260 11. Das Vorspiel des Krieges. Der Krieg 1866
losschlagen, und Italien ihm so lange zur Verfügung stehen. Am
8. April wurde der Vertrag wirkungskräftig; bis zum Juli also
waren die beiden Staaten gegenseitig gebunden. König Wilhelm
hatte sich dazu entschlossen, weil auch Bayern, auf das Bismarck
Ende Februar noch gehofft hatte, sich zu Osterreich geschlagen
hatte, und dann — behielt er ja trotz dieses Vertrages die
Entscheidung in der Hand und konnte noch immer für Krieg
oder Frieden das Schwert in die Wagschale werfen.
Als dieses Bündnis bekannt wurde, rief der Franzose
Thiers aus: „Das ist das größte Ereignis der europäischen
Politik.“ So war es. Mit diesem Vertrage waren die beiden
großen Völker, die trotz reicher innerer Kräfte Jahrhunderte
lang zerrissen und geschwächt und ein Raub und Spott fremder
Völker gewesen waren, zusammengetreten in gemeinsamem Vormarsch
zu Einigkeit, Kraft, selbständigem Schaffen und künftiger
nie geahnter Größe. Und daß das so war, das ist allein das
Werk Bismarcks, dessen Ruhm er mit niemandem zu teilen
braucht. In einsamer Größe stand er da, als er die Tat vollbrachte.
Nicht wie Cavour hatte er sein Volk hinter sich; das
preußische Volk mit dem Kronprinzen an der Spitze sprach von
Bruderkrieg. Der König war nur sehr schwer zum Bündnis zu
bewegen. Die eigenen Parteifreunde — die seinem Herzen nahegestanden,
wie Ludwig von Gerlach — warnten vor dem Junheilvollen“"
Krieg, der, auch den Sieg vorausgesetzt, die Zerrüttung
des Vaterlandes, des preußischen und deutschen, in Aussicht
stelle. Die Herrschaft des Auslandes — des Bonaparte
und des italienischen Revolutionswesens — und, was das allerschlimmste,
die Befleckung des Gewissens des greisen Königs und
des gesamten Landes seien Gefahren und Resultate, die in nächster
Nähe drohten. Dabei war Bismarck umgeben von übelgesinnten
Diplomaten. Wohin Govone hörte, als er nach Berlin kam,
überall warnte man ihn, mit dem unzuverlässigen Preußen
sich einzulassen; so dachte der Graf Barral, so der englische
Botschafter, Lord Loftus, so der französische, Graf Benedetti.
Und ganz im Hintergrunde der gefährlichste Gegner, der überall
in Europa die Hand im Spiel hatte: Napoleon. Gerade in