft  von  jeder  äußeren
Autorität.  Neben  den  Naturwiffenichaften  ftrebte  auch  die  Ge-Ihichte-
  und  die  Staatswifjenschaft  über  die  alten  Schranfen
hinaus.  Man  unterfuchte,  wo  die  Menge  glaubte  und  ftaunte:
Urjprung  und  Wejen  des  Staates,  gegenjeitige  Rechte  und  Pflichten
der  Fürjten  und  der  Untertanen,  Nechtzverhältnifje  der  WVülfer
untereinander:  —  der  Holländer  Hugo  ©rotius,  die  Deutichen
Philipp  von  Chemmig  und  Samuel  Bufendorf,  die  Engländer