III. Die Preisprüfungsstelle.
Venn man die Presse aus dem Sommer 1914 verfolgt oder die
Magistratsakten einer Stadt studiert, gewinnt man fast den Eindruch,
als sei das Volk vom ersten Kriegskage an, als das Verhältnis zwischen
Angebot und Nachfrage gestört wurde oder doch gestört zu werden
drohte, in zwei einander bitter befehdende Heerlager zerfallen: auf der
einen Seite der Erzeuger und Händler, der mit mehr oder weniger Recht
bestrebt war, für seine Waren und Erzeugnisse einen möglichst hohen
Preis herauszuschlagen, auf der anderen der Verbraucher, der, erst allein,
sehr bald durch das Gesetz und die Behörden unterstützt, eben dieselben
Waren und Erzeugnisse so billig wie möglich haben wollke. Gewiß
hatte jeder von seinem Standpunkt aus Recht. Wenn z. B. am 15. 10.
1915 in einer Pressebesprechung im Zeichsamt des Inneren gesagt
wurde: „Wir würden nicht davor zurüchschrecken, Produhtion und Handel
auch einmal ohne Gewinn oder hier und da sogar mit Verlust arbeiten
zu lassen. Das ist in solchen Zeiten selbstverständlich und muß nötigenfalls
von Produktion und Handel in den Kauf genommen werden“,
so muß man Produktion und Handel, denen durch derartige Anschauungen
jede Lebensgrundlage entzogen wurde, ein gewisses Notwehrrecht
zubilligen. Auf der anderen Seite kann man es auch dem Verbraucher
nicht verargen, wenn er sich gegen übertriebene Ausbeutung zu wehren
suchte. Hier, wo es nicht unsere Aufgabe ist, zwischen Recht und Unrecht
abzuwägen, genügt die Feststellung, daß in Stolp die Feindseligkeiten,
wenn man so sagen darf, vom Handel eröffnet wurden. Bereits am
3. S. 1914 konnten Revierbeamte auf dem Rathaus melden, daß über
unberechtigte Preisforderungen geklagt wurde, und am 4. 8. kamen
scharf umschriebene Beschuldigungen: eine Firma in Danzig wollte einem
Stolper Bächermeister Mehl nur noch gegen Voreinsendung des Betrages
und 50 c über Marktpreis liefern.
Der Magistrat beschloß sofort, derartigen Auswüchsen einen Kiegel
vorzuschieben und setzte, gestützt auf eine eben geschaffene gesehliche
Möglichkeit, eine lange Liste von Höchstpreisen für die gebräuchlichsten
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