Sechstes Kapitel.
Pflege der Schönheit.
Wundervolle Harmonie entsteht,
–— Wenn Schönheit der Seele
Mit Schönheit des Leibes sich eint.
— Schönheit ist Macht, — sie ist eine der herrlichsten Bei-2
gaben, die uns Mutter Natur in die Wiege gelegt, — sie
HGHHewinnt die Herzen und zieht alle Blicke an und leitet oft im
1 geheimen die Handlungen der Menschen, aber — sie kann
oohne Gesundheit nicht bestehen, und sie kann auch nur dann
ihre höchsten Triumphe feiern, wenn Geist und Gemüt dem schönen und
gesunden Körper ihre Merkmale aufgedrückt haben. Ein vollkommen schöner
Mensch muß also verschiedene Vorzüge besitzen.
Die bloße schöne Form, das gesunde Außere ziehen nicht lange an,
wenn nicht Anmut, Herzenswärme, das Leuchten eines klaren Geistes die Züge
erhellen; dagegen gibt es viele Menschen, welchen die tadellose Form fehlt,
die aber durch die Anmut ihrer Seele wirken und durch den Reiz, den
Jugend und Gesundheit verleihen.
Stets haben die Menschen nach äußerer Schönheit gestrebt, zu allen
Zeiten und in der verschiedensten Art; ihre Schönheitsideale wechselten aber
mit ihrer wachsenden Kultur und mit ihren Begriffen über menschliche Vollkommenheit.
Wir haben längst erkannt, daß der Begriff der „Schönheit"
sich mit der Harmonie in der äußeren Erscheinung deckt, und daß es sich nicht
immer genau angeben läßt, durch welches Zusammenwirken von Einflüssen
und Eigenschaften sich diese entwickelt. Wenn ein als „schön“ bezeichneter
Mensch nicht allen Personen in gleichem Grade zu gefallen vermag, so liegt
dies weniger an ihm selbst, als an dem verschiedenen Beurteilungsvermögen
der Beschauer; ihr Urteil ist von ihrem ästhetischen Bildungsgrade, von
der Gesundheit der eigenen Gefühle abhängig. Darum kann man wohl
sagen: „über den Geschmack läßt sich nicht streiten“, aber nicht deshalb,
weil man nicht zu erklären vermöchte, warum dieser oder jener nicht gefüällt.
Das Streiten führt gewöhnlich zu keinem Ergebnis, weil objektives Beurteilungsvermögen
nicht eine Sache ist, die sich in einer Viertelstunde erlernen
J.
95 W 1T□